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Preisschub durch den Klimawandel Kommende Generationen werden zum Zahlmeister

Klimademo in München
Klimademo in München: Die Energiewende wird unweigerlich zu einem Anstieg der Rohstoffpreise führen. | Foto: Imago Images / aal.photo
Wim Van Hyfte

Der starke Inflationsanstieg wirft die Frage nach Kosten und Nutzen des Kampfs gegen den Klimawandel auf. Verbraucher, Unternehmen, Investoren und Regierungen wägen das Für und Wider ab, heute mehr für eine nachhaltigere Zukunft zu zahlen. Derweil die Debatten weitergehen, lässt sich die Tatsache nicht von der Hand weisen, dass Untätigkeit mit viel höheren Kosten verbunden ist, sowohl für die Menschen direkt als auch für ihre Finanzen.

Der jüngste Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), der im Laufe der Jahre stichhaltige Beweise dafür geliefert hat, dass der Klimawandel zu mehr Extremereignissen führt, hat die Dringlichkeit einer drastischen Verringerung der globalen Treibhausgasemissionen unterstrichen. Erforderlich sei ein Wechsel von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energiequellen und zu einer ressourcenschonenden Wirtschaft auf der Grundlage des Kreislaufmodells. Dabei müsse dieser Wandel nicht nur alle Wirtschaftssektoren umfassen, sondern auch rasch in die Wege geleitet werden.

Seit die Inflation infolge der Pandemie anzieht, versuchen Marktbeobachter herauszufinden, welchen Einfluss die Kosten einer „grüneren“ Welt auf die Preissteigerungen haben. Dieser wird im Englischen mit „Greenflation“ umschrieben. Die Fragen stehen im Raum: Welchen Preis haben wir alle für den Übergang zu einer anderen, nachhaltigeren Wirtschaft und einer neuen Lebensweise zu zahlen? Und: Ist dieser Preis zu hoch?

Wie Bill Gates in seinem kürzlich erschienenen Buch „How to Avoid a Climate Disaster“ („Wie wir die Klimakatastrophe verhindern: Welche Lösungen es gibt und welche Fortschritte nötig sind“) schreibt, handelt es sich bei der Umweltprämie um „die Kostendifferenz zwischen einem Produkt, das Kohlenstoff emittiert, und einer Alternative, die dies nicht tut“. Die Theorie besagt, dass der Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien, die Einführung von Elektrofahrzeugen und Wasserstoffzügen und -schiffen sowie eine umfängliche Gebäudedämmung erhebliche Kosten verursachen werden. Diese Mehrausgaben zur Erreichung der CO2-Ziele dürften, so die Annahme, zwangsläufig zu einer höheren Inflation führen.

Ist die „Greenflation“ für die steigende Inflation verantwortlich?

Die „grüne Inflation“ ist allerdings nicht die Hauptursache für steigende Preise. Die von der Pandemie verursachten Störungen der Lieferketten haben zu Preissteigerungen bei einer Vielzahl von Rohstoffen und Konsumgütern geführt. Obwohl eine Vorhersage der Inflationsentwicklung schwierig ist, da sie nicht zuletzt von der Pandemieentwicklung abhängt, gehen wir davon aus, dass die Inflation zurückgehen wird, sobald die Engpässe auf der Angebotsseite allmählich verschwinden, sich Angebot und Nachfrage auf den Märkten wieder einpendeln und die Preise entsprechend sinken.

Betrachtet man die Energiewende auf längere Sicht, so wird sie indes unweigerlich zu einem Anstieg der Rohstoffpreise führen. Dazu können seltene Materialien gehören, die für bestimmte Geräte, Maschinen und Infrastrukturen benötigt werden, die für die Elektrifizierung der Wirtschaft erforderlich sind. Diese Art von Inflation ist im Wesentlichen auf Anlaufschwierigkeiten zurückzuführen, da der Übergang zu einer stärker kreislauforientierten und energieeffizienten Wirtschaft angesichts der zeitlichen Zwänge zur Herausforderung wird.

