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Disput mit unsicherem Ausgang: Peking bleibt unbeugsam, doch selbst ein GAU im Handelskonflikt bietet Investitions-Chancen  | © Getty Images

Kristina Hooper von Invesco Umschichtungen in sichere Anlagen sind sinnvoll

Trotz der absehbaren Zinssenkung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) warteten die Finanzmärkte Ende Juli 2019 auch mit Überraschungen auf: Zum einen kündigte die Fed an, die Bilanznormalisierung früher zu beenden. Zum anderen bleibt unklar, wie anpassungswillig die Notenbank tatsächlich ist und welche Faktoren sie zur jüngsten Zinssenkung bewegt haben. Der gewichtigste macht sich laut Fed-Chef Jerome Powell indes an der unsicheren globalen Handelssituation fest.

Handelskonflikt mit unsicherem Ausgang

Aktuell lassen sich mögliche Auswirkungen des Wirtschaftsstreits auf die Kapitalmärkte nur schwer quantifizieren. Auch die Möglichkeiten, den Schaden zu begrenzen, sind längst nicht ausgelotet. Hier stellen nicht die Zölle das Problem dar, sondern die wirtschaftspolitische Unsicherheit, sprich: das Vertrauen in die Märkte und die damit verbundene Investitionszurückhaltung. So drückt der Handelskonflikt bereits im zweiten Quartal sichtbar auf das US-Geschäftsklima: Investitionen in den Vereinigten Staaten sanken in diesem Zeitraum um 0,6 Prozent – ein Tiefstand, der zuletzt vor drei Jahren eintrat.

Diese sechs Faktoren charakterisieren die Lage an den internationalen Finanzmärkten

  • Fed-Chef Powell hat zum Monatswechsel mit der Formulierung „köchelnder Konflikt“ signalisiert, dass kein größerer Zinsschritt erforderlich war. Die Handelssituation habe sich stabilisiert – bis US-Präsident Donald Trump neue Zölle auf chinesische Importwaren im Wert von 300 Milliarden US-Dollar angekündigt hat.
  • Die jüngste Strafzollrunde wird ein breites Konsumgüterspektrum betreffen, sollten die Zölle tatsächlich in Kraft treffen. Nach derzeitigem Stand wäre jedes aus China importierte Produkt betroffen. Peking konterte prompt und „akzeptiert keinen Druck, keine Einschüchterung und keine Erpressung. In wichtigen Prinzipienfragen werden wir nicht einen einzigen Schritt nachgeben“, warnte Hua Chunying, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums.
  • Am 5. August 2019 sank das chinesische Volksgeld unter die Schwelle von sieben Renminbi zum US-Dollar. Was auf den globalen Finanzplätzen im Allgemeinen und am US-amerikanischen Aktienmarkt im Besonderen für Nervosität sorgte, dürfte in China eine positive Entwicklung einläuten: Die Volksrepublik wird etwaige neue Zölle der Trump-Regierung so besser verkraften und sich nicht in ein für sie ungünstiges Handelsabkommen mit Washington zwingen lassen. Die chinesische Politik verfügt nicht nur über die notwendigen Instrumente, um sich negativen Auswirkungen von US-Handelszöllen entgegenzustellen. Die chinesische Regierung hat auch den längeren Atem.
  • Die USA wird einen Handelskrieg mit China nicht gewinnen können. Das betont auch der ehemalige Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Gary Cohn. Der heftige Kurssturz an den Aktienmärkten erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die USA kurzfristig kapitulieren und Peking gegenüber Zugeständnisse machen werden. Kommt es nicht zu einem tragfähigen Handelsabkommen, bedarf es – über die mittzyklischen, bereits gestarteten Anpassungen hinaus – eine groß angelegte Initiative, um die US-Wirtschaft zu stärken. Für Anleger bleiben viele Risikoanlagen daher anhaltend volatil. Umschichtungen in „Sichere-Hafen“-Anlagen sind dann sinnvoll.
  • Auch zwischen Japan und Südkorea ist ein handfester Handelsstreit entbrannt. Nachdem die japanische Regierung Südkorea von ihrer Weißen Liste bevorzugter Handelspartner gestrichen hat, wird Südkorea voraussichtlich nachziehen.
  • Zwischen den USA und der Europäischen Union (EU) ist ein Konflikt trotz des kürzlich abgeschlossenen Abkommens über den Ankauf größerer Mengen von US-amerikanischem Rindfleisch ebenfalls nicht vom Tisch. Ein Zollkrieg im Automobilbereich bleibt sehr wahrscheinlich.

Was der Zollkonflikt für Anleger bedeutet

Handelskonflikte, die Abkehr von Freihandel und globalen Märkten sowie der Ausverkauf an den Aktienmärkten können noch Tage oder Wochen andauern. Die damit einhergehende Volatilität sorgt aber auch für Anlagemöglichkeiten: Für Risikoanlagen dürften beide Szenarien im US-chinesischen Handelskonflikt Vorteile mit sich bringen. Gerade jetzt sollten Investoren indes nicht ihrem Instinkt gehorchen, sondern ihre Möglichkeiten vorsichtig abwägen sowie langfristig und diversifiziert investieren.

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