Aktualisiert am 08.09.2017 - 12:54 UhrLesedauer: 2 Minuten

Kommentar aus der Redaktion Rohstoffe: Weg mit den Investoren im Nadelstreifen

DAS INVESTMENT-Redakteur Andreas Harms
DAS INVESTMENT-Redakteur Andreas Harms

Es tut immer wieder gut, von der Investmentfront auch einmal gute Nachrichten zu hören. Zum Beispiel die, dass sich Anleger mehr und mehr aus den Rohstoffmärkten zurückziehen und kaum jemand noch mit steigenden Preisen rechnet. Und es macht Mut, wenn sich Rohstoff-Analysten in diesen Tagen mit der beinahe schon depressiven Botschaft „Kein Ende der fallenden Preise in Sicht“ zitieren lassen. Denn das sorgt dafür, dass Anleger diesem Markt weiter fernbleiben und dass vielleicht auch die letzten noch gehen.

2012 ging es los: Damals fingen die ersten Investoren an, mit langen Gesichtern ihre ein paar Jahre zuvor noch heißgeliebten Anlagen abzustoßen – unter ihnen auch der amerikanische Pensionsfonds Calpers. Schlimm genug, dass seine Manager damit offenbar über fünf Jahre lang jedes Jahr 8 Prozent verloren haben. Geld von ganz normalen Arbeitern und Angestellten. Denn diese haben dort nichts verloren. Rohstoffe sind keine Geldanlage, sie sind und waren immer reine Spekulationsobjekte.

Geldanlagen zeichnen sich dadurch aus, dass das dort hineingesteckte Geld arbeitet und im Idealfall den Wohlstand einer Wirtschaft mehrt. Das lässt sich aber nicht erkennen, wenn jemand tonnenweise Aluminium kauft und es irgendwo einlagert, um es später teurer weiterverkaufen. Gleiches gilt natürlich für den nun doch nicht ganz so seltenen Rohstoff Seltene Erden, Getreide und in gewisser Weise auch für Gold (Für Anfeindungen aller Art benutzen Sie bitte die Kommentarfunktion). Vergessen wir nicht: Alle Rohstoffgewinne zahlt entweder der Produzent oder der Verbraucher. Einen volkswirtschaftlichen Nutzen vermag ich dabei nicht zu erkennen.

Ebenso blödsinnig war die Annahme, dass Rohstoffe vor Inflation schützen. Das machen sie lediglich für einen Teil der Inflation, nämlich den aus steigenden Materialpreisen. Dass aber das I-Phone so schön teuer über den Ladentisch geht, liegt mitnichten an den Materialkosten, sondern an Apples Preispolitik und Gewinnvorstellung. Inflation aus verteuerten Dienstleistungen und Löhnen kann kein Sack Reis ausgleichen.

Und nein, wenn ein Heer von Anlegern für Rohstoffe denselben Maßstab anlegt wie für Aktien – nämlich die Konjunkturerwartung – dann schützen sie auch nicht mehr vor einem Aktiencrash. Denn dann zieht die Korrelation gewaltig an. Was in den vergangenen Jahren gut zu beobachten war.

Es ist schön, dass der Rohstoffmarkt wieder zurück in jene Hände gelangt, für die er gemacht ist: Produzenten und Verbraucher. Sie sollten bestimmen, wohin die Preise gehen. Echtes Angebot und echte Nachfrage. Gern mit fairem Handel und angemessenen Löhnen, aber definitiv ohne Investoren im Nadelstreifen.

Hoffen wir, dass das möglichst lange so bleibt. Die nächste Spekulationsblase kommt sicher. Irgendwann. Und mit ihr dieselben hohlen Argumente wie anno 2008.

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