Bitcoin, Ethereum und Co. werden immer mehr zum Mainstream – doch Frauen bleiben außen vor. Der aktuelle Global State of Crypto Report zeigt: Der Anteil weiblicher Krypto-Investorinnen sinkt weiter. Dabei wächst der Markt rasant.
Vera Claas kennt beide Welten. Die Geschäftsführerin von NXT Assets kommt aus dem klassischen Finanzmarkt und weiß, warum viele Anlegerinnen vor Krypto zurückschrecken. Ihre Lösung: Krypto-ETPs, die digitale Währungen so einfach handelbar machen wie Aktien.
Im Interview erklärt die Strukturspezialistin, warum Deutschland als Krypto-Standort unterschätzt wird, wie ETPs die Zugangshürden senken und was sich ändern muss, damit auch Frauen vom Krypto-Boom profitieren. Ihre These: Die Branche braucht keine rosa Produkte, sondern echte Lösungen.
DAS INVESTMENT: Frau Claas, welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie aktuell für Anleger, die in Kryptowährungen investieren möchten?
Vera Claas: Kryptowährungen sind für viele immer noch fremd. Man kann sie nicht anfassen und sie sind auch schwieriger zu erklären als zum Beispiel Aktien, ETFs oder Gold. Krypto ist zudem die erste neue Anlageklasse, seit es Social Media gibt. Wir erleben alle die großen Erfolge, aber auch Skandale und Betrugsfälle hautnah und in Echtzeit mit. Dadurch spüren viele Anlegende derzeit eine große Faszination – aber eben auch diffuse Unsicherheit.
Inwiefern unterscheidet sich das Investieren in einen Krypto-ETP von einem Direktinvestment in Bitcoin oder Ethereum, insbesondere in Bezug auf Sicherheit, Verwahrung und Benutzerfreundlichkeit?
Claas: Investieren in Krypto war noch nie so einfach wie mit Krypto-ETPs. Im bestehenden Wertpapierdepot kann man einfach die Wertpapierkennnummer angeben und so problemlos in Bitcoin, Ethereum und Co. investieren. Eine sichere Krypto-Börse oder Wallet auszuwählen, die Keys ordentlich aufzubewahren, die ganzen Komplexitäten, um all das muss man sich nicht mehr kümmern. Das übernimmt ein ETP-Anbieter und wendet obendrein noch institutionelle Verwahr-Standards an.
Und zu guter Letzt: Das Ganze ist nach einem Jahr Haltedauer für Privatanleger steuerfrei. Und da es ein Wertpapier ist, erkennt die Bank das automatisch und weist es gleich korrekt aus. Für Buy-and-hold-Investoren ist das maximal einfach.
Wie beurteilen Sie die aktuelle Regulierung und Infrastruktur für Krypto-ETPs in Deutschland im europäischen Vergleich?
Claas: Deutschland gehört regulatorisch zu den Vorreitern in Europa. Die Aufsichtspraxis ist klar und professionell. Die Bafin hat frühzeitig Standards für Krypto-Assets definiert. Das ist für Anbieter wie uns extrem hilfreich, weil es Planungssicherheit schafft. Gleichzeitig sehen wir, dass andere Länder wie zum Beispiel die Schweiz oder Luxemburg regulatorisch flexibler oder effizienter in der Umsetzung sein können. Das ist besonders relevant rund um Produkteinführungen, Anforderungen an den Basisprospekt und die Sicherheitenstruktur.
Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf, damit Deutschland ein führender Krypto-Standort bleibt oder wird?
Claas: Der Standort Deutschland bietet Stabilität und Vertrauen, gerade durch die starke Rolle der Bafin. Aber es gibt auch Schattenseiten: Innovationen oder Produkteinführungen brauchen hierzulande deutlich länger als in anderen Ländern. Wenn ich zum Beispiel auf direkte Investments in Kryptowährungen schaue: Mit den neuen Dokumentationspflichten aus der Mica-Verordnung kommt diesem Jahr beträchtlicher bürokratischer Aufwand hinzu, für Anlegende und für Anbieter. Das könnte viele abschrecken, gerade im internationalen Vergleich.
Auch beim Datenschutz stehen wir derzeit vor einer Weichenstellung: Personenbezogene Daten müssen geschützt bleiben, gleichzeitig verlangt die Blockchain-Technologie Transparenz. Es fehlt derzeit noch an guten Lösungen, die beides ermöglichen.
Mein Fazit ist: Wenn Deutschland ein führender Krypto-Standort sein will, brauchen wir mehr regulatorische Agilität. Und das heißt auch, um den Punkt deutlich zu machen: Weniger Bürokratie und mehr Mut, technologieoffen zu denken.
Wie gewährleisten Sie bei NXT Assets die Transparenz und Sicherheit der hinterlegten Krypto-Bestände, und welche Partner sind in die Verwahrung eingebunden?
Claas: Transparenz und Sicherheit stehen bei uns an erster Stelle. Schließlich richten wir uns gezielt an institutionelle Anleger, die höchste Standards erwarten. Um auf die Punkte präziser einzugehen: Wir veröffentlichen täglich das verwaltete Vermögen (AuM) unserer ETPs, das ist für jeden öffentlich einsehbar. Anleger und Anlegerinnen sehen jederzeit, wie viele Einheiten im Umlauf sind und welche Krypto-Bestände dem gegenüberstehen.