Sofern aber Umweltvorschriften und weitere politische Maßnahmen rechtzeitig geplant und angemessen kommuniziert werden, ist nicht zu erwarten, dass diese Störungen dauerhafte Auswirkungen auf die Preise von Rohstoffen und Produkten insgesamt haben. Aber klar: Kurz- und mittelfristig kann sich beispielsweise die Nachfrage nach einem Rohstoff nachteilig auf den Preis eines anderen auswirken. So ist der sprunghafte Anstieg der Kupferpreise auf einen klaren Trend zur Elektrifizierung zurückzuführen. Derselbe Trend lässt die langfristigen Aussichten für Öl ziemlich düster aussehen.

Auf der COP26-Konferenz in Glasgow hat sich leider wieder einmal gezeigt: Regierungen und Unternehmen handeln bisher nicht schnell genug. Die Welt hat immer weniger Zeit, um Rückstände aufzuholen, darauf zu warten, dass sich das Rohstoffangebot so weit erholt, dass es den Bedarf passgenau decken kann oder dass Gesetzgeber und Regulierungsbehörden einen sorgfältig abgewogenen Rahmen für sämtliche Aspekte der neuen Wirtschaft schaffen. Die Weltgemeinschaft muss sich schneller bewegen, damit die Klimafolgen nicht katastrophal und unumkehrbar werden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wir nicht umhinkommen, gewisse Bequemlichkeiten abzulegen.

Untätigkeit führt zu Konflikten, Kriegen und Zerstörungen

Die derzeit noch schwer bezifferbaren Kosten der Untätigkeit werden wir vor allem der nächsten Generation aufbürden. Der Klimawandel wird unweigerlich enorme Kosten für die Menschheit verursachen. Schon heute führen rund um die Welt extreme Wetterereignisse zu gigantischen finanziellen und wirtschaftlichen Schäden. In den vergangenen Jahren haben wir bereits verheerende Zerstörungen in Kalifornien, Australien, Kanada und Alaska gesehen. Erst kürzlich gingen die entsetzlichen Bilder der Verwüstung durch Tornados durch die Medien, die über die Vereinigten Staaten hinweggefegt sind. Die Kosten solcher Ereignisse belaufen sich bereits jetzt auf Hunderte Milliarden bis Billionen US-Dollar – teils versichert und oftmals unversichert.

Zu den schlimmsten Zukunftsszenarien gehört, dass große Teile unseres kleinen Planeten aufgrund von Hitze und der fortschreitenden Zerstörung von Flora und Fauna unbewohnbar werden. Das wird zu einer Masseneinwanderung in die dann bereits überbevölkerten „sicheren Regionen“ führen, was weitere Konflikte, Kriege und Zerstörungen zur Folge haben wird.

Erneuerbare Energien haben sich viel schneller als erwartet durchgesetzt

Trotz aller Herausforderungen, die auf die Menschheit zukommen, dürfen wir nicht vergessen, dass der Übergang zu einer kreislauforientierten, energieeffizienteren Wirtschaft eine ganze Reihe positiver Entwicklungen nach sich zieht. Sie werden neue Regulierungen, alternative gesellschaftliche Trends und ein sich änderndes Verbraucherverhalten umfassen und Portfoliomanagern klare langfristige Investitionsmöglichkeiten bieten – in allen Sektoren der Weltwirtschaft.

Das Beispiel der erneuerbaren Energien belegt, dass die „Greenflation“ nicht zu einer unlösbaren Herausforderung wird. Als Institutionen wie die Internationale Energieagentur (IEA) in den Jahren nach der globalen Finanzkrise ihre Prognosen für das Erreichen der Netzparität bei den erneuerbaren Energien vorstellten – also den Zeitpunkt, ab dem die Kosten für Strom aus erneuerbaren Energiequellen genauso hoch sind wie für den Strom, der beim Netzbetreiber eingekauft wird –, gingen sie von 2025 bis 2030 aus. Doch in vielen Regionen der Welt erreichen die erneuerbaren Energien bereits jetzt Netzparität. Das liegt daran, dass die Anreize der Regierungen einen schnellen Ausbau ermöglicht haben. Das besonders Interessante dabei: Während die Umstellung auf erneuerbare Energien die Inflation in einigen Teilen der Wirtschaft in die Höhe getrieben hatte, führte sie in anderen Teilen zu einem Rückgang der Inflation. Unter dem Strich könnte sich ein Phänomen zeigen: Dass die Inflation insgesamt überhaupt nicht steigt.

Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.
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