Aktualisiert am 01.11.2021 - 11:21 UhrLesedauer: 9 Minuten
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Konkrete Schritte zur Dekarbonisierung von Portfolios

Konkrete Schritte zur Dekarbonisierung von Portfolios

Die zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind diejenigen der Autoren zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Dokuments. Andere Teams können andere Ansichten vertreten und andere Anlageentscheidungen treffen. Der Wert Ihrer Anlage kann gegenüber dem Zeitpunkt der ursprünglichen Investition steigen oder sinken. Von externen Anbietern stammende Daten werden zwar als verlässlich erachtet, doch gibt es keine Garantie für ihre Richtigkeit. Nur für professionelle, institutionelle oder zugelassene Anleger. Informationen zu den Risiken finden Sie am Ende dieser Publikation.

Anleger sind zunehmend bestrebt, ihre Portfolios zu dekarbonisieren, wissen aber oft nicht, wie sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen sollen. Wir gehen auf die wichtigsten Punkte ein, die dabei zu beachten sind, und erläutern einen ausgewogenen Ansatz, mit dem Anleger ihre Portfolios stärker in Richtung Klimaneutralität ausrichten können.

WELLINGTON CLIMATE STRATEGY FUND – FOKUS AUF LÄNGERFRISTIGEM WACHSTUM

Investition in Unternehmen, die sich entweder auf den Klimaschutz oder die Anpassung an den Klimawandel konzentrieren, mit einem breiten Spektrum von Anlagechancen in Bereichen wie Wasser- und Ressourcenmanagement, emissionsarmer Transport und Energieeffizienz.

Hauptfokus: Lösungen in Bezug auf den Klimawandel
SFDR-Status: Artikel 9
ISIN-Code: LU1889107774

WELLINGTON ENDURING ASSETS FUND LÄNGERFRISTIGES WERTSCHÖPFUNGSPOTENZIAL ERSCHLIESSEN

Langfristig orientierter Ansatz mit dem Ziel niedriger Volatilität durch die Investition in Unternehmen mit langlebigen physischen Vermögenswerten. Der Fonds legt einen Schwerpunkt auf regulierte Stromversorger, die wir für eine unterschätzte Möglichkeit halten, um in die Energiewende zu investieren.

Hauptfokus: liquide Infrastrukturanlagen
SFDR-Status: Artikel 8
ISIN-Code: IE00BH3VJH87

Eine Anlage kann an Wert verlieren. Anleger sollten stets die möglichen Risiken für ihr Kapital in Betracht ziehen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Eine komplette Liste der Risikofaktoren und Informationen, die Anlegern vor einer Investition zur Verfügung zu stellen sind, sind dem jeweiligen Fondsprospekt sowie den Wesentlichen Anlegerinformationen (Key Investor Informatio).

Die Dynamik zur Senkung von CO2-Emissionen verstärkt sich

Wir rechnen damit, dass sich die Umstellung auf eine klimaneutrale Wirtschaft angesichts des fortschreitenden Klimawandels und des regulatorischen und gesellschaftlichen Drucks beschleunigen wird. Anleger müssen und wollen sich an Lösungen beteiligen, was auch durch Initiativen wie die Net Zero Asset Managers Initiative oder die steigende Nachfrage nach Klimastrategien deutlich wird. Dekarbonisierungsziele in Einklang mit bestehenden Anlagezielen, Risikoprofilen und Zeithorizonten zu bringen, kann jedoch schwierig sein. Hier erläutern wir, wie ein ausgewogener Ansatz aussehen kann.

Hohe Risiken, große Chancen

Der Klimawandel stellt inzwischen ein existenzielles Risiko dar. Selbst wenn wir es schaffen, das Ruder noch herumzureißen, sind negative Folgen mittlerweile unvermeidbar, weshalb viele Vermögenswerte einem physischen Risiko ausgesetzt bleiben. Die allgemeine Umstellung auf eine emissionsarme Wirtschaft ist auch mit einem Übergangsrisiko verbunden: Vermögenswerte von Unternehmen, die sich nicht anpassen können oder wollen, müssen möglicherweise einen Klimaabschlag hinnehmen, da die Märkte sie wegen erhöhter Klimarisiken niedriger bewerten, und könnten sogar zu „Stranded Assets“ werden. Gleichzeitig bringt das Ausmaß der bevorstehenden Veränderung eine Fülle an Chancen mit sich, die erfahrene Anleger unter Umständen nutzen können, um über der Benchmark liegende Renditen zu erzielen und gleichzeitig zu einer schnelleren Umstellung beizutragen.

