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Halla Tomasdottir,<br>Mit-Gründerin von Audur Capital

Halla Tomasdottir,
Mit-Gründerin von Audur Capital

Krisensicheres Investment: Gefühlskapital

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Nach dem Motto „Wer hat den Größten“, sei es nur noch „aggressiv und rücksichtslos“ um Profitmaximierung gegangen. Es zählten kurzlebige Börsenkursen und lukrative Bonusausschüttungen. „Die Männer haben Geld verliehen, auch wenn nicht klar war, ob der Schuldner alles würde zurückzahlen können“, so Tomasdottir. „Wenn ich jemanden fragte, worauf die Geschäftsidee beruht, hieß es nur: wachsen, wachsen, wachsen. Womit genau, war nicht wichtig.“ So konnte es nicht weitergehen. „Wir haben immer gewarnt“, sagt Tomasdottir.    Damals war sie noch Generaldirektorin der Handelskammer und niemand interessierte sich für ihre Ratschläge. Darum gründete Tomasdottir vor rund zwei Jahren zusammen mit der Bankerin Kristin Petursdottir (43) Audur Capital. Petursdottir arbeitete zuvor für Kaupthing. Anders als die isländische Bank hat Audur die Krise bisher gut überstanden und macht sogar Gewinne. Die Firma verwaltet derzeit rund 15 Milliarden Island-Kronen (90 Millionen Euro). Das Erfolgsrezept: Investments mit weiblichem Verstand, Gefühlkapital nennen die Gründerinnen das. Sie interessieren sich nicht für kurzfristige Investment mit schnellem Profit, sondern für nachhaltige Investitionen, die sozial und ökologisch Sinn machen. Tomasdottir: „Wir haben fünf weibliche Grundwerte. Erstens Risikobewusstsein: Wir werden in nichts investieren, was wir nicht verstehen. Zweitens investieren wir nur, wenn neben dem wirtschaftlichen Gewinn auch positive gesellschaftliche und ökologische Effekte dabei herauskommen. Drittens entscheiden wir auch emotional: Wir investieren nur in Unternehmen, deren Betriebskultur uns gefällt. Viertens: Wir wollen Klartext reden, weil wir davon überzeugt sind, dass die Wirtschaft eine verständliche Sprache sprechen sollte. Und Fünftens wollen wir dazu beitragen, dass Frauen wirtschaftlich unabhängiger werden, weil es durch wirtschaftliche Unabhängigkeit leichter ist, so werden zu können, wie man sein will.“ „Wenn wir so weiterwirtschaften wie bisher, ist unsere Erde in 20 bis 30 Jahren am Ende. Etwas mehr Weiblichkeit könnte das verhindern“, so Tomasdottir. Sie und Petursdottir sehen sich jedoch nicht als Feministinnen. Sie wollen keinen Geschlechterkampf. So arbeiten bei Audur Capital auch Männer. „Wir wollen eine gute Mischung hinsichtlich des Geschlechts, des Alters und des Backrounds“, erklärt Petursdottir. „Die Männer, die für uns arbeiten, vertreten die gleichen Werte und glauben an die gleichen Dinge wie wir. Wir wollen nichts für Frauen, sondern für die Gesellschaft tun.“ Audur hat zwei Private-Equity-Fonds aufgelegt, einen zusammen mit der exzentrischen Sängerin Björk. Der nach der isländischen Musikerin benannte Fonds investiert in Umweltprojekte und lokale Kulturfirmen. Aber auch der erste will Profite mit Prinzipien und legt überwiegend in Firmen an, die von Frauen geführt werden oder in deren Aufsichtsrat mehr als nur eine Alibifrau sitzt. Hier geht‘s zum Gefühlskapital


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