Kratzer im Lack Warum der Dax nicht zur Geldanlage taugt
Damit ergibt sich tatsächlich ein Bild dessen, was der Dax leistet und was nicht. Vor allem durch den Wegfall jeder subjektiven Entscheidung ist er durchschaubar, berechenbar und nachvollziehbar. Er ist weltweit bekannt und geachtet. Aber es mangelt ihm eben hier und da an Qualität und Wachstumsvermögen. Letzteres findet man eher in den Nebenwerte-Indizes, wie DWS-Manager Ohme anmerkt: „Unternehmen im M-Dax und Tec-Dax besetzen viele Nischenthemen, darin kann man besser wachsen.“ Wobei auch Ohme betont, dass es im Dax einige sehr gute Unternehmen gibt.
Als Beleg könnte der Wachstumsfonds DWS Aktien Strategie Deutschland (DE0009769869) herhalten, bei dem von den zehn größten Positionen laut Factsheet sechs aus dem Dax kommen. Sollte man also die Zahl der Titel auf 40 oder gar 50 erhöhen, um auch modernen Branchen eine größere Chance einzuräumen? Ohme findet, dass der Index „ruhig etwas mehr Breite vertragen kann“. Eine entsprechende Diskussion sei berechtigt. Vermögensverwalter Buckard findet sogar definitiv, dass 30 Titel zu wenig sind, um den Aktienmarkt realistisch abzubilden.
Die Zahl der Titel begründet Dax-Erfinder Frank Mella übrigens so: Zum einen sollte sich der Dax damals eng am Index der Börsen-Zeitung orientieren, und der hatte auch nur 30 Mitglieder. Zum anderen besteht auch der große Vorzeige-Index Dow Jones Industrial Average nur aus 30 Werten. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass der deutsche Aktienmarkt extrem kopflastig ist, so Mella. „Die 30 Dax-Werte erfassten Ende 1987 bereits 59,3 Prozent der gesamten Börsenkapitalisierung und 79,1 Prozent der Umsätze in allen deutschen Aktien“, schreibt er. Weitere Werte hätten das kaum erhöht.
Das ist heute nicht viel anders. Zwar würden M-Dax-Schwergewichte wie der Hannoveraner Duft- und Geschmacksspezialist Symrise oder die nun tatsächlich die Lufthansa ersetzende Immobilienfirma Deutsche Wohnen dem Dax ganz sicher neue Facetten hinzufügen. Aber sie würden ihn kaum noch bewegen. Denn schon jetzt machen die fünf am niedrigsten gewichteten Werte nur 3,6 Prozent des Dax aus. Um weiteren Werten ausreichend Gewicht zu verleihen, müsste man also den Deckel für die Dickschiffe von aktuell 10 Prozent deutlich senken. Das würde sicher auch Thomas Buckard gefallen, der dem Dax so, wie er ist, handfeste Klumpenrisiken vorwirft.
Was im Übrigen auch ein ETF-Fan wie Thomas Meyer zu Drewer so sieht. Er merkt an, dass man die Dax-Indizes ruhig miteinander kombinieren sollte, um ausreichend breit aufgestellt zu sein. Denn Größe allein ist bei der Geldanlage eben doch nicht alles.