Wichtige Bestandteile eines ausgewogenen Ansatzes

Anleger können ihre Portfolios auf verschiedene Weise auf Klimaneutralität ausrichten. Unseres Erachtens gibt es aber bestimmte Elemente, die bei einem ausgewogenen Ansatz nicht fehlen sollten. Dazu gehören:

Aktives Engagement
Auch wenn mit umfassenden Veräußerungen oder Begrenzungen der Allokation in Emittenten mit hohen CO2-Emissionen die Dekarbonisierung unter Umständen schneller erreicht werden kann, ist dies manchmal mit Renditeeinbußen verbunden, wobei die Portfolios dann möglicherweise immer noch den von diesen Emittenten verursachten CO2-Schäden ausgesetzt sind. Wir sind davon überzeugt, dass durch den direkten Austausch mit den Unternehmen zu diesen Problemen – mit Veräußerungen als letzter Option – im Laufe der Zeit ähnliche Dekarbonisierungsniveaus erreicht werden können, ohne Einbußen bei den Erträgen oder sonstigen wirtschaftlichen Zielen hinnehmen zu müssen. Ein solches aktives Engagement dürfte auch zur Beschleunigung der allgemeinen Umstrukturierung der Wirtschaft beitragen.

Zukunftsgerichtete Ziele
Trotz deutlicher Fortschritte bleibt die Datenqualität eine große Herausforderung. Datensätze sind unvollständig, ändern sich schnell und sind größtenteils auf die Vergangenheit bezogen. Ein auf Researchanalysen basierender aktiver Ansatz ermöglicht Anlegern möglicherweise ein tieferes Verständnis der zukunftsgerichteten Ziele der Unternehmen und ihrer relativen Fähigkeit, sich an den Klimawandel anzupassen oder seine Folgen abzumildern.

Zentrale Rolle für die Wissenschaft
Der Klimawandel ist ein hoch komplexes Phänomen, das weitreichende Konsequenzen für die gesamte Wirtschaftskette hat. Der Zugang zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen kann Anlegern helfen, die langfristigen Auswirkungen auf Vermögenswerte in den verschiedenen Sektoren und Regionen einzuschätzen.

Diversifizierung
Ein ausgewogener Ansatz soll nicht nur die physischen Risiken und Übergangsrisiken im Portfolio reduzieren, sondern kann auch über die zahlreichen damit verbundenen Anlagechancen Diversifizierung gewährleisten. Die beinhaltet die Kombination von Investitionen in etablierte Unternehmen und Infrastruktur mit Allokationen in neue Marktteilnehmer und den Technologiesektor.

Anpassung von Strategien an das Risikoprofil und den Zeithorizont

Im Rahmen der vorstehenden skizzierten Überlegungen müssen Anleger die richtigen Bausteine für ihre spezifischen Umstände auswählen und dabei nicht nur ihr Risikoprofil, ihren Hauptanlagefokus (Wachstum, Kapitalerhalt, regelmäßige Einkünfte) berücksichtigen, sondern ihre Entscheidungen auch an der Frage ausrichten, wie schnell sie die Dekarbonisierung vorantreiben wollen. Wir veranschaulichen mit zwei potenziellen Strategien für die Aktienkomponente eines klimabewussten Portfolios, wie dies in der Praxis funktionieren könnte. Beide Lösungen ermöglichen es den Anlegern, sich auf die mit der Umstellung auf Klimaneutralität verbundenen Risiken zu konzentrieren und dabei Klimarisiken zu reduzieren. Sie weisen jedoch spezifische Merkmale auf, die für unterschiedliche Anlegerprofile geeignet sind.

Längerfristiges Engagement in Unternehmen mit überdurchschnittlichem Wachstum

Ein Engagement in Wachstumsunternehmen mit einem ausdrücklichen Fokus auf der Bekämpfung des Klimawandels kann mehr Potenzial für das Erreichen höherer Wachstums- und Dekarbonisierungsziele bieten. Dazu zählen natürlich Produzenten von erneuerbarer Energie, jedoch ist das Universum noch viel größer und wächst schnell, da von Ländern rund um den Globus zunehmend ernsthafte Maßnahmen ergriffen werden, um den Klimawandel zu bekämpfen. Dies sind in erster Linie kleine und mittelständische Unternehmen, doch ist dies nicht ausschließlich der Fall. Im Wesentlichen gehören dazu alle Unternehmen, die einen großen Anteil ihres Umsatzes aus Folgendem erzielen:

  • Klimaschutz: Bekämpfung der Ursachen und Minimierung der möglichen Auswirkungen des Klimawandels;
  • Anpassung: Ziel der Reduzierung der negativen Auswirkungen des Klimawandels; oder
  • Innovation: neue Lösungen, die Volkswirtschaften und Gemeinschaften dabei helfen, die Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen und sich an diese anzupassen.

