Kommentar Ist die ultralockere Geldpolitik der EZB am Ende?

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Inoffizielle „Richtigstellung“ der Interpretation

Die EZB lehnte zwar eine of zielle Stellungnahme zur Rede Draghis ab, aber die sofortige Reaktion aus Insiderkreisen der EZB mit dem Hinweis, dass Draghi sich nicht auf ein konkretes Ende der Geldschwemme festgelegt hätte, zeigt wie besorgt die Notenbanker sind, dass es an den Finanzmärkten zu einer heftigen Überreaktion der Kurse bei Aktien, Anleihen und Devisen kommen könnte.

Als der ehemalige Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, 2013 in einer Anhörung vor dem US-Kongress die Möglichkeit eines langsamen Abbaus der Wertpapierkäufe durch die Fed bei anhaltend positiven Wirtschaftsdaten andeutete, kam es weltweit zu heftigen Reaktionen an den Anleihe- und Aktienmärkten.

Aus Kreisen der EZB hieß es zur „Klärung“ der Rede Draghis, dass im September eine Entscheidung über die Zukunft des Anleihekaufprogramms im Volumen von insgesamt 2,28 Billionen Euro zwar möglich, aber nicht sicher ist, da diese von der Inflationsentwicklung und anderen Wirtschaftsdaten abhängig ist.

Diskussion um Zukunft der Anleihekäufe

Der Notenbankgouverneur von Österreich und EZB-Ratsmitglied Ewald Novotny hatte im Juni angedeutet, dass auf den EZB-Sitzungen am 20. Juli und am 7. September die Zukunft der Anleihekäufe ein Thema sein wird. Er betonte auch, dass es wichtig sei, die Märkte auf die künftigen Maßnahmen der EZB entsprechend vorzubereiten.

Auch die EZB-Direktorin, Sabine Lautenschläger, die dem sechsköpfigen Führungsteam der Euro-Notenbank angehört, sieht es als geboten an, dass die EZB sich auch ohne einen stabilen Trend bei den Inflationsraten auf die Rückkehr zur Normalität vorbereitet. Die langsame aber stetige Erholung der Wirtschaft im Euro-Raum erleichtert den Unternehmen die Kreditfinanzierung für vermehrte Investitionen.

Der Druck auf die Zentralbank wächst

Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Christoph M. Schmidt, forderte von der EZB jetzt den Plan für einen Rückzug aus der sehr expansiven Geldpolitik mitzuteilen, obwohl die Rücknahme der Krisenmaßnahmen ein Drahtseilakt sei.

Auch der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, monierte, dass die Europäische Zentralbank bisher ein Ausstiegsszenario schuldig geblieben sei. Hyun Song Shin, der Chef-Ökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel (BIZ), die als Bank der Notenbanken gilt, verlangte von den Zentralbanken, dass sie angesichts der derzeitigen guten Verfassung der Weltwirtschaft zu einer normaleren Geldpolitik zurückkehren, wie es im Moment die US-Notenbank versucht.

Eine langfristige ultralockere Geldpolitik könnte die Stabilität des Finanzsystems untergraben, da extrem niedrige Zinsen große Anreize für einen Ausbau der Verschuldung bieten, was wiederum das System anfälliger für Krisen macht.