Andreas Harms, Redakteur DAS INVESTMENT (Foto: Thomas Görny)

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Kommentar

Grüße in den Schützengraben

Darf man eigentlich auch Marktberichte wegen Gewaltverherrlichung verbieten lassen? Zugegeben wäre das eine recht drastische Maßnahme. Andererseits würde es endlich die lästigen und vor allem zynischen Gleichnisse mit militärischen Auseinandersetzungen, vulgo Krieg, aus der Welt schaffen.

Kaum ein Text über die Eurozone kommt ohne einen Verweis auf die Dicke Bertha aus, die Zentralbank-Chef Mario doch bitte auf die Finanzmärkte abfeuern soll. Nur soll er nicht mit einem Mörser aus dem Ersten Weltkrieg eine 800 Kilogramm schwere Granate in die Hochhäuser von Frankfurt ballern, sondern nur Geld. Ist doch nur ein sprachliches Bild, hihi, Sie verstehen schon. Leider ist das Bild inzwischen älter und ausgenudelter als ein verrostetes Kanonenrohr.

Wir hören von schweren Geschützen und Stahlgewitter an den Märkten, obwohl doch einfach nur mal wieder die Kurse sinken. Draghi soll neben der Dicken Bertha auch wahlweiße die Bazooka herausholen, und beim europäischen Rettungsschirm zählte vor allem die Feuerkraft. Aber Vorsicht: Immer auch ein bisschen Pulver trockenhalten. Es stinkt nach Ruß und Schwefel – und nach Zynismus.

Ist es eine versteckte Sehnsucht von Börsianern, Bankern, Journalisten und PR-Leuten, nur einmal im Leben Krawatte gegen Stahlhelm und Schreibtisch gegen Bunker einzutauschen? Nur einmal zum Börsen-Rambo werden und für ein Abenteuer aus dem öden Getriebe des Alltags ausbrechen?

Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlich hat nur irgendeiner mal damit angefangen, und alle anderen haben es nachgeplappert. Wie so oft.

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