Gut erklärt Wann man Währungskurse absichern sollte, und wann nicht

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Kommen wir zum Schluss noch zu Aspekt (f), der Frage des Wechselkursrisikos bei Anleihen, soweit sie den „risikofreien“ (risikoarmen) Portfolioteil repräsentieren sollen, also den Portfolioteil, der im Gesamtportfolio als „Risikoanker“ dient. Für die Zwecke dieses Artikels wird der Risikoanker definiert als Portfolioteil aus Anleihen hoher Bonität (die ersten zirka vier Rating-Stufen von etwa 25) [5] und kurzer bis mittlerer Laufzeit in der funktionalen Währung des Anlegers. Sie repräsentieren im Prinzip die risikoärmsten verfügbaren Anlagen – risikoärmer als alles andere, einschließlich Bankguthaben und Immobilien. [6] So ist die Volatilität solcher Anleihen weit niedriger als die von Aktien. Der MSCI-World-Aktienindex wies von 1970 bis 2017 eine Volatilität der Kalenderjahresrenditen von etwa 20 Prozent auf; deutsche mittelfristige Staatsanleihen jedoch nur ein Viertel davon (rund 5 Prozent) und deutsche Geldmarktanlagen sogar nur ein Zehntel (rund 2 Prozent). Beim (nominalen) maximalen Drawdown zeigten sich ähnliche Verhältnisse (alle Zahlen in Euro). Mit anderen Worten: Anleihen hoher Qualität sind bei den gängigen Risikokennzahlen drastisch weniger risikoreich als Aktien.

Würde man nun Wechselkursrisiko in diese risikoarme Asset-Klasse einführen, z. B. durch das Kaufen kurz- oder mittelfristiger Fremdwährungsanleihen hoher Qualität ohne Währungs-Hedge, würde die relative hohe Volatilität der Wechselkurse (zirka 11 Prozent für die jährlichen Wechselkursschwankungen bei den gängigen Währungspaaren, deutlich mehr bei Schwellenländerwährungen) den grundsätzlichen Niedrig-Risiko-Charakter dieser Asset-Klasse regelrecht „überschwemmen“ und zerstören. Damit würde die Asset-Klasse die Kernfunktion verlieren, für die wir sie schätzen, nämlich die des Sicherheitsankers in einem Portfolio, das aus einem risikobehafteten und einem „risikofreien“ Teil besteht.

Deswegen gilt es, bei Anleihen höherer Qualität Wechselkursrisiko relativ zur funktionalen Währung zu vermeiden. Soweit Fremdwährungsanleihen in einem solchen Portfolioteil enthalten sind, sollte ihr Wechselkursrisiko abgesichert werden. Erfreulicherweise ist Währungs-Hedging bei Anleihenfonds beziehungsweise Anleihen-ETFs viel leichter möglich und globale Streuung weniger wichtig als bei Aktien. Die ETF-Produktlandschaft ist hier recht vielfältig.

Anleihen niedriger Qualität wie Mittelstands-, Schwellenländer- oder generell Anleihen mit einer Restlaufzeit von über zirka fünf Jahren taugen ohnehin nicht für die Risikoankerfunktion. Diese Anleihen muss man dem risikobehafteten Portfolioteil zuordnen. Ob bei ihnen Währungs-Hedging nach Kosten vorteilhaft ist, dürfte eine Einzelfallentscheidung sein.

Abschließend sei erwähnt, dass ein Privatanleger einen beträchtlichen, aber vielfach übersehenen Vorteil hat, wenn seine Heimatwährung aufwertet: Die Kaufkraft des Anlegerhaushaltes für importierte Güter und Auslandsreisen steigt, das heißt die Lebenshaltungskosten des Hausaltes sinken unter sonst gleichen Umständen. Die Größenordnung dieses Effekts wird im Einzelfall schwer zu quantifizieren sein. Sicher ist hingegen, dass er den nachteiligen Renditeeffekt einer solchen Aufwertung der Heimatwährung in einem globalen Aktienportfolio bei Haushalten mit geringem bis mittleren Einkommen und Vermögen zum Teil und in manchen Fällen sogar zu einem beachtlichen Ausmaß ausgleicht. Diesen Vorteil kann man als „natürlicher Hedge“ bezeichnen. Wo er besteht, sollte er bei der persönlichen Abwägung von Hedging berücksichtigt werden.

