Kommentar zum S&P-Schlag: „Der Druck ist gewachsen“

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Neun Staaten schlechtere Bonität attestiert

  • S&P hat die Staaten Zypern, Italien, Portugal und Spanien um je zwei Notches herabgestuft.
  • Österreich, Frankreich, Malta, die Slowakei und Slowenien wurden um je einen Notch gesenkt
  • Die Ratings Belgiens, Estlands, Finnlands, Deutschland und Irlands wurden beibehalten.  Der Ausblick „credit watch negative“ wurde für alle Staaten außer für die Slowakei und Deutschland durch einen negativen Ausblick ersetzt. Die beiden Ausnahme-Staaten haben einen stabilen Rating-Ausblick.



Ankündigung kam im Dezember

  • Schon am 5. Dezember hat S&P 15 der 17 Staaten auf „credit watch negative“ gesetzt. Das Massen-Downgrade selbst war daher nicht überraschend, der frühe Zeitpunkt schon.

Detaillierte Begründung

  • Zur Begründung teilte S&P mit, dass die Reaktion der Politik auf die EWU-Schuldenkrise ungenügend sei.
  • Insbesondere werde seitens der Politik ungenügend berücksichtigt: die sich verschlechternden Kreditkonditionen, zunehmende Risikoprämien für eine wachsende Gruppe von EWU-Staaten, das gleichzeitige Deleveraging der Haushalte und Staaten, schwächere Konjunkturaussichten und der öffentliche anhaltende Streit der Politiker in der EWU über den Weg zur Lösung der Schuldenkrise.
  • Zur Rolle der EZB hat S&P angemerkt, dass die Notenbank durch ihre akkommodierende Geldpolitik (zu der auch die Liquiditätszufuhr durch die 3- Jahres-Tender zu rechnen ist) in der Krise Spielraum geschaffen habe. Zudem schloss S&P auch nicht aus, dass sich die EZB zusätzlich engagieren werde. Ausdrücklich wurde daher von S&P bekräftigt, dass die Politik der EZB keine Ratingherabstufung einzelner EWU-Staaten verursacht habe.
  • Gelobt wurden von S&P auch Spanien und Italien für ihre Reformbemühungen und Irland für die bisherige Fiskalpolitik. Irland hat als einziger Peripherie-Staat sein Rating behalten, auch weil das Land als das wettbewerbsfähigste Land eingestuft wurde.

Reaktionen

  • Die Entscheidung von S&P hat teils heftige Kritik vor allem in den Staaten hervorgerufen, die von einem Downgrade betroffen sind. In einer Stellungnahme bezeichnete Österreichs Regierung „die Ungleichbehandlung ehemals AAA gerater Staaten [...] als unverständlich“. Daneben war das Bemühen erkennbar, die Bedeutung der Maßnahmen von S&P herunterzuspielen. Frankreichs Finanzminister Baronin sagte, die Herabstufung sei „keine Katastrophe“.
  • Die Marktreaktion am heutigen Montag blieb bislang begrenzt. Zwar weiteten sich die Spreads der Peripheriestaaten gegenüber Bundesanleihen überwiegend weiter aus, aber bereits am Freitag gab es infolge der Gerüchte um eine bevorstehende Herabstufung von vier EWU-Staaten eine deutliche Spreadausweitung.

Unsere Einschätzung

  • Die Maßnahme von S&P kam sicher zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Ende der letzten Woche gab es mit den Auktionen von Staatsanleihen in Spanien und teils auch in Italien erste Zeichen für eine Entspannung an den Staatsanleihemärkten.
  • Aus dem Downgrade der Österreichs und vor allem Frankreichs folgen Implikationen für die EFSF. Die verbleibenden AAA-Länder müssten ihre Garantiezusagen so weit anheben, dass die 440 Mrd. Euro Kreditvergabekapazität bei einem AAA-Rating der EFSF bestehen bleibt. Wegen politischer Widerstände dürfte aber damit nicht zu rechnen sein. Stattdessen dürfte die EFSF ebenfalls auf AA+ (bei S&P) herabgestuft werden.
  • Durch die Rating-Maßnahme ist der Druck auf die EWU-Staaten im allgemeinen gewachsen, rasche und verlässliche Schritte in Richtung einer Fiskalunion zu unternehmen. Bleiben diese aus, muss angesichts des beinahe durchgängig negativen Ausblicks mit weiteren Downgrades gerechnet werden.
  • Als größter „Retter“ dürfte zudem auch Deutschland in den Verdacht geraten, sich finanziell zu überfordern und sein Top-Rating zu verlieren, wenn eine Lösung der Schuldenkrise zu lange auf sich warten ließe.

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