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Getränkeproduktion in der Hubei-Provinz: Trotz der fast vollständigen Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten wird China einen enormen Nachfragerückgang hinnehmen müssen, sobald die Weltwirtschaft schrumpft. | © imago images / Xinhua Foto: imago images / Xinhua

Konjunkturausblick

Wie schlimm die Rezession werden könnte

Anna Stupnytska, Global Macro-Strategin bei Fidelity

Die Weltwirtschaft befindet sich in einer prekären Lage. Wie auch immer man „Rezession“ definiert: Wir sind bereits mittendrin. Die Frage lautet nicht, ob es eine weltweite Rezession geben wird, sondern wie schlimm und wie lange sie sein wird. Um zu verhindern, dass diese Rezession in eine Depression umschlägt, müssen die Regierungen mutig und kreativ sein und neue, umfassende und groß angelegte fiskalische Instrumente einsetzen, die speziell auf die aktuelle Krise ausgerichtet sind, anstatt sich ausschließlich auf das bestehende Instrumentarium zu verlassen, das für vergangene Krisen konzipiert wurde. Die Vielzahl der politischen Maßnahmen, die in den vergangenen Tagen in den großen Wirtschaftsnationen angekündigt wurden, ist sicherlich ermutigend. Doch es werden noch weitere Maßnahmen erforderlich sein, um den Ländern – und ihren Einwohnern – bei der Bewältigung ihrer Probleme zu helfen.

Rezession im Jahr 2020, schleppendes Wachstum im Jahr 2021

Da die Eindämmungsmaßnahmen, die die Ausbreitung des Corona-Virus verlangsamen sollen, auch die wirtschaftliche Aktivität zum Erliegen bringen, wird das BIP-Wachstum in den meisten Industrieländern im Jahr 2020 unserer Erwartung nach schrumpfen – mit zwei oder drei Quartalen, in denen das Wachstum extrem negativ ausfallen wird. Der Rückgang im zweiten Quartal wird wahrscheinlich ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreichen. Gegen Jahresende wird das Wachstum in den Regionen vermutlich zaghaft wieder anziehen, aber die Erholung wird wahrscheinlich schwach ausfallen. Wir sollten keine V-förmige Kurve erwarten.

Unser aktuelles Basisszenario eines „langwierigen Wiederaufschwungs" deutet vielmehr auf einen mühsamen Anstieg hin, der durch eine negative Rückkopplungsschleife zwischen China und dem Rest der Welt verzögert wird. Trotz der fast vollständigen Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten wird China – nach dem Angebotsschock – einen enormen Nachfragerückgang hinnehmen müssen, wenn die Weltwirtschaft schrumpft. Im schlimmsten Fall könnte Chinas Wirtschaft im Laufe des Jahres ebenfalls schrumpfen. Doch es ist wahrscheinlicher, dass sie im Jahr 2020 ein niedriges einstelliges Wachstum aufweisen wird, ähnlich wie wir es von den Industrieländern gewohnt sind.

Doppelschlag: Ölpreiskollaps und Virus-Schock werden auf die Wirtschaft überschwappen

Sekundäreffekte der Corona-Krise, wie die Auflösung von Exzessen, die sich im Wirtschaftssystem während der Zeit nach der Finanzkrise angesammelt haben, werden das Wachstum wahrscheinlich ebenfalls beeinträchtigen.

Systemische Risiken, die sich aus der Verschuldung von Unternehmen ergeben, treten bereits wieder in Erscheinung. Der US-Energiesektor steht dabei aktuell im Mittelpunkt. Der doppelte Schlag der Viruskrise und des jüngsten Ölpreiseinbruchs wird in den kommenden Wochen eine Welle von Zahlungsausfällen im Unternehmenssektor auslösen – und dies wird auf die Realwirtschaft und die Finanzmärkte überschwappen.

Die hohe Verschuldung der Haushalte, die Exzesse auf dem Wohnungsmarkt und die prekäre Haushaltslage vieler Industrie- und Schwellenländer sind weitere anfällige Bereiche, in denen es zu Verwerfungen kommen kann, die die Krise noch verschlimmern. In unserem aktuellen Basisszenario erwarten wir eine gewisse Umkehrung der Exzesse, die aber vorerst nicht groß genug sein wird, um eine ausgewachsene Finanzkrise auszulösen.

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