Demonstration in Chicago gegen einen Iran-Krieg: Im Nahen Osten spitzt sich die Lage zu.   | © Getty Images

Konflikt im Nahen Osten

Krisenszenarien einer Eskalation

Allerdings dürfte die Wahrscheinlichkeit eines offenen Kriegs zwischen beiden Ländern aufgrund der ungleichen Kräfteverhältnisse sehr gering sein: Nach jahrelangen Embargos und Wirtschaftssanktionen gilt die iranische Armee gegenüber Uncle Sam als relativ schwach und die Ausrüstung als veraltet. Zudem hat US-Präsident Donald Trump die Rückholung von US-Soldaten zum festen Ziel seiner Amtszeit erklärt.

Eine Konfrontation erscheint umso unwahrscheinlicher, als Donald Trump an dieser Front isoliert wäre und vermutlich weder die Unterstützung der Vereinten Nationen noch des Verteidigungsbündnisses NATO hätte. Überdies sind die USA durch die Schieferöl-Revolution mittlerweile gleichzeitig Selbstversorger und Nettoexporteur von Erdöl. Das strategische, politische und wirtschaftliche Interesse an einer solchen Operation erscheint daher begrenzt.

Auch wenn ein Konflikt keine sehr glaubwürdige Annahme darstellt, ist er aufgrund des unvorhersehbaren Handelns beider Seiten dennoch nicht absolut auszuschließen.

Überlegen wir also, welche Auswirkungen dies auf wirtschaftlicher und finanzieller Ebene haben könnte: Die unmittelbarste Folge dürfte der deutliche Anstieg der Barrel-Preise einhergehend mit einer größeren Nachfrage nach Fluchtwerten und in erster Linie nach Gold sein. Laut Schätzungen passiert ein Fünftel der weltweiten Ölexporte die Straße von Hormus. Dazu gehören 41 Prozent der chinesischen Importe. Eine Blockade würde einen jähen Anstieg der Inflation verursachen. Aber der Schock wäre gewiss weniger heftig, als dies früher der Fall gewesen wäre.

Die Flexibilität, die durch die Ausbeutung von Schieferölvorkommen gegenüber traditionellen Quellen entsteht, könnte eine mögliche Förderkrise tatsächlich abfedern: US-Schieferöl hat den doppelten Vorteil, mit geringen Investitionen rasch der Produktion zugeführt werden zu können.

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