Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur von DER FONDS

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Kommentar: Der Gold-Spieler

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Jede Laune der Kapitalmärkte hat ihre speziellen Verlierer. Der Verlierer des jüngsten Goldpreis-Absturzes heißt John Paulson. Der New Yorker Hedgefonds-Manager, der während der Subprime-Krise mit Wetten gegen marode Immobilienpakete Milliarden verdiente, ging Bloomberg zufolge mit einer Goldquote von 85 Prozent in das Jahr 2013 und wird seinen Anteilseignern nächste Woche erklären müssen, was ihn zu dieser verhängnisvollen Fehleinschätzung verleitet hat.

Oder war es am Ende gar keine Fehleinschätzung? Paulson gibt sich weiter fest davon überzeugt, dass in einer Welt der entfesselten Notenbankpressen nur Gold wirksam vor Inflation und Währungsentwertung schützen kann. Hinzu kommt: Auch Amerikas Häuserblase platzte erst mit Verzögerung – eine Spekulation darauf war über Jahre ein Verlustgeschäft.

Wer dieser Argumentation folgt, muss zwei Dinge wissen. Zum einen profitierte Paulson 2007 nicht nur von seiner Spürnase, sondern auch von fragwürdigen Absprachen mit der Investmentbank Goldman Sachs. Und zum anderen: Ein Fondsmanager, der alle Freiheiten genießt und 85 Prozent des ihm von Dritten überlassenen Geldes auf ein einziges Kapitalmarkt-Szenario hin ausrichtet, ist kein Investor. Er ist ein Spieler – noch dazu einer mit wenig Verantwortungsgefühl. Ein solcher Spieler mag oft richtig liegen und obendrein Glück haben. Eines Tages jedoch wird ihn dieses Glück verlassen, und er bleibt ein Verlierer. 

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