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Könner im Cockpit

Könner im Cockpit
Flexible Dach- und Mischfonds sind beliebt wie lange nicht mehr. Sie geben in guten Marktphasen Gas, treten in der Baisse früh auf die Bremse und meiden die Abgeltungssteuer. Nicht alle halten jedoch, was sie versprechen

Dax minus 20 Prozent, MSCI Welt minus 14 Prozent, MSCI Emerging Markets minus 17 Prozent: Was wichtige Aktienindizes Anfang dieses Jahres in der Spitze verloren haben, macht Anlegern Sorge. Wann und in welchem Maß sich die Börsen erholen, weiß niemand. Viele dürften sich daher einen Fondsmanager wünschen, der ihnen die Entscheidung über Einstieg, Ausstieg oder Wechsel zwischen einzelnen Anlageklassen abnimmt.

Flexible Dach- und Mischfonds haben genau diesen Anspruch: Sie bieten eine einfache Art der Vermögensverwaltung in einem einzigen Produkt - ein Konzept, das durch die Abgeltungssteuer zusätzlichen Charme gewinnt. Denn die Fonds für gute wie schlechte Zeiten können innerhalb der Anlageklassen wechseln, ohne dass die Steuer anfällt. Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen, hatten die Manager unter anderem in der Baisse zwischen 2000 und 2003. Doch nur ein einziger beim Analysehaus Lipper in der Kategorie „Mischfonds flexibel" geführter Fonds begrenzte den maximalen Verlust seit Anfang 2000 auf ein einstelliges Minus.

Von 22 Fonds mit ausreichend langer Historie verbrannten neun zeitweilig mindestens die Hälfte der Anlegergelder. Der Ideal Global von der PEH-Tochter Ideal Invest etwa, Spitzenreiter vieler Drei-Jahres-Vergleiche, verlor sogar gut 81 Prozent. Ruhig schlafen können Anleger angesichts solcher Zahlen nicht.

Die Feuerprobe bestanden hat Klaus-Dieter Wild, Manager des PEH Empire. Mit einem maximalen Defizit von 22 Prozent seit Anfang 2000 ist er nach Verlusten sortiert Spitzenreiter unter den globalen Mischfonds. Wild vertraut auf den Computer und das von ihm entwickelte Analysesystem „EvoPron". Das Sys­tem wird gern als neuronales Netz für die Kapitalmärkte bezeichnet: Es bewertet Rohstoffpreise, Konjunktur- und Börsendaten aus 44 Ländern und identifiziert attraktive Länder, Branchen und Einzeltitel. Manchmal identifiziert es auch nichts: Dann tauscht Wild die Aktien in Termingeld oder, wenn Kursgewinne winken, in Anleihen. Auch den jüngsten Turbulenzen konnte Wild damit ausweichen: Im Januar dieses Jahres senkte er den Aktienanteil auf weit unter 20 Prozent. In den vergangenen sechs Monaten verbuchte er darum nur einen Verlust von 3,6 Prozent.


Karambolagen vermieden
Mit 6,5 Prozent fielen die Verluste beim Mischfonds FI Alpha Global deutlich stärker aus. Manager Jens Ehrhardt hat den Aktienanteil weniger stark heruntergefahren: Aktuell macht jener rund 70 Prozent des Portfolios aus. Bei mittel- bis langfristiger Betrachtung zählt der Manager jedoch zu den Besten seiner Kategorie. Entscheidend für den Erfolg ist sein über Jahrzehnte entwickeltes Gespür für die Stimmung an den Kapitalmärkten. 50 Aktienhändler, Analysten und Manager befragt sein Team Woche für Woche, um Stimmungswechsel früh zu erkennen. Also: um genau das zu machen, was Mischfonds-Manager auszeichnen sollte. Trotz des guten Gesamtergebnisses dürfen Anleger allerdings nicht übersehen, dass Ehrhardt aggressiver vorgeht als sein Konkurrent Wild. Seit 2000 hat der FI Alpha Global in der Spitze mit 46,6 Prozent weit mehr als doppelt so viel verloren wie der PEH Empire. Wer auf Ehrhardt setzt, muss also zwischenzeitlich auch höhere Verluste verkraften können.