Die Verwahrung der physischen Krypto-Assets erfolgt durch Crypto Finance Deutschland, eine regulierte Tochter der Deutsche Börse Gruppe. Für NXT Assets ist das ein starker Partner mit entsprechender Infrastruktur und Lizenz. Das sorgt für größtmögliche Sicherheit im Umgang mit den zugrundeliegenden digitalen Vermögenswerten.
Zusätzlich ist ein unabhängiger Treuhänder eingebunden, die Apex Group aus Großbritannien. Sie stellt sicher, dass die hinterlegten Krypto-Bestände jederzeit im Sinne der Anlegenden vorhanden und geschützt sind. Diese Struktur schafft eine zusätzliche Kontrollinstanz und verhindert Interessenskonflikte.
Ein weiteres zentrales Element ist unser sogenanntes Pledge Agreement: Wir treten die hinterlegten Krypto-Bestände vertraglich an Apex ab. Dadurch sind sie im Fall einer Insolvenz des Emittenten rechtlich sauber abgesichert. Die Anleger erhalten damit ein Höchstmaß an Schutz und Zugriffssicherheit.
Der Markt braucht diese institutionelle Qualität unbedingt.
Sehen Sie mittelfristig Potenzial, auch weitere Kryptowährungen oder thematische Krypto-Körbe als ETPs anzubieten?
Claas: Absolut. Thematische Krypto-Baskets bieten gleich mehrere Vorteile: Sie ermöglichen eine einfache, kosteneffiziente Diversifikation, reduzieren Klumpenrisiken und sparen Transaktionskosten. Besonders für Anleger und Anlegerinnen, die nicht jeden Coin einzeln handeln möchten. Auch neue Einzel-Coins sind bereits in Vorbereitung. Wir beobachten die Markt- und Regulierungsentwicklung sehr genau – und wollen gezielt Produkte launchen, die echten Mehrwert bieten.
Wie schätzen Sie die Entwicklung der Nachfrage nach Krypto-ETPs im Vergleich zu klassischen ETFs ein?
Claas: Vorweg: Krypto-ETPs sind kein Ersatz für breit gestreute Aktien- oder Anleihen-ETFs. Aber sie ergänzen gezielt die klassischen Portfolios. Und genau darin liegt unserer Meinung nach der Mehrwert: Anlegende diversifizieren mit Krypto ihr Portfolio und können so selektiv an der Entwicklung digitaler Assets teilhaben.
Bei NXT Assets sehen wir aktuell eine wachsende Nachfrage von privaten und institutionellen Investoren. Natürlich hat auch die starke Performance von Bitcoin und anderen Kryptowährungen das Interesse deutlich gesteigert. Aber entscheidend ist: Die Produkte sind in der Mitte der Märkte angekommen. Deshalb wird mittelfristig die Nachfrage auch noch weiter steigen, gerade wenn mehr thematische Produkte, weitere Baskets oder ESG-fähige Varianten dazukommen.
Studien zeigen, dass Frauen im Bereich Krypto und Finanzen weiterhin unterrepräsentiert sind. Welche Hürden erleben Sie selbst in Gesprächen mit potenziellen Investorinnen, und wie begegnen Sie diesen?
Claas: Gespräche mit männlichen und weiblichen Investoren sind inhaltlich oft sehr ähnlich. Allerdings interessieren sich deutlich weniger Frauen für Krypto und Investments allgemein. Viele Frauen wollen erst sicher sein, dass sie das Thema wirklich verstehen, bevor sie investieren.
Gerade bei der komplexen und jungen Assetklasse Krypto ist das eine Herausforderung. Mein Ansatz ist: Wir müssen die Einstiegshürde senken, nicht das Niveau. Ich erkläre die Themen verständlich, baue Vertrauen auf und schaffe einen Raum, in dem Fragen ausdrücklich willkommen sind.
Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um insbesondere Anlegerinnen für Krypto-ETPs zu gewinnen?
Claas: Es gibt bereits viele tolle Initiativen, die mit mir einer Meinung sind: Frauen brauchen keine rosa angehauchten, dafür oft teureren Produkte, sondern eine passgenaue, echte Ansprache. Mit solchen Partnern kooperieren wir, um gezielt Inhalte und Formate zu entwickeln, die wirklich Mehrwert bieten.
Wichtig ist auch, Role Models sichtbar zu machen – nicht nur im Bereich Krypto, sondern generell beim Thema Investieren. Finanzielle Selbstbestimmung ist für viele Frauen ein zentraler Aspekt von Freiheit. Das unterstützen wir aktiv.
Über Vera Claas und NXT Assets
Vera Claas ist Geschäftsführerin von NXT Assets. Die erfahrene Diplom-Betriebswirtin und Strukturspezialistin engagiert sich für mehr Sichtbarkeit und Teilhabe von Frauen in der Investmentbranche.
NXT Assets ist ein Emittent physisch besicherter Krypto-ETPs. Zu den Partnern zählen unter anderem Crypto Finance und 360T (Konzernunternehmen der Gruppe Deutsche Börse), Vontobel, Bergos und Interactive Brokers, sowie seit März 2025 auch Flatex Degiro. Alle Produkte sind Bafin-reguliert und an Börsen in Deutschland und der Schweiz gelistet. Die hinterlegten Krypto-Assets sind vollständig physisch gesichert und in Cold Wallets bei lizenzierten Partnern in Deutschland verwahrt. Das Angebot richtet sich an private, professionelle und institutionelle Anleger.


