Krebsforschung Per Genanalyse zur optimalen Chemotherapie

Forscher an der Uni Cambridge: Entnahme von biologischen Proben zur Krebsforschung | © Getty Images

Forscher an der Uni Cambridge: Entnahme von biologischen Proben zur Krebsforschung Foto: Getty Images

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ist Krebs nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Nach Schätzungen der International Agency for Research on Cancer (IARC), einer Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation, werden 2018 weltweit erstmals mehr als 18 Millionen Menschen an Krebs erkranken. 2014 bekamen noch rund 4 Millionen weniger Menschen eine solche Diagnose. Allein aufgrund der demografischen Veränderungen sollen es nach IARC-Prognosen 2040 knapp 30 Millionen Neuerkrankungen geben. Es gibt zudem grobe Schätzungen, dass in den Industrieländern ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung irgendwann einmal im Leben an Krebs leidet.

Maßgeschneiderte Therapien

Bei diesen Zahlen verwundert es nicht, dass die Krebsforschung auf Hochtouren läuft. Neue Medikamente und Therapien werden entwickelt. Allerdings muss das Neuste nicht immer das Beste sein. Die langerprobten Medikamente sind grundsätzlich sehr wirksam, allerdings haben sie hohe Nebenwirkungen. Bei einer Chemotherapie etwa sind Haarausfall, Müdigkeit, Übelkeit und auch Infektionen klassische Begleiterscheinungen.

Das Problem ist, dass die Mittel nicht gezielt genug verabreicht werden können. Jeder Patient reagiert anders auf die Arzneien. Einige Erkrankte können die toxischen Stoffe relativ gut verarbeiten, für sie ist eine normale Dosis eventuell nicht effektiv genug. Andere reagieren deutlich stärker und bräuchten eine geringere Dosis.  Zudem reagieren die Krebszellen ebenfalls unterschiedlich auf die Medikation. Maßgeschneiderte Therapien wären daher äußerst wichtig für den Behandlungserfolg.

Und genau daran arbeiten einige Forscher. Sie versuchen herauszufinden, wie traditionelle Medikamente effektiver eingesetzt werden können. Einer davon ist Professor Marc Ansari von der Kinderklinik der Genfer Universität. Er nutzt innovative Instrumente zur Gensequenzierung, um individuelle genetische Profile von Krebskranken zu erstellen. Sein Ziel ist es, dass jeder Patient einen individuellen Mix aus traditionellen Medikamenten erhält, der die maximale Wirkung verspricht und gleichzeitig erwünschte Nebenwirkungen minimiert.

Mit Big Data den Krebs bekämpfen

Um die perfekte Behandlung zu entwickeln, analysiert Ansaris Team die Genetik von gesunden und befallenen Zellen der Patienten. Der Erfolg der Methode hängt auch davon ab, dass eine umfassende  Datenbank entsteht, die katalogisiert wie Menschen und Krebszellen mit unterschiedlichem genetischen Aufbau auf Behandlungen in der Vergangenheit reagiert haben. Ansaris Organisation Cansearch, die Research-Projekte am Uniklinkum Genf durchführt, hat daher mit Studien in mehr als 20 Ländern begonnen, um so viel DNA-Informationen wie möglich zusammenzubringen. Es werden Daten über viele Bevölkerungen hinweg gesammelt, denn Menschen unterschiedlicher Rasse reagieren häufig unterschiedlich auf Medikamente. Aber auch Gen-Informationen einer homogenen Bevölkerung mit der gleichen Diagnose werden untersucht, um festzustellen wie stark der genetische Faktor überhaupt die Wirkung einer Behandlung bestimmt. Die Herausforderung ist dann, nicht nur die richtige Dosis eines Medikament zu bestimmen, sondern – und was viel schwieriger ist – den optimalen Mix verschiedener Medikamente zu finden, um die Krebszellen zu töten.

Eine umfassende Datenbank ist entscheidend, um die schnell richtige Behandlung zu finden. Gerade für Kinder, die an Krebs erkrankt sind, zählt Geschwindigkeit. Da sie noch im Wachstum sind, vermehren sich die Krebszellen besonders rasant. Nach der Diagnose ist ein schneller Start der Chemotherapie wichtig - und die sollte idealerweise individuell auf den kleinen Patienten abgestimmt sein.

Ansaris Team verfolgt aber auch noch einen anderen Ansatz. So nutzt er eine Behandlung, die die Gene in einem Typ der Immunzellen des Patienten so verändern, dass sie die Krebszellen angreifen.  Allerdings ist dies noch keine Wunderwaffe. Auch hier kann es unschöne Nebenwirkungen geben, wenn die modifizierten Zellen gesundes Gewebe attackieren. Das Verfahren wird aber ständig weiter entwickelt und verbessert. Das gilt auch für andere Krebsforschungsansätze. Mit dem technologischen Fortschritt entstehen neue Analyseinstrumente, die beim Finden besserer Lösungen unterstützen.

Das Thematic Equities Team von Pictet AM hat die Entwicklungen in diesen Bereich genau im Blick und kann so daraus resultierende Anlagechancen in den Themenfonds, wie dem Pictet Health, nutzen.