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Kommentar Billionen-Segen für Aktionäre

Aktionäre können sich über einen wahren Geldregen freuen. Erstmals in der Geschichte wird die Summe der weltweit von Unternehmen an ihre Anteilseigner ausgeschütteten Dividenden in diesem Jahr mehr als eine Billion (1.000 Milliarden) US-Dollar betragen. Zum Vergleich: Würde man dieses Geld gleichmäßig auf alle Erdenbürger verteilen, so wären dies für jeden der 7,1 Milliarden Menschen rund 145 Dollar. Aber natürlich geschieht dies nicht.

Ganz im Gegenteil: Weite Teile der Weltbevölkerung verfügen über keine nennenswerten Ersparnisse. Unter den rund eine Milliarde Menschen in Afrika und den rund 1,2 Milliarden Menschen in Indien besitzt nicht einmal jeder dritte überhaupt ein Bankkonto. Ein Großteil der Weltbevölkerung geht allein schon deswegen beim rekordhohen Dividendenregen leer aus, weil diese Menschen kein Vermögen besitzen, welches sie in Aktien investieren könnten.

Doch selbst hierzulande, wo die Bevölkerung über enorme private Ersparnisse in Höhe von rund fünf Billionen Euro verfügt, finden sich nur wenige Aktionäre. Gerade einmal rund 8 Prozent der Deutschen legen ihr Geld in Aktien an. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei der Aktionärsquote damit nach wie vor deutlich hinter Ländern wie der Schweiz (24 Prozent), USA (24 Prozent), England (31 Prozent) oder Schweden (38 Prozent).

In der Folge entfällt auch auf deutsche Privatanleger entsprechend nur ein geringer Teil des bevorstehenden Dividendenregens. Und das, obwohl deutsche Unternehmen wie BMW oder Allianz selbst Milliarden an Dividenden ausschütten. Allerdings werden mittlerweile über 50 Prozent aller deutschen Aktien von Ausländern gehalten, die dementsprechend auch die Dividenden einstreichen.

Deutsche Anleger weigern sich


Deutsche Markenkonzerne brillieren also oftmals auf dem Weltmarkt – deutsche Anleger hingegen weigern sich beständig, über den Kauf von Aktien einen Teil des Erfolges ihrer eigenen Wirtschaft selbst zu kassieren.

Unabhängig von regionalen Unterschieden im Anlageverhalten zeigt sich zudem: Der Anteil derjenigen, die ihr Vermögen in Aktien investieren, steigt proportional zum Vermögen. Je vermögender ein Mensch ist, desto eher ist er also bereit, sein Erspartes über die Börse in Unternehmen zu investieren.

Während der weniger wohlhabende Teil der Bevölkerung gerade hierzulande Sparbücher, Bausparverträge und Lebensversicherungen bevorzugt, sind diese Anlageformen unter den Reichen dieser Welt kaum verbreitet. Bill Gates & Co. investieren ihr Vermögen also in Microsoft und andere Unternehmen, nicht aber in Bausparverträge und auf dem Sparbuch.

Das Problem an der Sache: Während die Anlageformen der weniger wohlhabenden Menschen angesichts der Nullzinspolitik der Notenbanken im Rahmen der Euro-Rettungspolitik seit Jahren kaum noch Zinsen bringen, werfen die Vermögenswerte der Reichen in Form von Aktien hohe Renditen ab.

So stieg die weltweite Summe an Dividendenzahlungen allein in den letzten 5 Jahren von 717 Milliarden US-Dollar in 2009 auf erwartete 1.027 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr. Das entspricht einer jährlichen Einkommenssteigerung aus Dividenden in Höhe von 9,4 Prozent pro Jahr. Hinzu kommen die Kursgewinne, die sich in den letzten fünf Jahren gemessen am weltweiten Aktienindex MSCI-World auf über 100 Prozent summieren.

Angesichts solcher Zahlen dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis aus dem linken Parteien-Flügel wieder die Forderungen laut werden, man müsse dem weiteren Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich Einhalt gebieten, indem man die Reichen höher besteuert.

Nur: Warum kommt eigentlich niemand auf die Idee, stattdessen die Aktienkultur zu fördern und beispielsweise durch Steueranreize für Kleinanleger dafür zu sorgen, dass auch der Normalbürger sich endlich seinen Teil vom Kuchen des wirtschaftlichen Erfolges abschneidet, indem er sein sauer erspartes Geld in ertragsstarken Aktien investiert, anstatt es auf dem Sparbuch von Niedrigzins und Inflation bedroht dahin schmelzen zu sehen?
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