Fazit

Nicht abgesichertes Währungsrisiko im global diversifizierten Aktienportfolioteil stellt für die große Mehrzahl aller Privatanleger kein wirkliches Problem dar. Trotzdem behaupten oder implizieren Vermögensberater und an Anleger gerichtete Publikationen der Finanzbranche vielfach das Gegenteil.

Währungsgesicherte globale Aktien-ETFs sind aus der Sicht eines rationalen, passiven Anlegers angesichts ihrer höheren Kosten in der Regel abzulehnen. Die Berichtswährung eines Fonds hat nichts mit echtem Wechselkursrisiko zu tun. Das Hedging des USD-Wechselkurses oder der Einzelwährungen, denen die im Index enthaltenen Unternehmen „zugeordnet“ sind, alleine wäre in einem global diversifizierten Aktienportfolio eine letztlich sinnlose „Absicherung“ und stellt streng genommen eine separate Wechselkursspekulation dar.

Bei Anleihen, die als Risikoanker im Portfolio dienen, sollte Wechselkursrisiko hingegen strikt vermieden werden, weil sie ihre Risikosenkungsfunktion ansonsten teilweise verlieren. Eine Aufwertung der Heimatwährung eines Anlegers, die nachteilige Renditeeffekte für sein Finanzportfolio hat, führt zu einer Erhöhung seiner Kaufkraft für importierte Güter und auf Reisen ins Ausland (natürlicher Hedge).

Endnoten

[1] Die Bezeichnungen Wechselkurssicherung, Währungs(ab)sicherung und Währungs- oder Wechselkurs-Hedging (oder einfach nur „Hedging“) werden in diesem Text synonym verwendet.

[2] Die grundsätzliche Frage nach dem Grund für die Auf- oder Abwertung einer Währung gegenüber einer anderen in einem freien Devisenmarkt ohne (nennenswerte) Zentralbankenintervention lässt sich mithilfe der Zinsparitätentheorie beantworten: Währungen von Ländern mit niedrigen Zinsen werten langfristig gegenüber Währungen von Hochzinsländern auf, da andernfalls risikolose Arbitragemöglichkeiten über so genannte Carry Trades bestünden. Die Abwertung eliminiert diese Gewinnmöglichkeit. Da zwischen Zinsen und Inflation ein enger Zusammenhang besteht, wirkt dieser Zusammenhang auch im Hinblick auf die Unterschiede zwischen den Inflationsraten zweier Länder recht ähnlich. Generell gilt: Währungen von Ländern mit einer langfristig niedrigeren Inflation als die USA werden gegenüber dem USD tendenziell aufwerten und umgekehrt. Natürlich haben neben dem Inflations- und Zinsniveau eine Vielzahl anderer Faktoren Einfluss auf Wechselkursveränderungen und es wird im konkreten Fall nie abschließend beantwortet werden können, warum eine Währung gegenüber einer anderen Währung in einem spezifischen Maße auf- oder abgewertet hat.

[3] Gemäß Wikipedia existierten im Juli 2017 weltweit 180 Währungen.

[4] Die Formel hierfür lautet (n × (n – 1)) ÷ 2.

[5] Die Bonitätsunterschiede zwischen zwei Rating-Stufen am oberen, guten Ende der Skala sind sehr klein, am unteren Ende der Skala hingegen groß (weit).

[6] Bankguthaben innerhalb der staatlichen Einlagensicherung fallen ebenfalls in die risikoarme („risikofreie“) Anlagekategorie, wenn der staatliche Garantiegeber ein entsprechend hohes (gutes) Rating hat.

[7] Wo „niedrige Qualität“ beginnt, darüber kann man sich streiten. Als Faustregel könnte man sagen, ab einem Rating von BBB– beziehungsweise Baa3.

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