Marc Radke (stv. Chefredakteur)Lesedauer: 8 Minuten

Knappe Rohstoffe Stangenware wird kostbar

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Von einer inzwischen „ziemlich perfekten Welt“ für Rohstoffe spricht Commerzbank- Analyst Eugen Weinberg angesichts dieser Gemengelage. Der Leiter des Rohstoff- Research traut selbst gewöhnlichen Industriemetallen wie Stahl enorme Preisanstiege zu. Als weiteres Paradebeispiel für die konjunkturelle Zugkraft der Schwellenländer, die einen Großteil des diesjährigen Aufschwungs leisten sollen, nennt Weinberg Indien, wo die Stahl-Nachfrage 2020 um 14 Prozent zurückgegangen sei, sich in diesem Jahr aber wieder um 20 Prozent erholen werde.

Andere Industriestoffe wie Aluminium, Blei, Lithium, Nickel, Palladium, Platin, Silber, Zinn und Zink stehen dem nicht nach und haben preislich neue Rekord-Niveaus erklommen. Diese belegen, dass es sich nicht nur um einen extremen Basiseffekt nach dem schwachen Corona-Jahr handelt. Vielmehr weisen die Rohstoffe langfristige Zuwächse auf, Nickel auf Sicht von fünf Jahren etwa ein Plus von 75 Prozent.

Der auf breiter Front außergewöhnliche Rohstoff-Bedarf hat das aktuelle Performance-Ranking der Anlageklassen im wahrsten Sinne auf den Kopf gestellt. Gehörte Rohstoffen im Vorjahr wegen des Konjunktur-Einbruchs noch die rote Laterne, stehen sie 2021 mit Abstand an der Spitze. Nach Daten der Bank of America beträgt das Plus glatte 20 Prozent seit Jahresbeginn, das beste Ergebnis seit zwei Jahrzehnten. Zum Vergleich: Die von Investoren derzeit ebenfalls gefragten Schwellenmärkte schaffen gemessen am Aktienindex MSCI Emerging Markets lediglich einen Zuwachs von 3,5 Prozent.

Quelle: Morningstar

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Das dicke Plus der Rohstoff-Notierungen kommt selbstverständlich auch den Managern von Aktienfonds zugute, die zuvorderst auf Explorationsfirmen, Minenbetreiber und Ölkonzerne setzen. So stieg der Anteilspreis des Ninety One Global Natural Resources (ISIN: LU0345780950) gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt um 52,6 Prozent.

Das Manager-Trio Tom Nelson, George Cheveley und Dawid Heyl verteilt die 209 Millionen Euro Fondsvermögen momentan auf 46 Aktiengesellschaften, ganz vorn der Bergbau-Konzern Rio Tinto aus Brasilien. Mehr als ein Viertel des Portfolios nimmt die Energie-Branche ein, die Mineralölkonzerne Total und BP rangieren in den Top-10.

Um von dem nun wieder anziehenden Stahlbedarf zu profitieren, haben die Manager unter anderem den offiziell in Luxemburg beheimateten Stahlkonzern Arcelor-Mittal auf den zweiten Rang gehoben. Überhaupt zählen Stahlproduzenten zurzeit zu den wichtigsten Renditebringern des Fonds: „Das liegt einerseits an dem Ende der wirtschaftlichen Notbremsen in vielen Ländern und andererseits an der Hoffnung auf üppige Konjunktur-Pakete rund um den Globus“, erklärt Nelson und nennt als weitere erfolgreiche Investments die beiden US-Stahlkocher Cleveland-Cliffs und Steel Dynamics.

Insbesondere die angekündigten Infrastruktur- Maßnahmen in den Vereinigten Staaten sollten für weiteren Vortrieb sorgen, da sie ohne einen immensen Einsatz von Stahl nicht zu realisieren sind. Der neue US-Präsident Joe Biden will die Pandemie-Rückschläge schnell vergessen machen und der heimischen Wirtschaft insgesamt mit einem rund 1,6 Billionen Euro teuren Rekord-Hilfspaket unter die Arme greifen.

Die Währungshüter der Federal Reserve gehen deswegen inzwischen davon aus, dass die Wirtschaft in den USA 2021 um 6,5 Prozent wachsen wird. Im Dezember hatten die Notenbanker lediglich ein Plus von 4,2 Prozent angenommen.

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