Man kann über die Assekuranz denken, was man will. Aber eines ist die Welt der Fondspolicen und des Kleingedruckten garantiert nicht: glamourös. Kein Wunder also, dass die Dickschiffe der Versicherungsbranche prominente Gesichter zur Unterstützung engagieren. Die Allianz etwa verpflichtete jüngst Günther Jauch, jenen Mann, der uns seit Jahrzehnten durch Quizshows und Talkrunden führt. Vielleicht auch in der stillen Hoffnung, dass sein freundliches Lächeln die Angst vor Beitragserhöhungen mildert.

Und auf Linkedin posierte gestern Thomas Heindl, Bereichsleiter Marketing der Gothaer, mit Bill und Tom Kaulitz von Tokio Hotel. Auch Vorstand Oliver Brüß postete ein Bild der beiden, zeigte sich jedoch schmallippig, worum es genau geht. Doch offenbar sollen nun die Zwillinge, die einst kreischende Teenies in Ekstase versetzten, das Image der Gothaer aufpolieren, die nach der Barmenia-Fusion nun in die Champions League der Versicherer aufsteigt.

Wehende Mähnen für die private Haftpflicht 

Man stelle sich vor, wie das weitergeht: Helene Fischer erklärt uns demnächst die Vorteile einer Zahnzusatzversicherung. Thomas Gottschalk wirbt mit wehender Mähne für die private Haftpflicht. Und irgendwann sehen wir Angela Merkel in einer Werbepause, wie sie stoisch in die Kamera blickt und sagt: „Sie kennen mich. Vertrauen Sie mir auch bei Ihrer Rentenversicherung.“

Ich sehe schon die Meetings vor mir, in denen gestandene Versicherungsmanager diskutieren, ob Dieter Bohlen wohl nochmal der richtige Mann wäre, um die Vorzüge einer Unfallversicherung zu erklären.

Es geht um Vertrauen 

Manch einer fragt sich vielleicht: Was soll das Ganze eigentlich? Schließlich kommt ja nicht Günther Jauch persönlich vorbei, wenn wir einen Wasserschaden haben. Aber am Ende des Tages geht es bei Versicherungen um Vertrauen. Und wem vertrauen wir mehr: einem anonymen Sachbearbeiter oder Günther Jauch, der seit Jahren Menschen zu Millionären macht? Den Kaulitz-Zwillingen, die mit uns erwachsen geworden sind? Wir sehnen uns nach Menschen, die uns durch den Monsun, verzeih, den Dschungel der Risiken führen. Selbst wenn es nur eine Illusion ist.

Vielleicht sollten wir uns aber weniger Gedanken darüber machen, wer für unsere Versicherung wirbt, und mehr darüber, was wirklich versichert ist. Denn am Ende des Tages schützt uns weder Günther Jauchs Lächeln noch Bill Kaulitz' Frisur vor den Unwägbarkeiten des Lebens. Aber wer weiß – vielleicht fühlt sich der nächste Schadensfall mit ihnen im Hinterkopf zumindest ein kleines bisschen glamouröser an.