Peter Huber, ehemals Chefredakteur des „Börsen-Journals", zählt wie Ehrhardt und Wild zu den erfahrensten Vermögensverwaltern Deutschlands. Seit 1981 managt er Anleihen- und Aktiendepots, bis Mitte 2000 bei der von ihm gegründeten PEH Wertpapier AG. Zu größerer Bekanntheit hat er es als Berater der Aktien- und Rentenfonds der Fondsgesellschaft Starcapital gebracht, die er im August mit seiner 2004 gegründeten Huber Portfolio AG übernommen hat. Hubers Investmentstil ist antizyklisch. Bei Huber Portfolio managt der Vermögensverwalter mittlerweile auch zwei Mischfonds. Der zusammen mit Markus Elsässer betreute Starcap Special Values hielt in der jüngsten Krise einigermaßen Kurs. Seit Januar verloren die Oberurseler Vermögensverwalter 6,2 Prozent. Ähnlich wie bei Ehrhardt machen Aktien derzeit 65 Prozent des Portfolios aus.


Kein Signal zum Beschleunigen
Anders Thomas Käsdorf, Harald Schmidt und Michael Kupfer: Sie steigen nur in Extremfällen aus dem Aktienmarkt aus und dann auch nur teilweise. Aktuell beträgt die Aktienquote ihres Plutos International 90,9 Prozent. In Abwärtsphasen liegen sie daher kurzfristig oft schlecht - so auch jetzt. Bislang hat das Taunussteiner Trio aber noch jeden Rückschlag mit einer Outperformance nach der Korrektur wettmachen können.

Unter den Dachfondsmanagern hat sich Olaf-Johannes Eick am konsequentesten verhalten. Mit seinem Multi Invest OP hat er auf das aktuelle Börsenwackeln bereits im November 2007 reagiert und hält seitdem nur noch Bares. Sah er sich noch Mitte 2007 Vorwürfen ausgesetzt, sein mathematisches Modell funktioniere offensichtlich nicht mehr, weil er den Aufschwung nach dem ersten Kursrutsch im Februar verpasst hatte, hat sich sein Ansatz im Jahresverlauf zumindest für konservative Anleger als geeignet erwiesen. 2007 begrenzte Eick die Verluste auf 2,2 Prozent. „Ich habe mir schon im April letzten Jahres gewünscht, in den Markt zurückkehren zu können", kommentiert der vom schweizerischen Brissago aus operierende Fondsberater. „Die verpassten möglichen Kursgewinne haben mich sehr gestört." Doch sein Modell, an das Eick sich strikt hält, gab kein Kaufsignal - und tut es bis heute nicht. Auch in den vergangenen sechs Monaten blieb er darum vor hohen Verlusten gefeit. Ergebnis: ein moderates Minus von 3,3 Prozent.

Arne Sand, Manager des Smart Invest Helios und bekannt für mitunter recht aggressive Wetten, hat erst seit Ende März dieses Jahres keine Aktienfonds mehr im Portfolio. Bereits im Juli 2007 ging er von schwierigen Verhältnissen an den Weltbörsen aus. Obwohl er investiert blieb, verlor er dank defensiver Positionierung nur 0,98 Prozent im vergangenen Jahr. „Wenn man auf jedes Wackeln reagiert, führt das schnell zur Vermögensvernichtung", so Sand. Der Vermögensverwalter will erst sicher sein, ob ein Trend tatsächlich dreht oder nur unterbrochen wird, bevor er Konsequenzen zieht. Auf Halbjahressicht gab er 8,1 Prozent ab.

Auch wenn kurzfristig mancher Wettbewerber an den Produkten der genannten Vermögensverwalter vorbeigezogen ist: Die flexiblen Fonds sind auch während der unsicheren Zeiten etwa so gelaufen, wie man es erwarten durfte. Offensichtlich funktionieren die Strategien der erfahrenen Manager also auch dann, wenn es an den Börsen volatiler zugeht.


