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Fischer vor Solarkraftwerk in China, die auf einen Fischteich gebaut wurden: Die stärkste Nachfrage nach Solarmodulen kommt derzeit aus Asien. | © Getty Images

Kohle machen – ohne Kohle Drei Anlagethemen für die Energiewende

Messbare, quantifizierbare Nachhaltigkeit ist der Kern erfolgreicher Langfristanlagen. Investoren, Eigentümer und Consultants brauchen einen Nachhaltigkeitsansatz, bei dem sie Teil der Lösung und nicht des Problems sind. Viele Investoren fragen sich deshalb, wie sie Verbesserungen bewirken können.

John Green, Investec

Mittlerweile wird Dekarbonisierung und die damit einhergehende Energiewende zu einer Anlagechance. Es gibt immer mehr und immer vielfältigere Investitionsmöglichkeiten, da staatliche Maßnahmen allein nicht mehr ausreichen und auch die Politik privates Kapital für nötig hält. Nur so lassen sich die nötigen Mittel für einen echten Wandel zum Wohle unseres Planten aufbringen.

Aus der Dekarbonisierung ergeben sich drei Themen, die zu Anlageschwerpunkten werden können. Erstens haben neue, kostengünstigere Technologien dazu geführt, dass Sonnen- und Windenergie heute oft preisgünstiger ist als die klassischen Energieträger Kernenergie und Kohle. Die kurzfristigen Kostenvorteile dieser bewährten erneuerbaren Energien forcieren die Dekarbonisierung. Wir wissen, dass Veränderungen des Primärenergiemixes in der Vergangenheit oft viele Jahrzehnte benötigt haben. Andererseits wurde das Tempo früherer Energiewenden oft unterschätzt.

Zweitens ist die Nutzung erneuerbarer Energien über die kritische Masse gestiegen. Im Jahr 2000 wurden gerade einmal 0,2 Prozent der weltweiten Elektrizität mit Sonnen- und Windkraft erzeugt; 2017 waren es bereits 7 Prozent. Außerdem hatten erneuerbare Energien 2017 weltweit fast zwei Drittel Anteil an der neu installierten Elektrizitätskapazität, wobei die stärkste Nachfrage aus Asien kam. Man rechnet damit, dass 2020 100 Prozent erreicht werden. Auch der Verkehr, der bald von Elektrofahrzeugen dominiert werden dürfte, bezieht seine Energie aus erneuerbaren Quellen. Für 2019/20 wird der Beginn einer neuen Ära in der Produktion von Elektrofahrzeugen erwartet, da sich wichtige Automobilhersteller vom Verbrennungsmotor verabschieden und China bei der Elektromobilität die Führung beansprucht. Neben anderen großen Fortschritten bei der Entwicklung und Nutzung erneuerbarer Energien stellt China heute über 50 Prozent aller Elektrofahrzeuge weltweit her. Somit wird China einen starken Einfluss auf die Energiewende haben.

Schließlich dürfte nach vielen öffentlichen Investitionen und politischen Vorgaben jetzt die Zeit für mehr privates Kapital zur Finanzierung echter Fortschritte gekommen sein. Vermögenseigentümer haben großen Einfluss und können wirklich für Veränderungen sorgen. Früher haben Anlageausschüsse Ausschlusslisten vorgelegt. Jetzt ist die Zeit reif, um über positive Einflussnahme nachzudenken – zumal man durch Investitionen in Unternehmen, die die Dekarbonisierung fördern, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: Man stattet nicht nur Unternehmen mit Kapital aus, die für positive Veränderungen sorgen, sondern schützt sich mit einer klugen Kapitalallokation auch vor den unbekannten Auswirkungen des Klimawandels auf andere Teile des Anlageportfolios.

Allerdings gibt es auch Grenzen. Noch immer gibt es keinen speziellen Investmentsektor aus Unternehmen, die von der weltweiten Dekarbonisierung profitieren; noch haben die Consultants kein entsprechendes Marktsegment für das Portfoliomanagement benannt. Es gibt auch noch keine Standardkennziffern, die als Benchmark für den Umweltnutzen dienen können, auch wenn Nachhaltigkeits-faktoren heute bereits für klassische Aktienportfolios genutzt werden.

Eine wichtige Aufgabe bei der Lenkung des Kapitals in Unternehmen kommt Vermögenseigentümern, Private-Capital-Gesellschaften, Unternehmen und Regierungen zu, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit zu Lösung der aktuellen Herausforderungen beitragen. Um das Portfolio schneller auf die Dekarbonisierung auszurichten, muss man dessen Positionen aber sehr schnell neu bewerten. Nötig sind Portfolios, die dieses strukturelle Investmentthema wirksam aufgreifen. Der erste Schritt zur Optimierung der Portfolios ist aber die Erkenntnis, wie groß die Herausforderungen der bevorstehenden Energiewende sind. Außerdem muss man sich darüber klar werden, welche Auswirkungen die Dekarbonisierung auf die aktuellen Investmentportfolios haben kann und verstehen, welche Chancen die fundamentalen, strukturellen Veränderungen der Welt für die Zukunft bereithalten.

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