Koreas Börse trotzt dem Kanonendonner

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Bereits während der Unruhen in Thailand im ersten Halbjahr 2010 hatten sich ausländische Beobachter verwundert die Augen gerieben. Während es in Bangkok zu Straßenschlachten, Bombenexplosionen und zum militärischen Einsatz mit Dutzenden von Toten kam, reagierte die Börse kaum panisch.

Von der Spitze im April korrigierten die Kurse an Thailands Aktienmarkt bis Ende Mai um gerade einmal 15 Prozent und damit nicht mehr, als die Aktien weltweit im Durchschnitt nachgaben. Danach ging es weiter stetig aufwärts, inzwischen um insgesamt über 50 Prozent seit Jahresbeginn.

Korea hat derzeit eine der stabilsten Börsen überhaupt

Nun ein ähnliches Bild in Korea: Nordkorea versenkte zunächst ein südkoreanisches Militärschiff im März; im November schoss das Land Raketen auf die südkoreanische Insel Yeongpyeong. Resultat: Vier Tote und verständliche Ängste in der Hauptstadt Seoul, nur 60 Kilometer entfernt von der bedrohten Grenze zum Norden. International streiten sich die Großmächte, wie sie den unberechenbaren Atomstaat Nordkorea in den Griff bekommen können.

Entsprechend reagierten die Kapitalmärkte mit Abschlägen – allerdings nur in den Nachbarstaaten und den westlichen Industrieländern. Südkoreas Aktienmarkt gehörte dagegen selbst am Tag des Raketeneinschlags zu den stabilsten überhaupt. Die Menschen vor Ort haben sich offenbar mit der latenten Unsicherheit arrangiert. Mit aktuell fast plus 30 Prozent auf Euro-Basis seit Jahresbeginn lässt der koreanische Aktienindex die meisten Weltbörsen damit weit hinter sich.

Einfach aber erfolgreich – Trendfolgesystem schlägt Index deutlich

Man sieht: Wer sich mit fundamentalen Erklärungsversuchen oder gar Vorhersagen für Koreas Aktienmarkt beschäftigt, tut sich schwer. Der Markt folgt, wie viele andere Börsen in Asien und der Welt, den Wirtschaftsdaten äußerst selten eins zu eins.

Unsere Analysen des Anlegerverhaltens an der koreanischen Börse zeigen jedoch ein ausgeprägtes und wiederkehrendes Trendverhalten: Für die vergangenen 20 Jahre ist eine regelmäßige Abfolge klarer mehrmonatiger Auf- und Abwärtsbewegungen zu erkennen; richtungslose Zeiträume sind selten.

Die Konsequenz: Schon mit einem sehr einfachen Kauf- und Verkaufsmodell mit einem gleitenden Durchschnitt (8-Monats-Trendfolgemodell) ließen sich für den koreanischen Aktienmarkt außergewöhnliche Erfolge erreichen: 220 Prozent erzielt die einfache systematische Methode seit 2000 im Vergleich zu 130 Prozent im Index.

Dabei wurde nach dem Überschreiten des Acht-Monats-Durchschnitts gekauft und bei dessen Unterschreiten verkauft. Über einen Zeitraum von 20 Jahren ist der Vorsprung des Trendfolgemodells noch deutlicher: 650 Prozent zu 160 Prozent – und dies bei deutlich geringeren Schwankungen.

Freilich kann ein Trendfolgesystem Rückschläge nie ganz vermeiden. Es kann aber vor allem längerfristige Abschwünge mildern. Und es schützt Anleger vor zu frühem Ausstieg. Möglicherweise läuft der Anstieg an Koreas Aktienmarkt ja noch eine Weile weiter – trotz des Kanonendonners.


Zum Autor: Ekkehard Wiek ist Geschäftsführer der W&M Wealth Managers (Asia) Pte. Ltd. in Singapur und der Asia4Europe Investment GmbH in Ettlingen und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de. In DAS INVESTMENT.com äußern sich renommierte Vermögensverwalter in regelmäßigen Kolumnen zu aktuellen Finanz- und Kapitalanlagethemen.

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