New Yorker Einkaufszentrum Foto: imago images / Levine-Roberts

Bluebay-Investmentchef über die US-Wirtschaft Konsumniveau bleibt konstant

Die Renditen von US-Staatsanleihen sind im Verlauf der vergangenen Woche weiter gesunken. Angesichts der Tatsache, dass die US-Wirtschaftsdaten nach wie vor relativ gut ausfallen und nur wenige wirklich neue Nachrichten über die Ticker liefen, stellt diese Preisbewegung die Marktteilnehmer unter Erklärungszwang: Inzwischen haben die Treasury-Renditen mehr als die Hälfte ihres Anstiegs im ersten Quartal 2021 wieder rückgängig gemacht, wobei sich die Kurve weiterhin aggressiv abflacht.

Stimmungsumschwung an den Märkten

Bis zu einem gewissen Grad könnten die anhaltenden Unsicherheiten bezüglich Covid-19 und der Delta-Variante, im Verbund mit einer Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivität in China, beeinflussende Faktoren gewesen sein. Ein größeres Thema scheint jedoch ein Stimmungsumschwung an den Märkten zu sein, der eine Rückkehr zum Phänomen der säkularen Stagnation einpreist, bei der Wachstum, Inflation und Zinssätze über einen Großteil des vergangenen Jahrzehnts nach unten tendierten.

Wer dieser Weltsicht folgen mag, zeigt mit dem Finger auf den Höhepunkt der Wachstumsdynamik im zweiten Quartal und gibt sich der Überzeugung hin, dass, egal in welche Höhen sich die Inflation in nächster Zeit aufschwingt, sie dazu bestimmt ist, die konjunkturelle Entwicklung auf dem Weg ins Jahr 2022 abzuwürgen.

Keine dauerhaften Nullzinsen

Sofern demnach die wirtschaftliche Aktivität und der Preisdruck von selbst nachlassen, dürfte es daher, so die Ansicht dieser Marktteilnehmer, für die US-Notenbank kaum notwendig sein, die Zinsen zukünftig wieder anzuheben: Erleben wir eine „Japanisierung“, die das natürliche Zinsniveau dauerhaft um 0 Prozent verankert? Wohl kaum; es ist zu hinterfragen, ob dieses Narrativ einer sachlichen Überprüfung standhält.

Die Wachstumsdynamik in den USA ist nach wie vor lebhaft, und die lockere Fiskal- und Geldpolitik befeuert weiterhin die Konjunkturentwicklung. In der Tat sind derzeit die realen Zinssätze niedriger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die meisten Zentralbanker, deren Auskünfte wir in unsere Analysen einfließen lassen, sind vor dem Hintergrund der kräftigen Erholung der Volkswirtschaften von der Pandemie eher besorgt, dass die US-Wirtschaft das Risiko einer Überhitzung eingeht, als dass sie sich plötzlich abkühlt.

Werden die einzelnen Elemente des Bruttoinlandsprodukts berücksichtigt, so erscheint der Ausblick für den Konsum robust, trotz Unsicherheiten dank zunehmender Beschäftigung, steigenden Löhnen und Einkommen, rückläufiger Sparraten und stabilisierender Vermögenseffekte durch zulegende Wertpapier- und Immobilienpreise.

Mehr zum Thema
Baader-Bank-Chefanalyst Robert HalverSo beeinflusst die Delta-Variante die Aktienmärkte Natixis-Strategin Esty DwekCorona bremst Wachstum in Schwellenländern Taktische Asset-AllokationZwischen Optimismus und Selbstgefälligkeit