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Soldaten vor dem Nationalen Volkskongress in Peking: Die kommunistische Partei versucht derzeit, die Lage in China zu beruhigen.  | © Getty Images

Konjunkturprognose „China wird sich diesmal nicht erholen“

Die Aussichten für Chinas Wirtschaft im Jahr 2019 und darüber hinaus hängen von zwei entscheidenden Fragen ab: Wird Peking ein neues Konjunkturprogramm auf den Weg bringen, um einer Verlangsamung seines Wirtschaftswachstums entgegenzuwirken? Und wenn ja, wird dieses Programm so umfassend sein, dass es Wirkung zeigt?

Die Aktienanleger sehen das bisher positiv. Chinesische Aktien legten in den ersten beiden Monaten des Jahres um fast 15 Prozent zu, gemessen am MSCI China Investable Market Index. Nach einem trüben Jahr 2018 scheinen Anleger auf eine wirtschaftliche Erholung zu hoffen, gepaart mit einer kurzfristigen Vereinbarung, um den andauernden Handelskonflikt zwischen den USA und China beenden.

Gut möglich, dass wir bald ein Handelsabkommen sehen werden. Doch meiner Meinung nach wird sich die chinesische Wirtschaft weiter abschwächen, da die Konjunkturmaßnahmen hinter den Markterwartungen zurückbleiben und Chinas traditionelle, von Investitionen gesteuerte Erholung nicht eintreten wird.

In China verlangsamen sich wichtige Wirtschaftszweige und Indikatoren parallel: Immobilien, Export, Fertigung, Konsumausgaben und das Unternehmervertrauen. Grund dafür sind unter anderem rückläufige Beschäftigungszahlen und eine geringere Produktivität. Verstärkt wird diese Talfahrt durch zyklische Faktoren, etwa die Entlastung staatlicher Unternehmen durch die Regierung, ein hartes Vorgehen gegen das Schattenbankensystem sowie Versuche, den Immobilienmarkt abzukühlen. All das belastet das kurzfristige Wachstum.

Konjunkturspritze zum jetzigen Zeitpunkt wäre fatal

Darüber hinaus scheint es in Peking kein dringendes Verlangen zu geben, die massiven staatlichen Stimulus-Maßnahmen der Jahre 2015 und 2016 zu wiederholen, was die Wirtschaft ankurbelte.

Ganz im Gegenteil: Eine große Stimulus-Injektion zum jetzigen Zeitpunkt könnte dazu führen, dass der Immobilienmarkt weiter überhitzt und sich Chinas Schuldenkrise verschärft. Zwar haben wir bereits ein kleines Konjunkturpaket gesehen, etwa in Form leichter Steuersenkungen und niedrigeren Reserveanforderungen für Banken. Doch unter dem Strich ist das zu wenig.

Eine wichtige Wirtschaftskennzahl, die ich aufmerksam verfolge, ist die Kreditwachstumsrate. Sie ist in der Regel ein zuverlässiger Frühindikator. In China ist das Kreditwachstum seit dem Jahr 2010 rückläufig. Nach meiner Schätzung hat es 2019 etwas zugelegt, allerdings nicht genug, um die Verluste beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) abzufangen.

Investoren brauchen selektiven Ansatz

Laut offiziellen Regierungsangaben wächst Chinas Wirtschaft um 6,6 Prozent pro Jahr. Das ist jedoch weit entfernt vom zweistelligen Wachstum, das wir vor zehn Jahren beobachten konnten. Entsprechend positiver waren meine Wachstumsprognosen vor einigen Jahren, die auf einer Reihe von Marktreformen basierten, die Chinas Regierung versprochen hatte. Dazu zählten die Beschränkung von staatseigenen Unternehmen und die Förderung von mehr Unternehmertum im privaten Sektor.

Obwohl die Regierung diese Ziele wiederholt hat, war die Entwicklung ziemlich enttäuschend. Deshalb glaube ich, dass das chinesische BIP-Wachstum in den kommenden Jahren weiter zurückgehen wird. Eines der folgenden Szenarien wird dafür verantwortlich sein.

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