Michael Krautzberger, Rentenspezialist und Investmentchef von Blackrock Asset management Deutschland

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Krautzbergers Kosmos: Die Unsicherheit in Europa bleibt

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Einige Investoren atmen erleichtert auf: Angesichts der Tatsache, dass die Refinanzierungssätze Spaniens und Italiens seit dem Sommer deutlich gesunken sind, hoffen sie auf ein baldiges Ende der europäischen Schuldenproblematik. Die Entscheidung der EZB, unter strengen Bedingungen unbegrenzt europäische Staatsanleihen mit einem bis drei Jahren Laufzeit zu kaufen, war sicher ein Meilenstein auf dem Weg zur Bewältigung des Schuldenproblems. Investoren sollten aber nicht in übertriebenen Optimismus verfallen. Denn es gibt nach wie vor eine Reihe von Unsicherheiten.

Dazu gehört, dass Spanien trotz schwächelnder Konjunktur bislang keine Finanzhilfe aus dem europäischen Rettungsfonds ESM beantragt hat. Das spanische Haushaltsdefizit könnte 2013 über dem Ziel von 4,5 Prozent liegen, das die Regierung mit der EU vereinbart hat. Hinzu kommt, dass Griechenland auf weitere Schuldenzugeständnisse angewiesen sein könnte. Das zeigt, dass die europäische Schuldenkrise noch nicht überstanden ist. Zuletzt haben einige Medien Frankreich zum nächsten Krisenherd erklärt.

Diese Kritik ist sicher teilweise berechtigt: Frankreich verliert zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit, und der öffentliche Sektor erscheint überdimensioniert. Zudem besitzt Frankreich bei den Rating-Agenturen Moody’s und Standard & Poor’s keine Top-Bonität mehr. Mit dem gerade verabschiedeten Wettbewerbspaket zeigt die Regierung Hollande jedoch, dass sie sich mit der Kritik auseinandersetzt, bevor der Marktdruck es erfordert. Aus unserer Sicht ist Frankreich daher ohne größere Politikfehler kein Krisenherd 2013.

Wir erleben gerade eine Dekade der Reformen in Europa, und die europäischen Durchschnittsrenditen sind noch deutlich höher als die der meisten anderen entwickelten Märkte. Für europäische Investoren empfiehlt sich in einem gut diversifizierten globalen Anleiheportfolio ein Europa-Anteil von 70 Prozent. Auf europäische Unternehmensanleihen können dabei zusammen 35 Prozent entfallen. Den Rest sollten Anleger weltweit diversifizieren und dabei auch Schwellenländer berücksichtigen.

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