Jens Kummer, SEB Asset Management

Jens Kummer, SEB Asset Management

Krisen-Strategie: „Viele Fondsmanager haben keinen konkreten Plan für den Wiedereinstieg“

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DAS INVESTMENT.com: US-Notenbankchef Ben Bernanke hat vergangenen Freitag kein QE3 bekanntgegeben. Vorerst gibt es also keine neue Geldspritze für die Wirtschaft. Ist das jetzt gut oder schlecht?

Jens Kummer: Dazu habe ich keine Meinung. Isolierte Ereignisse interessieren mich nicht. Fest steht, wir werden in den kommenden Jahren keine steigenden Zinsen sehen.

DAS INVESTMENT.com: An den Börsen geht es erst einmal wieder bergab. Wie sollten sich Investoren jetzt verhalten?

Kummer: Das kann man so pauschal nicht beantworten. Es gibt grundsätzlich zwei mögliche Reaktionen: Man steigt jetzt in Aktien ein, wie beispielsweise Warren Buffett, weil man einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren hat. Oder aber, man wartet ab und hält weiterhin hohe Geldbestände, weil man über 12 Monate eine positive Rendite anstrebt. 

DAS INVESTMENT.com: Ist man dann nicht extrem prozyklisch? Derzeit setzt die Mehrheit auf Cash und kurzlaufende Staatsanleihen, bevorzugt deutsche.

Kummer: Wenn die Investoren auch in den kommenden zwölf Monaten von einem eine positive Rendite erwarten, dann ist eine konservative Positionierung derzeit ratsam. Das ist als ob man im Stau in einer Kurve steht. Man kann jetzt Gas geben und überholen, aber man sieht nicht, ob auf der Gegenfahrbahn jemand kommt. Es kann sein, dass man so schneller ans Ziel kommt. Es kann aber auch im Krankenhaus enden.

DAS INVESTMENT.com: Wie halten Sie es derzeit bei den SEB Multi Asset-Fonds, Gas oder Bremse?

Kummer: Wir bremsen lieber und gehen auf die Seitenlinie. Für uns gilt: Safety first. Wir gehen in Geld und Gold. Das heißt aber nicht, dass wir nicht schon in wenigen Monaten wieder Gas geben.
 
DAS INVESTMENT.com: Was muss passieren, damit Sie durchstarten?

Kummer: Die täglichen Ausschläge an den Aktienmärkten liegen derzeit im Schnitt bei 3 Prozent. Das sind hochvolatile Märkte. In so einem Szenario sind Vorhersagen über die künftige kurzfristige Entwicklung nicht möglich. Ich werde einen Teufel tun, jetzt einzusteigen. Bei solchen Märkten sind wir außen vor.

DAS INVESTMENT.com: Die Volatilität muss also erst einmal wieder sinken und dann?

Kummer: Wir sehen derzeit durchaus, dass viele Märkte langfristig attraktiv sind, beispielsweise norwegische Aktien. Aber die anderen Marktteilnehmer haben das noch nicht erkannt, oder halten zumindest noch die Füße still. Solange es keinen Impuls gibt, der Markt keinen breiten Trend zeigt, steigen wir nicht ein.

DAS INVESTMENT.com: Aber ist es dann nicht schon zu spät, um einzusteigen?

Kummer: Nein, wenn die Kurse in der Breite anziehen, hat man immer noch genügend Zeit einzusteigen. Das Problem vieler Investoren oder Fondsmanager ist, dass sie keinen konkreten Plan für den Wiedereinstieg haben. Die wenigsten haben sich wirklich vernünftig Gedanken darüber gemacht.

DAS INVESTMENT.com: Sie sind da schlauer.

Kummer: Wir sind nicht klüger als die anderen, aber wir haben einen Plan.

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