Die Ära der wilden Spekulation geht zu Ende. In seinem aktuellen „State of Crypto“-Report zeichnet der Schweizer ETP-Anbieter 21 Shares das Bild eines Marktes im Wandel: weg von kurzfristigen Hype-Zyklen, hin zu einem institutionell geprägten Finanzsektor mit klaren Strukturen.
Sechs zentrale Thesen sollen den Kryptomarkt im kommenden Jahr bestimmen.
Makroökonomie übernimmt das Ruder
Der klassische Bitcoin-Vierjahreszyklus verliert nach Ansicht der Autoren des Berichts an Bedeutung. Stattdessen bestimmen institutionelle Kapitalströme, geldpolitische Entscheidungen und geopolitische Entwicklungen zunehmend die Kursbewegungen. Bereits 2025 kauften institutionelle Investoren ein Vielfaches der neu geschaffenen Bitcoins auf. Diese strukturelle Nachfrage stabilisiere den Markt nachhaltig. Bitcoin etabliere sich dabei zunehmend als Absicherung gegen Inflation, während das Verhältnis von Bitcoin zu Gold auf weiteres Kurspotenzial hindeute.
Regulierung bringt Transparenz und Vertrauen
Das Jahr 2026 wird zum Wendepunkt für die Kryptoregulierung, sagen die Experten von 21 Shares. Mit CARF (Crypto-Asset Reporting Framework) führt die OECD erstmals einen globalen Standard für die automatische Meldung von Krypto-Transaktionen an Steuerbehörden ein. Die EU-Richtlinie DAC8 setze diesen Standard verbindlich um und verpflichte Börsen sowie Wallet-Anbieter zur vollständigen steuerlichen Offenlegung. Nach Ansicht der Autoren der größte Regulierungsschub seit Jahren. Diese Schritte können Rechtssicherheit schaffen und das Vertrauen institutioneller Investoren stärken.
Institutionelle Anleger als Haupttreiber
Bitcoin-ETPs halten bereits mehr als 7 Prozent aller existierenden Bitcoins. 21 Shares erwartet, dass der weltweite Markt für Krypto-ETPs bis Ende 2026 auf über 400 Milliarden US-Dollar anwächst. Der Zugang wird dabei immer niedrigschwelliger: Privatkundenbanken, Broker und Altersvorsorgeprodukte bauen Krypto-Investments zunehmend als Standardkomponente ein. Die strukturelle Nachfrage dämpfe Schwankungen und erhöhe die Liquidität.
Dezentrale Finanzen vor neuem Wachstumsschub
Die Frage nach dem praktischen Nutzen rückt stärker in den Fokus. Das dezentrale Finanzwesen könnte nach Einschätzung von 21 Shares die Marke von 300 Milliarden US-Dollar an hinterlegten Vermögenswerten überschreiten. Treiber seien sinkende Zinsen, institutionelle Liquidität und die zunehmende Tokenisierung realer Werte. Vorhersagemärkte, tokenisierte Kredite und digitale Treasury-Modelle entwickelten sich zu tragenden Säulen des Ökosystems.
Tokenisierung als stiller Milliarden-Motor
Die Übertragung realer Vermögenswerte auf die Blockchain könnte zum entscheidenden Wachstumstreiber werden. Die Autoren prognostizieren, dass tokenisierte Real-World-Assets 2026 die Schwelle von 500 Milliarden US-Dollar überschreiten. Private Kredite, Staatsanleihen und Vorab-Beteiligungen vor Börsengängen stehen dabei im Mittelpunkt. Die Technologie ermögliche liquide, jederzeit handelbare und programmierbare Anlageformen. Für Unternehmer und Investoren bedeute das: schnellere Transaktionen, flexiblere Übertragungen und spürbar niedrigere Kosten. Ein Paradigmenwechsel, der sowohl Banken als auch institutionelle Investoren in Richtung onchain-basierter Infrastruktur lenken könnte. Denn: Vermögensanteile und Ausschüttungen ließen sich so deutlich schneller und automatisierter abwickeln, und Beteiligungen könnten flexibler übertragen oder umgeschichtet werden. Zudem seien die Kosten oft niedriger.
Bitcoin steigt auf bis zu 180.000 US-Dollar
Was die Kurse angeht, bleiben die Experten auch für 2026 optimistisch. Für Bitcoin rechnen sie im kommenden Jahr mit Kursen zwischen 150.000 und 175.000 US-Dollar, mit Spitzenwerten über 180.000 US-Dollar bis Jahresende. Ethereum soll besonders von ausgereiften Layer-2-Lösungen und skalierbaren Anwendungen profitieren. Auch Infrastrukturprojekte rund um Bitcoin, etwa neue Layer-2-Protokolle, dürften an Relevanz gewinnen.
Adrian Fritz, Chief Investment Strategist bei 21 Shares, fasst zusammen: „Krypto steht 2026 an der Schwelle zur Integration in klar strukturierte und global relevante Finanzmärkte. Wir erleben gerade den Übergang von einer experimentellen Technologie zu einer belastbaren infrastrukturellen Schicht für das digitale Finanzsystem.“

