Im Juni 2021 startete die DWS den auf das Thema Wasser fokussierten Nachhaltigkeitsfonds DWS Concept ESG Blue Economy. Prominenter Partner der Strategie: der WWF Deutschland. Drei Jahre später rückt die Kooperation nun wieder in den Fokus. Wie die „Tagesschau“ berichtet, wird die Zusammenarbeit WWF-intern aus verschiedenen Gründen kritisiert.
Ein Kritikpunkt: Der Umweltverband erhält für die Kooperation Geld von der DWS. Ein ehemaliger Mitarbeiter des Umweltverbands kritisiert, dass sich der WWF damit in finanzielle Abhängigkeit zu der Fondsgesellschaft begebe. „Ich würde so weit gehen und sagen, dass es dem WWF schwerfällt, diesem Geld Tschüss zu sagen. Egal, was die DWS macht“, zitiert die „Tagesschau“ Philippe Diaz. Dem Bericht zufolge soll die Umweltorganisation allein für die Verwendung des Panda-Logos, das auf offiziellen Fondsdokumenten zu sehen ist, jährlich von der DWS 200.000 Euro erhalten. Offiziell bestätigen wollten die Summe weder DWS noch WWF. Der Verband befindet sich laut dem Bericht in finanziellen Schwierigkeiten, Mitarbeiter mussten entlassen werden.
In diesem Zusammenhang wird dem WWF vorgeworfen, die Zusammenarbeit mit der DWS nach Bekanntwerden der Greenwashing-Vorwürfe im August 2021 nicht hinterfragt zu haben. Auch habe es keine öffentliche Kritik an der Fondsgesellschaft gegeben. „Wenn man Kooperationen mit schwierigen Akteuren eingeht und das Panda-Logo, das für Umweltschutz steht, gibt, muss man klare Kante zeigen“, so der ehemalige WWF-Mitarbeiter Diaz gegenüber der „Tagesschau“.
Wenige Monate nach Fondsstart kritisierte die frühere DWS-Nachhaltigkeitschefin Desiree Fixler, die Fondsgesellschaft gebe Produkte als nachhaltiger aus als sie wirklich seien. Asoka Wöhrmann, damals DWS-Chef, musste seinen Posten räumen. Die Deutsche-Bank-Tochter hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen, der neue DWS-Chef Stefan Hoops räumte jedoch „überschwängliches Marketing“ ein. Offizielle Ermittlungen laufen noch. Es gibt keine einheitliche Definition von Greenwashing – was den Fall schwierig macht. Laut Medienberichten könnte die DWS möglicherweise ein hohes Bußgeld zahlen, um das Verfahren abzuschließen.
Kritik gibt es laut dem Bericht zudem an einigen Positionen im Wasser-Fonds: So hätten WWF-Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass zwölf der Portfoliounternehmen keine wissenschaftlich basierten Klimaziele definiert hätten. Auch seien einige Firmen in Öl-, Gas- und Kohlegeschäfte verwickelt oder stünden aufgrund von Tierwohlbedenken in der Kritik. Zudem fehle teilweise der Meeresbezug. Um welche Unternehmen es geht, wird nicht ausgeführt. Kritisch sehen die Autoren Investitionen in die Kreuzfahrtgesellschaft Royal Caribbean, Getränkehersteller Coca-Cola sowie den britischen Kraftwerkbetreiber Drax. Die Aktien von Drax sollen allerdings mittlerweile verkauft worden sein, heißt es in dem „Tagesschau“-Artikel.
DWS und WWF: So funktioniert die Zusammenarbeit beim Wasser-Fonds
Die DWS weist darauf hin, dass das Ziel des Fonds sei, sowohl in Unternehmen zu investieren, die den Schutz der Meere bereits im Fokus haben, als auch in Firmen, die sich im Wandel befinden und ihre Wirkung auf die Ozeane noch verbessern müssten. Um die Fortschritte zu messen, werde gemeinsam mit dem WWF regelmäßig ein Report erstellt. Wie die Zusammenarbeit genau funktioniert, erklärte Fondsmanager Paul Buchwitz zu Jahresbeginn in einem Interview mit DAS INVESTMENT: „Die sektorspezifischen Fragebögen haben wir vom WWF bekommen. Da gibt es Standards, wie nachhaltiges Wirtschaften in den Bereichen aussehen kann. Daran orientieren wir uns.“
Diese Fragebögen schicke die DWS zu den Unternehmen und fordere die Informationen ein. Das allein sei schon viel Arbeit. „Das habe ich ehrlich gesagt ein bisschen unterschätzt“, so Buchwitz weiter. Teilweise müssten diese Informationen erst einmal erhoben und gesammelt werden. Gemeinsam mit dem WWF würden anschließend die Fragebögen ausgewertet. „Wir setzen uns zusammen und entscheiden, wen wir für ein aktives Engagement auswählen. Ein solches Engagement geht auch über mehrere Jahre, so eine Transformation wird schließlich nicht übermorgen direkt geschafft.“
Ein Beispiel, über das die DWS in ihrem sogenannten Engagement-Report berichtet, ist etwa die kritisierte Beteiligung an Royal Caribbean. So habe das Kreuzfahrtunternehmen seine gesamte Flotte mit einem System ausgestattet, dass Ballastwasser filtere. „Außerdem arbeiten wir mit Royal Caribbean an der Risikominderungsplanung für den Schiffsbetrieb in kritischen Lebensräumen und Schutzgebieten sowie an der Reduzierung des Einsatzes von Schweröl“, erklärt die DWS in dem Report. Diese Verbesserungen seien allerdings nicht allein auf das Engagement des Fondshauses zurückzuführen.
DWS: „Wir schätzen den WWF als kritisch-konstruktiven Partner“
Mit dem WWF arbeitet die Fondsgesellschaft bereits seit einigen Jahren in verschiedenen Initiativen zusammen, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Neben der Fondskooperation unterstütze die DWS ein mehrjähriges Meeresschutzprojekt des WWF am Mesoamerikanischen Riff durch Spenden, heißt es in dem Statement. „Im vergangenen Jahr haben wir zudem in Zusammenarbeit mit dem WWF ein Projekt gestartet, um unser Verständnis für Biodiversitätsopportunitäten und -risiken zu schärfen und entsprechende Fähigkeiten aufzubauen“, so die DWS weiter. Diese Initiativen seien öffentlich bekannt und das Unternehmen berichte transparent darüber, unter anderem im Geschäftsbericht und in den Engagement-Reports.
„Wir sind überzeugt, dass die nachhaltige Transformation unserer Wirtschaft nur gelingt, wenn alle gesellschaftlichen Stakeholdergruppen zusammenarbeiten. Wir schätzen den WWF als kritisch-konstruktiven Partner auf diesem Weg“, heißt es von der DWS zur Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation.

