Die vergangenen Wochen waren ruhig. Keine sich hochschaukelnden Pressemitteilungen mit gegenseitigen Vorwürfen und Eigeninterpretationen der vermeintlichen Wahrheit im wohl bizarrsten Streit der deutschen Insurtech-Geschichte über die Besitzverhältnisse an der Kompass Group und der Zulässigkeit des neuen Unternehmens mit dem fast gleich lautenden Namen Kompass Group Deutschland. Nun vermeldet eine Seite eine Einigung. Die andere widerspricht zumindest nicht vollständig.
Alle Streitigkeiten dank Vergleich angeblich beigelegt
So vermeldete die Kompass Group Deutschland heute Morgen die endgültige Beilegung des Streits. Sie verwies dabei auf eine eigene Mitteilung vom 25. Juni, nach der die Hauptaktionäre Matthias Schmidt, René Fuchs und Marcus Renziehausen die Kontrolle über die Kompass Group bereits damals wiederhergestellt hätten. Die Gegenseite um den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Gerd Coenen hatte ursprünglich darauf noch heftig widersprochen und sogar Strafanzeigen angekündigt. Ende Juni war Streit bereits bei Gerichten anhängig und drohte komplett zu eskalieren.
Doch jetzt sei es auch gelungen, sich mit der verbliebenen Minderheitsaktionärin der Kompass Group, die Deutsche Treuwert Wealth Management (DTW), in Form eines gerichtlichen Vergleichs zu einigen. Das Unternehmen hält knapp zehn Prozent der Firmenanteile. Der Vergleich sehe vor, dass ausschließlich die Kompass Group Deutschland ihre Geschäftstätigkeit unter dieser Marke fortsetzt. Die bisherige Kompass Group werde sich umfirmieren. Damit seien alle juristischen Auseinandersetzungen beigelegt.
Wie geht mit einer umfirmierten Kompass Group weiter?
Ursprünglich war im Zuge der kurzfristigen Gründung der Kompass Group Deutschland im Frühjahr 2024 wegen eines Streits rund um DTW-Geschäftsführer und Kompass-Aufsichtsratsmitglied Dr. U. die Liquidierung der Kompass Group geplant. Unklar bleibt, warum es dazu nun nicht mehr kommen soll. Auf die Nachfrage von DAS INVESTMENT diesbezüglich ging der Sprecher der Kompass Group Deutschland nicht näher ein.
Viele ungeklärte Fragen
Genauso unklar ist, wie der eigentliche Deal der Kompass-Macher aussieht. U. hatte ursprünglich einen Rückkauf seiner Anteile abgelehnt. Dies ging aus einem Compliance-Bericht hervor, der DAS INVESTMENT exklusiv vorliegt. Doch standen in den Dauer-Scharmützeln beider Seiten danach ganz andere Themen im Vordergrund. Der Name U. wurde weder von Coenen, noch dem von ihm eingesetzten neuen Vorstand Nicos Pohland je erwähnt.
Zuletzt ging es neben der Rechtmäßigkeit der Gründung der neuen Kompass-Gesellschaft und der Kontrolle über die alte Kompass Group auch um einen dubiosen Rechtsstreit in der Schweiz, zu dem sich beide Seiten nicht äußern wollten. Wie eine Einigung mit der DTW geeignet sein soll, all diese Streitigkeiten beizulegen, bleibt vorerst völlig unklar.
Wird umfirmierte Kompass zum Wettbewerber?
Offen bleibt auch die Frage, unter welcher Kontrolle eine umfirmierte Kompass Group stehen wird und was dabei aus Coenen, den weiteren Aufsichtsräten und Pohland wird. Gleiches gilt für die Zukunft von Sandro Scheffler, den die Kompass Group bis zuletzt als weiteren Vorstand nannte – von dem die Kompass Group Deutschland aber behauptete, er werde wieder in ihrem Unternehmen mitarbeiten. Scheffler selbst hat sich auf wiederholte Anfrage unserer Reaktion dazu nie geäußert. Spannend ist vor allem die Frage, ob die umfirmierte Kompass Group, wie von Coenen und Pohland stets behauptet, weiter operatives Geschäft betreiben wird und damit zu einer Art Wettbewerber der Kompass Group Deutschland wird.
Einigung in Sicht, aber kein beschlossener Vergleich
Zu dieser und weiteren Fragen wollten sich Coenen und Pohland unserer Redaktion gegenüber nicht äußern. Coenen teilte lediglich mit: „Wir befinden uns in der Phase der Einigung. Dies ist richtig. Ein abschließender gerichtlicher Vergleich ist jedoch noch nicht beschlossen.“