Abbildung 1 veranschaulicht die verschiedenen Bereiche, in denen klimabezogene Lösungen zur Anwendung kommen. Viele wenden neue Technologien an oder stellen ihre Prozesse um. Dadurch können unerwartete neue Anlagechancen außerhalb von Bereichen entstehen, die mittlerweile vielleicht überbewertet sind. Nehmen wir zum Beispiel die inzwischen schon fast triviale Investition in Produzenten von erneuerbarer Energie, bei denen aber neue Formen einer dezentralisierten Energieerzeugung und -verteilung attraktive neue Geschäftsmöglichkeiten schaffen könnten. Wir rechnen damit, dass die Liste der interessanten Unternehmen immer länger wird, da die Folgen des Klimawandels immer schmerzhafter werden und Investitionen zunehmend in Unternehmen fließen, die einen glaubwürdigen Zukunftsplan haben.

Abbildung 1

Wir müssen uns jedoch darüber im Klaren sein, dass der Weg zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft steinig sein wird. Die Übergangspläne einiger Unternehmen stellen sich möglichweise als weniger effektiv als angenommen heraus, viele Technologien und Ansätze müssen sich erst noch bewähren und der Klimawandel schreitet schnell voran. Daher sind aktives Research und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse so wertvoll. Doch selbst mit diesen entscheidenden Inputs kann diese Art von Investition in wachstumsstarke Unternehmen zu volatil sein und weniger regelmäßige Einkünfte abwerfen als bestimmte Anleger zu akzeptieren bereit sind.

Längerfristiges Engagement in Titel mit geringerer Volatilität

Für Anleger dieser Art können stärker substanzorientierte Ansätze, bei denen die Dekarbonisierung gegebenenfalls etwas länger dauert, besser geeignet sein. Diese Art von Ansatz konzentriert sich in der Regel mehr auf die Dekarbonisierungsbemühungen von etablierten Unternehmen mit verlässlichen Einkünften. Viele dieser Unternehmen werden für den Erfolg der Transformation in eine kohlenstoffarme Wirtschaft wesentlich sein – denken wir zum Beispiel an bestimmte Energieversorger und die erforderlichen Investitionen in Stromnetze, um diese Umstellung zu ermöglichen. Durch diese Art von Investition können Anleger unter Umständen Anlagechancen in Sektoren nutzen, die vom Markt unterschätzt werden, und gleichzeitig von einer Diversifizierung gegenüber Bereichen, bei denen die Gefahr einer Überbewertung besteht, profitieren. Abbildung 2 veranschaulicht dies durch die Investitionsprognosen der Internationalen Energieagentur1 für verschiedene Energieformen. Sie zeigt, dass die Stromnetze voraussichtlich von umfassenden Investitionen profitieren werden, sogar noch stärker als erneuerbare Energieträger.

Abbildung 2

Die Dekarbonisierungsbemühungen dieser Versorgerarten werden von Regierungen, Regulierungsbehörden und der Öffentlichkeit unterstützt. Daher dürfte eine Investition in solche Vermögenswerte Anlegern dabei helfen, ihre Portfolios zu dekarbonisieren und gleichzeitig immer noch relativ zuverlässige Einkünfte zu erzielen. Diese Einschätzung bezieht sich natürlich auf den gesamten Sektor, und aktives Research und die Klimaforschung können bei der Identifizierung derjenigen Versorger helfen, die die glaubwürdigsten Pläne haben und für Klimarisiken am wenigsten anfällig sind. Solche unterschätzten Entwicklungen sind nicht nur auf den Versorgungssektor beschränkt, und wir gehen davon aus, dass wir bald in praktisch allen Branchen und Sektoren ähnliche Szenarien beobachten werden.

Indem sie Kernallokationen mit diesen oder ähnlichen Bausteinen ergänzen, können Anleger einen entscheidenden Beitrag zur Dekarbonisierung ihrer Portfolios leisten, ohne Kompromisse bei ihren Erträgen oder sonstigen Zielen einzugehen. Im Laufe der Zeit können sie weitere Schritte unternehmen, um ihr Portfolio klimaneutral auszurichten, wenn sich der Wandel beschleunigt und in allen Anlageklassen immer mehr Klimalösungen verfügbar werden.

Konkrete Maßnahmen ergreifen

Die Dekarbonisierung der Wirtschaft ist ein langfristiger Prozess und die Neuausrichtung von Portfolios wird ebenfalls Zeit in Anspruch nehmen. Wir sind jedoch überzeugt, dass es wichtig ist, bereits jetzt zu handeln. Unser ausgewogenes Rahmenkonzept dient Anlegern als Leitlinie für die Umstellung ihres Portfolios in Richtung Klimaneutralität unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Ziele und ihrer Risikobereitschaft.

KONKRETE SCHRITTE ZUR DEKARBONISIERUNG VON PORTFOLIOS

1World Energy Outlook 2020, Nachhaltigkeitsszenario, Internationale Energieagentur, Oktober 2020.

Informationen über die folgenden Risiken entnehmen Sie bitte der Seite „Anlagerisiken“:

  • Kapitalrisiko
  • Konzentrationsrisiko
  • Währungsrisiko 
  • Emerging-Markets-Risiko
  • Risiko in Bezug auf Aktien mit geringerer Marktkapitalisierun
  • Nachhaltigkeitsrisiko
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