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Kristina Hooper, Chefstrategin bei Invesco: „Das Spiel mit den Kursschwankungen kann sich lohnen.“ | © Invesco AM

Kristina Hooper über den Handelskonflikt

„Weniger Kursschwankungen erwartet“

Im Handelskonflikt zwischen China und den USA gibt es neue Entwicklungen: Donald Trump hat die Zölle auf chinesische Importwaren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar auf 25 Prozent erhöht. Das Pekinger Handelsministerium will zeitnah „notwendige Gegenmaßnahmen“ ergreifen. Was ist davon zu halten?

Da die US-Wirtschaft bereits unter enormem Druck steht, hat es Trump eilig, ein Abkommen mit China zu unterzeichnen. Aus den zuletzt starken US-Wirtschaftsdaten lassen sich die Belastungen zwar noch nicht ablesen – unter anderem ist die US-Wirtschaft im ersten Quartal deutlich stärker gewachsen als erwartet und auch der Arbeitsmarktbericht für April ist erfreulich.

Einige Warnsignale hat es bereits gegeben, unter anderem beim ISM Manufacturing Index. Mit 52,8 Punkten fiel der Wert des Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im April um 2,5 Punkte schwächer aus als im März (55,3 Punkte). Besonders bedenklich ist der Rückgang der Auftragseingänge: Der New Orders Index ist von März bis April um 5,7 Punkte auf 51,7 Punkte gesunken.

Bei Investitionen zögern Unternehmer

Die Unternehmensinvestitionen sind in den USA im Gegensatz zu den Einkaufsmanagerindizes in den vergangenen Monaten zwar gestiegen, rangieren aber immer noch auf niedrigem Niveau. Scheinbar dämpft der Handelskonflikt die Bereitschaft von Unternehmen, für neue Projekte Geld in die Hand zu nehmen. Im Konjunkturbericht der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) für März heißt es: „Zahlreiche Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe zeigen sich besorgt über die nachlassende globale Nachfrage, höhere Kosten durch Zölle und die andauernde handelspolitische Unsicherheit.“

Eine Studie der Federal Reserve Bank of New York, der Princeton University und der Columbia University kommt zu dem Schluss, dass die Zölle auf Stahl und Aluminium die Kosten für Unternehmen und Verbraucher im Jahr 2018 um 3 Milliarden US-Dollar pro Monat erhöht haben. Einer Untersuchung des Peterson Institute for International Economics zufolge haben sich Stahlprodukte im vergangenen Jahr aufgrund der Zölle auf Stahl und Aluminium um fast 9 Prozent verteuert. Das entspricht einer zusätzlichen Kostenbelastung für Stahlnachfrager von 5,6 Milliarden US-Dollar.

China unterstützt Wirtschaft

In China sind die Einkaufsmanagerindizes jüngst ebenfalls gefallen. Die Regierung unter Führung von Präsident Xi Jinping dürfte daher ebenso an einer raschen Einigung im Handelskonflikt interessiert sein wie Trump. Auf ein für China nachteiliges Abkommen wird sich Jinping  jedoch nicht einlassen, lieber greift er der eigenen Wirtschaft vorerst verstärkt unter die Arme. Chinas Zentralbank hat bereits angekündigt, die Mindestreservevorgabe für Banken zu senken. Dadurch fließen der chinesischen Wirtschaft weitere 280 Milliarden Renminbi zu (36 Milliarden Euro).

Investoren haben in den vergangenen Wochen bereits eine gütliche Einigung im Handelskonflikt in die Aktienmärkte eingepreist. Die jüngsten Entwicklungen haben dementsprechend zu einem Ausverkauf an den Börsen geführt. Aufgrund des jetzt deutlich unsichereren Ausblicks müssen Investoren die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass es statt eines Handelsabkommens kurzfristig erst einmal neue Zollerhöhungen gibt. Vor diesem Hintergrund rechne ich mit volatilen Märkten. Kursstürze wie vergangenen Dezember sind jedoch in den kommenden Wochen unwahrscheinlich, denn Trump wird China voraussichtlich wegen der wirtschaftlichen Probleme im eigenen Land proaktiver begegnen.

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