Manfred Rath, Portfolio-Manager bei der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg

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Konjunkturbelebung

Mario Draghi setzt auf Angriff

Notenbankchef Mario Draghi macht ernst. Nach der Sitzung des EZB-Rates Anfang Juni verkündete er nicht nur Zinssenkungen, sondern ein ganzes Bündel begleitender Maßnahmen zur Konjunkturbelebung. Die Senkung des Leitzinses auf jetzt 0,15 Prozent entsprach in etwa den Erwartungen im Markt.

Dass die Kreditinstitute für Ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank jetzt sogar einen Strafzins von 0,10 Prozent zahlen sollen, hatte allerdings schon im Vorfeld Diskussionen ausgelöst.

In anderen Staaten (zum Beispiel Dänemark) war diese Strategie nicht erfolgreich gewesen. Nachhaltiger dürften die geplanten langfristigen Notenbankkredite (LTRO) wirken. Außerdem bereitet die EZB ein neues Programm zum Ankauf verbriefter Kredite vor.

Die Aussagen der EZB-Spitze waren in den Wochen zuvor an Deutlichkeit kaum zu überbieten gewesen. Die europäische Notenbank hatte sich längst festgelegt, und der Zeitpunkt könnte nicht besser gewählt sein: Nach der Europawahl gleich den Eurokritikern wieder den Wind aus den Segeln zu nehmen – zumindest aus monetärer Sicht.

Starker Euro belastet


Draghi zeigte sich zuversichtlich, dass die ergriffenen Maßnahmen zu einer höheren Inflation führen werden. Die Teuerung lag im April bei nur 0,7 Prozent und damit weit weg von der 2-Prozent-Zielmarke der EZB. Der oberste Notenbanker wird auch weiter nicht müde, vor den Risiken einer zu lange niedrigen Inflation im Euroraum zu warnen.

Sorge bereitete auch der auf zwischenzeitlich fast 1,40 Dollar gestiegene Euro. Denn zum Einen könnte der hohe Außenwert des Euros die Inflation weiter drücken, weil er die Importe verbilligt. Zum Anderen bremst der hohe Eurokurs die Exportchancen der südeuropäischen Länder.

Das wäre Gift für den Arbeitsmarkt der krisengeschüttelten Staaten. Schließlich meldete die Statistikbehörde Eurostat, dass noch immer 24 Prozent aller jungen Menschen im Euro-Raum arbeitslos sind.

Allerdings hat EZB-Chef Draghi den gefühlt zu starken Euro auch selbst mit herbeigeredet. Im Sommer 2012 stabilisierte er auf dem Höhepunkt der Krise mit seiner legendären Aussage "whatever it takes" die Märkte. Nun wird er die Geister, die er damals rief, nur noch schwer los.

Nach der Party droht Enttäuschung


Die EZB hat nicht die Freiheiten der Notenbanken der USA oder Japans. Es bleibt die Frage, ob der Euro heruntergedrückt werden kann, wenn gleichzeitig die anderen namhaften Notenbanken dieser Welt ebenfalls eine Aufwertung ihrer Landeswährung unterbinden wollen.

In den vergangenen Monaten floss viel Geld nach Europa, die Zinsen für spanische zehnjährige Anleihen sind unter 3 Prozent gefallen. Selbst die Griechen mussten bei ihrer Rückkehr an den Kapitalmarkt nicht mehr als 5 Prozent für ihre fünfjährige Anleihe bieten. Für Anleger erscheint diese Rendite nur vordergründig attraktiv - es droht immerhin noch ein weiterer Schuldenschnitt.

Die europäischen Märkte ließen sich von den Resultaten der Europawahl nicht beeindrucken. Sie feierten die Party mit Blick zum 5. Juni erwarteten Beschlüssen des EZB-Rates schon mal vor.

Diese im Vorfeld hohe Erwartungshaltung der Marktteilnehmer könnte jetzt auch einer Ernüchterung weichen, denn weiteren Zinssenkungen hat Draghi eine Absage erteilt. Derartige Perspektiven kommen an den Märkten häufig nicht gut an, auch wenn der EZB-Chef beteuert, dass die Möglichkeiten für außergewöhnliche Maßnahmen noch nicht ausgeschöpft sind.

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