Krypto-Experte Philipp Sandner „Die Langsamen werden untergehen“

Philipp Sandner leitet das Frankfurt School Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management  | © Frankfurt School of Finance

Philipp Sandner leitet das Frankfurt School Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management Foto: Frankfurt School of Finance

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DAS INVESTMENT: Fondsanbieter schreiben sich immer häufiger auf die Fahne, technologische Trends wie Big Data und Blockchain zum Vorteil ihrer Kunden nutzen zu können. Wie schätzen Sie dies ein?

Philipp Sandner: Es gibt im Fondsmanagement einige Domänen, die sich technologischer Instrumente bedienen. Innovativ sind diese aber eigentlich nicht, da Asset Manager sie schon seit vielen Jahren einsetzen. Die Daten-Analyse für algorithmische Anlagestrategien gehört etwa dazu. Sie umfasst das Verarbeiten von Daten, daraus Signale zu identifizieren und schließlich das Handeln. Dieses Nutzen von Big Data ist aber wie gesagt nicht neu. Auf der Kundenseite erfreut sich der wesentlich neuere Ansatz der Robo-Advisors zunehmender Beliebtheit. Dieses Interface kann etwa auf einfachem Weg die Risiko-Bereitschaft des Anlegers ermitteln und damit bestimmen, mit welchen Parametern das darunter liegende Handelssystem arbeiten muss.

Hat Big Data nicht beispielsweise durch die sozialen Netzwerke und den Austausch in Blogs an Umfang und Chancen zugelegt?  

Sandner: Ja, vertiefte Analysen ermöglicht Big Data schon. Nutzer können im Prinzip alles in Modelle integrieren, was sie quantifizieren können. Dass alle Analysen sinnvoll und zielführend sind, bezweifle ich, da Unternehmen solche Maßnahmen oftmals aus Marketing-Gründen hervorheben. Ich glaube nicht, dass man mit Big Data eine überdurchschnittliche Performance erwirtschaften kann.

Sie haben beispielsweise untersucht, was es bringt, soziale Medien wie Twitter auszuwerten. Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Sandner: Nun, vereinzelt und in geringem Maß lassen sich damit schon Erkenntnisse gewinnen, mit denen sich ein Tacken mehr Performance herausholen lässt. Auf längere Sicht verschwinden diese Vorteile aber und sind nicht mehr feststellbar. Also ich bin da bei aller Begeisterung etwas geläutert. Auch wenn mir viele Startups Tolles erzählen, ich glaube noch nicht daran. Digitalisierung eröffnet neue Distributionskanäle und Robo-Advisory ist sehr spannend, da Unternehmen auf diese Weise Kundenpräferenzen leichter erfassen und etwa bei der Auswahl von Anlageklassen besser beachten können. Auch für die Transparenz der Kapitalanlagen und das Reporting bringen Big Data und Digitalisierung Vorteile. Aber ich zweifle inzwischen daran, dass hinten drin im Maschinenraum, also bei den Handelsmodellen selbst, die Technik überdurchschnittliche Renditen ermöglich kann. Unsere Auswertungen und Statistiken sprechen klar dagegen.

Inwieweit nutzen Asset Manager ihren Erkenntnissen zufolge die neuen Möglichkeiten?

Sandner: Spezialisierte Asset Manager wie Robo-Advisors wenden die Technologie insbesondere bei ihre Beratung an. Gemessen am insgesamt verwalteten Kapital handelt es sich aber lediglich um einen geringen Anteil.

Können sich Asset Manager noch lange leisten, auf die digitalen Wege zum Kunden zu verzichten?

Sandner: Das wird sich zeigen. Ich erwarte aber, dass die digitale Kundenkommunikation in Zukunft sehr wichtig sein wird und Unternehmen untergehen, die sich damit nicht beschäftigen. Einen wesentlichen Unterschied macht dabei die jeweilige Zielgruppe der Asset Manager aus. Wer mit geringer Handelsfrequenz investieren oder lediglich passiv per ETF einem Index folgen will, benötigt keine umfassende IT. Bei komplexeren Anlagestrategien oder in engen Märkten bringt es Vermögensverwaltern schon Vorteile.

Sie beraten die Regierung bei Themen wie Digitalisierung und Fintech. Welches sind dort die vorrangigen Themen, über die Sie sprechen?

Sandner: Zu den präsenten Themen gehört selbstverständlich die Blockchain und wie sie unsere Gesellschaft verändern wird. Hinzu kam jüngst etwa die Datenschutzgrundverordnung. Auch die europaweite Funktion der IBAN-Kontonummer haben wir besprochen. Zurzeit ist deren länderübergreifendes Nutzen nach wie vor nicht in allen Fällen möglich. Künstliche Intelligenz haben wir im Beratergremium ebenfalls intensiv diskutiert.