315 Eltifs gab es zum Stichtag 31. Juli 2026 am deutschen Markt. Allein 49 von ihnen sind im laufenden Jahr neu hinzugekommen. Während die Branche offensichtlich auf Wachstumskurs ist, warnt Private-Equity-Experte Thomas Weinmann vor gleich mehreren vermeintlichen Konstruktionsfehlern im Eltif. Seine These: Für viele Anleger rechnet sich dieses Fondsvehikel schlicht nicht.

Eltifs, kurz für European Long-Term Investment Funds, sollen Privatanlegern die Tür zu privaten Anlagemärkten öffnen: zu Private Equity, Infrastruktur oder Private Debt. Diese  Anlageklassen waren bislang meist institutionellen Investoren vorbehalten. Seit eine Gesetzesnovelle 2024 die Zugangshürden für Fondsauflegungen und Investitionen in Eltifs jedoch gesenkt hat, legen Asset Manager reihenweise entsprechende Produkte auf.

Thomas Weinmann ist Gründer und Chef von Reia, einem auf Small Cap Private Equity spezialisierten Dachfonds-Berater aus Hamburg. Er findet: Als Zugang für Privatanleger zu außerbörslichen Märkten passen Eltifs nur bedingt. Denn das Produkt hakt seiner Ansicht nach gleich an mehreren Stellen.

1. Das Geld liegt zu lange still

Weinmanns erster Kritikpunkt zielt auf die Mechanik hinter den Investments: Klassische Private-Equity-Fonds rufen das Kapital ihrer Anleger schrittweise ab: immer dann, wenn sie tatsächlich investieren. Private-Equity-Fachleute nennen das die „J-Curve“. Diese Kurve soll einen typischen Rendite- und Kapitalflussverlauf bei Private-Equity-Investments beschreiben: Zu Beginn der fest definierten Fondslaufzeit fließt zunächst wenig Kapital in tatsächliche Beteiligungen. Stattdessen fallen Kosten wie zum Beispiel Managementgebühren oder Gründungskosten an.

Die ausgewiesene Rendite des Fonds ist in dieser Phase oft negativ. Erst wenn die Portfoliounternehmen, in die dann investiert wird, sich entwickeln oder verkauft werden, geht es aufwärts. Die Rendite steigt an und kann am Ende deutlich positiv ausfallen. Ein Verlauf, der optisch dem Buchstaben „J“ ähnelt.

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Anders läuft es allerdings beim Eltif: Dort zahlen Anleger meist die gesamte Summe auf einen Schlag ein, wie Weinmann anmerkt. Die Fondsmanager gerieten dadurch unter Druck, um diese Mittel nicht unverzinst liegenzulassen. „Eltif-Fondsmanager versuchen deshalb, das Kapital möglichst schnell anzulegen – in Tagesgeld oder im schlimmsten Falle sogar in überhasteten Investments im Sekundärmarkt“, so Weinmann. Beides schmälere am Ende die Rendite. Zu den Ergebnissen für Fondsmanager wie Anleger findet Weinmann starke Worte: „Kein Win-Win, sondern Lose-Lose.“

Viele Eltif-Prospekte locken mit zweistelligen Renditen. Oft betragen diese zwischen 12 und 15n Prozent. Weinmann hält die Zahlen für geschönt: „Wir denken, dass die von Eltif-Anbietern in Aussicht gestellten Renditen auf Szenarien basieren, die wir nur bei den besten Fondsmanagern im Small-Cap-Segment in der Vergangenheit gesehen haben.“ Solche Werte entstünden nur, wenn Anleger schrittweise einzahlten. Wer hingegen das gesamte Kapital sofort einbringt, muss nach seiner Rechnung Abstriche hinnehmen – 3 bis 5 Prozentpunkte weniger Rendite gegenüber klassischen Private-Equity-Anlagen sind es nach seiner Berechnung.

Übrig blieben realistischerweise „6 bis maximal 10 Prozent pro Jahr“ – ein Wert, der sich kaum von Aktienrenditen unterscheide. „Aber mit sehr viel geringerer Liquidität“, gibt Weinmann zu bedenken.

3. Kleine Tickets treiben die Kosten 

Mit Blick auf die Gebühren, die bei Eltifs anfallen, widerspricht Weinmann einer gängigen These: Eltifs seien nicht vor allem deshalb vergleichsweise teuer, weil etwa die Bewertung illiquider Assets so kostenintensiv sei. „Das Problem sind meiner Meinung nach dabei die Vertriebskosten“, sagt er vielmehr.

