Gut erklärt Wann man Währungskurse absichern sollte, und wann nicht

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In einem noch besser global diversifizierten Portfolio als es der MSCI World Standard Index ist wie z. B. im „MSCI ACWI IMI“ sind auch Small-Cap-Aktien und Schwellenländeraktien vertreten, sodass wir auf rund 9.000 Unternehmen in 46 Ländern kommen. Unterstellt man nur 20 Währungen, die irgendwie in der ökonomischen Substanz eines global diversifizierten Aktienkorbes präsent sind, resultieren bereits 190 potentiell renditebeeinflussenden Wechselkurse (Währungspaare). [4] Unterstellt man 100 Währungen, sind es 4.950 Wechselkurse. In einem Satz: Wer global diversifiziert, hat Hunderte oder Tausende von Wechselkursrisiken und -chancen im Portfolio. Die Relation zwischen dem USD und der funktionalen Währung des Anlegers ist nur eine davon. Eine einzige oder wenige dieser Relationen (z. B. die zwischen funktionaler Währung und dem USD) zu hedgen, ist letztlich sinnlos. Genau das geschieht jedoch in währungsgesicherten Fonds, einschließlich ETFs.

Diese Wechselkursrisiken verhalten sich zudem oft anders als mancher denkt. Eine Untersuchung zeigte, dass die Aktienmärkte so genannter „Weichwährungsländer“, deren Währungen langfristig vis-à-vis den Hartwährungen (Euro, USD, CHF, GBP, Yen) abwerten, also eine „chronische“ Abwertungstendenz haben, tendenziell ebenso hohe Aktienrenditen aufweisen wie die Hartwährungsländer selbst, natürlich gemessen in Hartwährung (Dimson u. a. 2006). Das könnte mit dem Mehrrisiko in den Weichwährungsländern zu tun haben. Renditen sind nun einmal in erster Linie eine Risikokompensation.

Zwei getrennte Geschäfte in einem globalen Portfolio

Wer in einem global diversifizierten Aktienportfolio den Wechselkurs zwischen seiner funktionalen Währung und dem USD oder zwischen seiner funktionalen Währung und den Währungen, die dem Sitz der Unternehmen im Portfolio entsprechen, absichert, geht in Wirklichkeit zwei getrennte Geschäfte ein: Ein Investment in einen breit diversifizierten Aktienkorb, in dem ein de facto unentwirrbar komplexes Gemisch von Wechselkurseffekten operiert und eine Spekulation darauf, dass seine Heimatwährung gegenüber diesen letztlich willkürlich ausgewählten Währungen aufwerten wird. Diese verbreitete Form von Wechselkurs-Hedging von globalen Aktienportfolios hat mit der ökonomischen Substanz der Währungseffekte in den Portfolios relativ wenig zu tun.

Der optische Zusammenhang, der für den Anleger durch das saldierte Zusammenwirken des „Grundgeschäfts“ und der Wechselkurswette auf die funktionale Währung, z. B. den EUR oder den CHF, entsteht, hat für unsere Fragestellung keine Aussagekraft. Die Wechselkurswette ist eine separate Zufallsvariable. Diese Form der Währungsabsicherung macht in einem solchen Portfolio aus Ex-ante-Sicht (in die Zukunft gerichtet) für die allermeisten Privatanleger keinen Sinn. Weder lässt sich dadurch langfristig eine zuverlässige Risikosenkung noch eine zuverlässige Renditeerhöhung erreichen. Es existieren viele Zeitfenster, in denen Currency Hedging nicht zu einer geringeren, sondern einem höheren Portfolio-Volatilität geführt hat. Echte Währungsabsicherung, nämlich aller relevanten Wechselkurse ist unmöglich und wäre, würde man es auch nur näherungsweise probieren, viel zu teuer.

Natürlich unterscheiden sich die langfristigen Renditen des Weltaktienmarktes gemessen in unterschiedlichen Währungen jeweils im Rückblick recht deutlich. Das illustriert die Tabelle weiter unten. Weil das so ist, glauben manche Anleger, dass man mit Hedging eines international diversifizierten Aktienportfolios in Zukunft zuverlässig höhere Renditen erzielen könne als ohne Hedging. Sie nehmen an, dass man dadurch verlässlich die höheren Nominalrenditen (oder das niedrigere Risiko) in einer Währung in die eigene Währung „rüberholen“ kann.

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