Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur von DER FONDS

Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur von DER FONDS

Kommentar: Das Schicksal hinter der Seitenlinie

Kostolany ist tot, begraben Sie auch seine Börsentipps. Seit Jahren vergeht kaum ein Anleger-Seminar, auf dem der Referent seinen Zuhörern nicht leicht süffisant lächelnd diesen Ratschlag um die Ohren haut.   

Gemeint ist natürlich in erster Linie der berühmte Dreiklang Aktien- Schlaftabletten-Reichtum, der in den Jahren 2000 bis 2010 so gar nicht aufgehen wollte und der nach Meinung mancher Strategen im Zeitalter von Staatsüberschuldung und Euro-Krise erst recht nicht mehr funktionieren kann. Flexibel sein lautet das Gebot der Stunde. Und Aktien bitte nur, wenn sie vorher mindestens um 25 Prozent gefallen sind.   

Argumente für diese Haltung gibt es immer – für das aktuelle Umfeld bringt sie unter anderem der Schweizer Vermögensverwalter Felix Zulauf in einem Interview mit dem Handelsblatt auf den Punkt.

Zulauf und all die anderen Zweifler am jüngsten Börsenaufschwung mögen in der Sache Recht haben. Das ändert jedoch nichts daran, dass die gleichen Argumente viele Anleger auch schon im Herbst 2011 davon abgehalten haben, an die Aktienmärkte zurückzukehren. Damals notierte der Dax knapp unterhalb von 6.000 Punkten – ein Niveau, das vom heutigen Stand aus betrachtet exakt den herbeigesehnten Kaufkursen entspräche.

André Kostolany mag tot sein, aber eine seiner Weisheiten ist taufrisch wie eh und je: Wer keine Aktien hat, wenn sie fallen, der hat auch keine, wenn sie steigen.  

Mehr zum Thema
Martin Hüfner: Lehren aus der Italienkrise Klein, wachstumsstark, unentdeckt: So ziehen wir uns Schwellenländern-Perlen ran Aktien: Vorsicht vor den Neuen