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EZB-Chef Mario Draghi am 25. Juli 2019: Sein Institut beließ die Zinssätze vorerst dort, wo sie sind. | © Getty Images

Kommentare und Meinungen „Mario Draghi legt die Zündschnur“

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Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft" am ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim

Es ist zu begrüßen, dass der EZB-Rat nicht jetzt bereits die Leitzinsen weiter gesenkt hat und zunächst eine Reflexionsphase abwartet. Dies wirkt souverän und gelassen. Ein Zinsschritt hätte die Sorge um Europas Konjunktur aufgrund der Signalfunktion möglicherweise sogar noch verschärft. Auch wird eine weitere Absenkung der Zinsen auf die Einlagefazilität dem Bankensystem weiter zusetzen, so dass Überlegungen zur Milderung der Härten negativer Zinsen wichtig sind.

Gleichzeitig signalisiert der Rat mit seinem heutigen Statement sehr deutlich, dass die Zinspolitik alleine nicht ausreichen wird, um die Inflationsrate in den gewünschten Bereich zu heben. Neue Wertpapierkäufe werden ausdrücklich als denkbares zusätzliches Instrument genannt. Auch wenn die EZB heute also einen gefährlichen Aktionismus vermieden hat, bleibt die Botschaft unzweideutig: Die EZB wird ihre Politik der Null- und Negativzinsen, wahrscheinlich im Verbund mit neuen Anleihekäufen, noch auf Jahre hinaus weiterführen.

Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe

Mario Draghi legt die Zündschnur für ein geldpolitisches Feuerwerk im September. Es wird also vermutlich nochmals zum Abschied des obersten Währungshüters ordentlich geböllert.

Mario Draghi bleibt sich aber zunächst treu. Der oberste Währungshüter handelte nicht, ohne vorher neue Einschätzungen des volkswirtschaftlichen Stabes zu haben. Selbst an der Forward-Guidance, wonach die Leitzinsen bis Jahresmitte 2020 unverändert bleiben, wurde nichts geändert.

Mario Draghi wäre aber nicht Mario Draghi, hätte er nicht geldpolitische Bonbons zum Verteilen bereit. Die EZB überprüft ein neues Anleiheaufkaufprogramm. Darüber hinaus wird auch ein Stufenzinssystem für die Reserve-Einlagen überprüft. Letzteres lässt darauf schließen, dass die EZB den Leitzins – möglicherweise deutlicher als bislang erwartet – senken könnte und im Gegenzug den Geschäftsbanken Freigrenzen bei der Berechnung des Negativzinses einräumt.

Hetal Mehta, Senior-Volkswirt für Europa bei Legal & General Investment Management

Die EZB mag diejenigen enttäuscht haben, die sich nach einem Übermaß an schwachen Stimmungsdaten eine sofortige Zinssenkung erhofften, aber ihre Absichtserklärung ist klar: Die geldpolitische Lockerung wird kommen, und zwar bald. Mögliche Optionen sind dabei ein abgestufter Einlagenzinssatz, weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen und Zinssenkungen. Draghi und der Rest des EZB-Rates wollen so demonstrieren, dass ihnen die Instrumente nicht ausgegangen sind. Die Stärkung ihrer Glaubwürdigkeit hat eindeutig oberste Priorität, und sie können nicht länger leugnen, dass die Inflationserwartungen verankert sind.

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