LinkedIn DAS INVESTMENT
Suche

Themen-Experte Aktiver Ansatz aus Überzeugung

ANZEIGE
ANZEIGE

Gokce Bulut von Columbia Threadneedle Investments „Wir machen unsere Portfoliounternehmen stärker“

Gokce Bulut
Gokce Bulut: „Der Klimawandel ist für Investoren kein Thema mehr, dem sie ausweichen können.“ | Foto: Columbia Threadneedle Investments

DAS INVESTMENT: Herr Bulut, als Fondsmanager achten Sie bei der Asset-Auswahl auf Nachhaltigkeit. Welchen Stellenwert hat speziell der Klimawandel, dessen Folgen immer deutlicher zutage treten, in der Gesamtstrategie von Columbia Threadneedle Investments?

Gokce Bulut: Als aktive Eigentümer sehen wir das Engagement mit Emittenten als einen ganz wichtigen Bestandteil unseres Ansatzes. Indem wir die Unternehmen, in die wir investieren, dazu ermutigen, besser zu werden, kann aktive Eigentümerschaft ein starkes Druckmittel für positive Veränderungen sein. Der Klimawandel ist eines von sieben Themen, die unsere Engagement-Aktivitäten im gesamten Unternehmen bestimmen. Flankierend kommen eine Reihe von Unterthemen hinzu: Klimafinanzierung, Emissionsmanagement, Energiewende, Resilienz und Anpassung sowie Netto-Null-Strategie.

Was müssen Unternehmen, die für das Portfolio berücksichtigt werden sollen, vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung mitbringen?

Bulut: Wir orientieren uns bei unserem Engagement an den Best-Practice-Standards der Branche, insbesondere an der Benchmark Climate Action 100+. Wir engagieren uns sowohl im Rahmen von Climate Action 100+ und anderen Initiativen als auch im direkten Gespräch mit Unternehmen. Von den Unternehmen in unserem Portfolio erwarten wir Folgendes.

Ein Netto-Null-Ziel für 2050 – oder früher –, das Scope-1- und Scope-2-Emissionen sowie Scope-3-Emissionen, also alle anderen indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen, umfasst. Außerdem stehen kurz- und mittelfristige Emissionsziele im Fokus. Die Ziele sollten mit dem globalen Ziel, den Temperaturanstieg auf 1,5°C zu begrenzen, in Einklang stehen. Hinzu kommt eine glaubwürdige Strategie zur Erreichung dieser Ziele. Zusätzlich muss das Erreichen von klimabezogenen Zielen mit der Vergütung von Führungskräften verquickt sein. Letztlich müssen sich die Unternehmen zwingend mit den sozialen Auswirkungen des Übergangs zu einer kohlenstoffärmeren Welt befassen. Und, ganz wichtig, wir erwarten eine umfangreiche Offenlegung im Einklang mit den Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures, besser bekannt als TCFD.

Diese Leitlinien gelten aber schwerlich bei allen Investitionen rund um die Welt.

Bulut: Wir passen diese spezifischen Leitlinien an Sektoren, Regionen und Unternehmen an, weil wir deren unterschiedliche Entwicklungsstadien auf dem Weg zu Netto-Null berücksichtigen. Wir überwachen unser Engagement und messen Fortschritte im Hinblick auf die gesetzten Ziele.

 

Wie gehen Sie dabei konkret vor?

Bulut: Unser Team für verantwortungsbewusstes Investieren ist federführend bei unserem engagementorientierten Ansatz und hat im Jahr 2022 mit 507 Emittenten 924 Gespräche über den Klimawandel geführt. In 69 Prozent dieser Gespräche haben wir das jeweilige Unternehmen speziell auf die Netto-Null-Strategie angesprochen. Kurz gesagt: Wir stellen dabei bewährte Praktiken vor, drängen auf eine stärkere Ausrichtung auf CO2-arme Szenarien oder fordern mehr Klarheit über den jeweiligen Unternehmensansatz ein.

Wie nutzen Sie Stewardship, um Unternehmen in den Schwellenländern zu ermutigen, ihre Ausrichtung auf Netto-Null-Emissionen zu verbessern?

Bulut: Der Klimawandel ist für Investoren kein Thema mehr, dem sie ausweichen können. Im Laufe der Jahre haben wir immer wieder das Argument gehört, die Auswirkungen des Klimawandels seien zu abstrakt und nicht greifbar. Wir werden aber zunehmend Zeuge der direkten Auswirkungen des Klimawandels, die für viele Unternehmen, einschließlich der Unternehmen in unseren Portfolios, reale Folgen haben.

Vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern sehen wir eine große Dringlichkeit für ein Bewusstwerden der Risiken des Klimawandels: Diese Volkswirtschaften sind oft stärker von den durch die globale Erwärmung verursachten Veränderungen betroffen – angefangen von Problemen in der Lieferkette über gestrandete Vermögenswerte bis hin zu beispiellosen gesellschaftlichen Veränderungen.

Daher stehen wir, als Beispiel, im Dialog mit Unternehmen in besonders „schmutzigen“ Sektoren wie der Zement- und Stahlherstellung. Wir sprechen mit den Geschäftsführungen über technische Hindernisse und darüber, wie sie daran arbeiten, diese zu überwinden.

Welche Rolle spielen für Sie die 17 SDGs im Fondsmanagement?

Bulut: Die SDGs sind für uns wichtig und wir berücksichtigen sie bei der Portfoliokonstruktion.

Vorrangig investieren wir in sechs Themengebieten: Gesundheit, Ernährung, Technologische Innovation, Energiewende, Nachhaltige Infrastruktur und Verantwortungsvolle Finanzwirtschaft.

Warum gerade diese Themen?

Bulut: Dahinter steht die Überzeugung, dass Unternehmen, die sich auf die Bedürfnisse einer breiteren Gesellschaft ausrichten und eine langfristige Perspektive einnehmen, mit der Zeit florieren werden. Wir interessieren uns für Unternehmen, deren Management Kapital in Bereiche investiert, die für die Gesellschaft und die Umwelt von besonderem Nutzen sind.

Durch Ihr Engagement und Ihre Stimmabgabe versuchen Sie, gezielte Verbesserungen im Umgang der Unternehmen mit ESG-Risiken, -Chancen und -Auswirkungen zu erreichen. Wie machen Sie das konkret?

Bulut: Wir bauen gute Beziehungen zu den Unternehmen auf. Wir beraten und tauschen uns zu Best Practices aus. Belohnt werden wir für die Förderung unserer Investitionen durch eine langfristige Wertschöpfung. Wir messen die Fortschritte anhand von erreichten Meilensteinen und nutzen gezieltes Engagement und das Ausüben unserer Stimmrechte, um uns Gehör zu verschaffen.

Um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln: Unsere mit Blick auf die Gewichtung drei größten Titel im Portfolio halten wir seit über zehn Jahren. Wir haben belastbare Beziehungen zu den Geschäftsführungen aufgebaut, sodass wir auf verschiedenen Ebenen an Diskussionen teilnehmen.

Könnten Sie Beispiele nennen, bei denen Sie diese langfristigen Beziehungen genutzt haben, um die Unternehmen dazu zu bewegen, über ESG-Risiken, Chancen und Wirkungsmessung nachzudenken?

Bulut: Einige Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit: Wir wurden zur Konsultation für den anstehenden Nachhaltigkeitsbericht eines indischen Gesundheitsunternehmens eingeladen. Wir folgten Einladungen zu Gesprächen mit den Länderchefs und den Leitern der Produktbeschaffungsabteilung von führenden Lebensmitteleinzelhändlern in Polen und Kolumbien. Wir waren Teil einer kleinen Gruppe von Investoren, die ihre Einschätzungen sowie Verbesserungsmöglichkeiten mit einem der größten chinesischen Technologieunternehmen diskutierten.

Bevor wir uns aktiv einbringen, führen wir zusammen mit unserem Responsible-Investment-Team eingehende Untersuchungen durch, um die Positionierung unserer Portfoliounternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung genau verorten zu können. Durch kollaboratives Engagement mit anderen Asset Managern setzen wir viel daran, um die Unternehmen, in die wir investieren, mittel- bis langfristig stärker zu machen.

Zum CT Responsible Global Emerging Markets Equity Strategy Impact Report geht es hier.

 

Über den Interviewten:

Gokce Bulut ist Portfoliomanager im Global Emerging Markets and Asia Equity Team von Columbia Threadneedle Investments und leitet die Responsible Global Emerging Markets-Strategie. Er kam im Rahmen der Übernahme von BMO Global Asset Management 2017 zunächst als Analyst mit Schwerpunkt auf Frontier- und Schwellenländern zu Columbia Threadneedle Investments. 2018 wurde er zum Portfoliomanager befördert und ins Investment Leadership Team aufgenommen.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen
PDF nur für Sie. Weitergabe? Fragen Sie uns.