Jede Menge Debütanten
Andere hingegen müssen erst noch zeigen, dass sie ihr Portfolio pünktlich anpassen, wenn es hart auf hart kommt. Seit vergangenem Jahr rollt eine Welle neuer Dach- und Mischfonds von unabhängigen Vermögensverwaltern sowie Maklerpools auf den Markt.
 
Allein über Frankfurt-Trust und Universal-Investment wurden über 60 Produkte gestartet. Hauptgrund: „Ohne die Abgeltungssteuer hätten wir keinen eigenen Fonds aufgelegt", sagt Bernd Hashemian von der Kroos Vermögensverwaltung. Seit Ende August 2007 managt er gemeinsam mit Georg Kroos den Dachfonds Fondspicker Global UI. Unter den Erstlingswerken ist er einer der wenigen unflexiblen Produkte: Mindestens 51 Prozent müssen die Manager in Aktienfonds investieren. In der Spitze des jüngsten Börsenbebens verlor er 11,3 Prozent.


Gut gestartet
Deutlich besser hat die hessische Keller, Grunert, Nebeling Wertpapierberatung abgeschnitten. Anfang September vergangenen Jahres haben die drei Berater ihr Vermögensverwaltungsdepot ebenfalls bei Universal-Investment in einen Fonds gegossen. Herausgekommen ist der flexible Mischfonds KGN Global UI, der seither im Maximum nur 6,7 Prozent verlor. Das Trio kann ganz oder gar nicht in Aktien, Renten, Geldmarktpapiere, Derivate und Zielfonds anlegen. In spezielle Branchen wird nicht investiert.

In Tino Friebes Portfolio hingegen kommen auch Branchenfonds. Der Schwabe sitzt mit seiner Vermögensverwaltung Die Fondsionäre in Holzgerlingen. Seit Anfang Oktober 2007 managt er den Die Fondsionäre Global Invest UI, der zwar flexibel in mehrere Anlageklassen inves­tieren kann, aber nach Vorbild von Friebes spekulativem Dynamik-Depot aus bis zu zehn Aktienfonds bestehen soll. Seit Jahresanfang hat das gut funktioniert. Maximaler Verlust: 0,99 Prozent.

Einzeltitel kauft Friebe allerdings nicht. Thorsten Reidel schon: „Wir investieren zu höchstens 10 Prozent in Zielfonds", sagt er. Reidel feierte Anfang Oktober vergangenen Jahres gemeinsam mit Geschäftspartner Thomas Grüner sein Debüt als Fondsmanager. Das Duo von Grüner Fisher Investments setzt beim Grüner Fisher Global UI auf Aktien, Renten und Derivate. Aktien machen gegenwärtig 86 Prozent des Portfolios aus. Das hat seit Jahresanfang Performance gekostet: Der Spitzenverlust beträgt 13,9 Prozent.

Alle Debütanten haben Portfoliomanagement-Erfahrung, „dennoch ist nicht sicher, dass Vermögensverwalter ihre bisherigen Strategien im Fonds umsetzen können", so Thierry Feltgen, Analyst von Fund-Market. So darf etwa eine Aktie nur 10 Prozent des Portfolios ausmachen.

Thomas Portig, der das Fondsanalyseteam bei H.C.M. Capital Management leitet, sieht für Neuankömmlinge ein weiteres Problem: „Viele werden es mangels Bekanntheit nicht leicht haben, ausreichende Vermögen einzusammeln." Daher sei das Risiko groß, dass Produkte wieder verschwinden. Mit Folgen für Anleger: Im Hinblick auf die Abgeltungssteuer sind Fondsauflösungen problematisch. Wer extra vor 2009 investiert hat, um beim Verkauf Steuern zu umgehen, muss sich dann neue Fonds suchen - und kommt in diesem Fall  nicht mehr um die Abgeltungssteuer herum. Aus diesem Grund rät H.C.M.-Fondsanalyst Portig, dass neue Fondsmanager als Vermögensverwalter mindestens 100 Millionen Euro betreuen und mindestens fünf Mitarbeiter in ihrem Portfoliomanagement beschäftigen sollten.