Eltif-Anbieter bieten Investments schon ab 10.000 Euro Mindestanlage an – was im Private-Markets-Kosmos als sehr kleines Ticket gilt. „Wenn Produktanbieter Kunden ab 10.000 Euro oder sogar noch geringerem Anlagevolumen ansprechen, dann haben sie einen ganz anderen relativen Vertriebsaufwand“, meint Weinmann. Der hohe relative Aufwand schlage sich in den Kosten nieder, die am Ende der Kunde trägt.

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4. Liquiditätsversprechen gilt eher theoretisch 

Ein weiterer Vorwurf betrifft ein Kernversprechen von Eltifs: dass Anleger gegenüber einer Investition in einen geschlossenen Fonds ihr Geld auch frühzeitig wieder abziehen können. „Vielen Menschen ist oft nicht klar, dass sie mit einem Eltif unter Umständen ein illiquides Asset erwerben“, beklagt Weinmann. Anleger gingen davon aus, ihr Geld quartalsweise problemlos zurückerhalten zu können. Genau das sei jedoch trügerisch. Denn sobald die Kurse an den Märkten schwanken, wollen unter Umständen sehr viele Anleger gleichzeitig wieder aussteigen.

In dem Fall dürfen die Fondsmanager die Auszahlung manchmal einfach stoppen – zugrunde liegt das sogenannte Gating, das viele Eltifs für ihr Liquiditätsmanagment nutzen: „Produktanbieter dürfen Auszahlungen einstellen, da sie nicht zum Zwangsverkauf von Anlagen verpflichtet sind. Das sehen die Emissionsprospekte vieler Eltifs vor.“ Anleger werden dann nach Eingang ihrer Auszahlungswünsche anteilig bedient. Wer in einem solchen Fall einen Großteil seines Vermögens in dem entsprechenden Fonds gebunden hat, gerate nach Weinmanns Worten schnell „in ernsthafte Schwierigkeiten“.

Warnsignale gab es schon

Für den Private-Equity-Experten sind das keine theoretischen Risiken. Er verweist darauf, dass in konkreten Fällen Eltifs bereits in Schwierigkeiten geraten seien. In der Tat wurde der Eltif Greenman Open im vergangenen Dezember zeitweise für Auszahlungen geschlossen, als er im Zuge hoher Rückzahlungswünsche seinen Gating-Mechanismus aktivieren musste.

Je ein Eltif der Gesellschaften Moonfare (Moonfare Private Markets Portfolio I) und der Hep-Gruppe (Hep Solar Invest Eltif) wurden zudem nach nur wenigen Monaten Laufzeit wieder eingestampft.

Weinmanns Fazit zum Eltif fällt entsprechend skeptisch aus: „Eine reine Zugangsvermittlung zu Private Equity für Kleinanleger springt zu kurz, denn die Verpackung muss zum Asset und das illiquide Anlagevolumen zum Gesamtvermögen passen.“ Genau diese Passung sieht Weinmann beim Eltif in seiner heutigen Form nicht gegeben.

Skeptisch gegenüber dem Produkt Eltif zeigte sich kürzlich auch Bafin-Chef Mark Branson. „Die Assets, die in solchen Fonds stecken, sind oft illiquide“, sagte Branson. Sie könnten nicht schnell ohne erheblichen Wertverlust in Barmittel umgewandelt werden. Zudem gaukelten die verwendeten Risikoindikatoren Anlegern oft ein trügerisch niedriges Risiko für Wertschwankungen vor. 

Verfechter des Eltifs argumentieren dagegen mit den einzigartigen Möglichkeiten, die der Eltif auch Kleinanlegern biete: Diese erhalten hier erstmals einen niedrigschwelligen Zugang zu den potenziell sehr lukrativen privaten Märkten. Dass einige Fonds auch wieder schließen müssten, komme nicht nur im Eltif-Segment, sondern am gesamten Fondsmarkt vor. Anlegern müsse allerdings deutlich gemacht werden, dass Eltifs kein liquides Investment seien. Es dürften keine falschen Erwartungen geschürt werden, sagte kürzlich Hansainvest-Lux-Vorstand Christian Moersch im Interview mit DAS INVESTMENT.