Krypto-Token 6 Gründe für einen Boom von Wertpapier-Emissionen per Blockchain

Bafin-Sitz in Frankfurt. Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde hat dem Berliner Start-up Bitbond kürzlich grünes Licht für die Ausgabe des ersten Blockchain-basierten regulierten Wertpapiers gegeben. | © Bafin

Bafin-Sitz in Frankfurt. Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde hat dem Berliner Start-up Bitbond kürzlich grünes Licht für die Ausgabe des ersten Blockchain-basierten regulierten Wertpapiers gegeben. Foto: Bafin

In den Jahren 2015 bis 2017 war der ICO-Markt (Initial Coin Offering) weltweit ein boomender Markt. Zigtausend Start-ups - zumeist mit Blockchain-Projekten – sammelten weltweit Milliarden ein, um sich zu finanzieren. Die Goldgräberstimmung kam Anfang 2018 zu ihrem Höhepunkt, was daran zu ersehen war, dass viele ICOs ihre Coins innerhalb von kürzester Zeit platzieren konnten und dass diese Coins, sofern sie danach an Kryptobörsen gehandelt wurden, stark steigende Preise erzielten.

Doch ab dem 2. Quartal 2018 war der Boom plötzlich zu Ende. Die Finanzmarktaufsichtsbehörden weltweit veröffentlichten Kauf-Warnungen und führten eine Anmeldepflicht ein, da sich die Anzahl der angeblich betrügerischen ICOs stark beschleunigte. Einige Länder – wie China oder Südkorea – verboten ICOs sogar komplett. Zum anderen rutschte der Bitcoin, die bekannteste Kryptowährung, dramatisch ab mit dem Resultat, dass „Investoren“ plötzlich Geld verloren. Hier stellt sich die Frage, ob man wirklich von Investoren oder Spekulanten sprechen sollte?

Alexander Vollet

Dies war auch der Beginn, als Geschäftsmodelle kritischer beäugt wurden, was dazu führte, dass viele Unternehmen ihre Coins nicht mehr platzieren konnten. Dies wiederum hatte den Effekt, dass Projekte nicht fertiggestellt werden konnten und somit nicht erfolgreich waren, wodurch viele Unternehmen Insolvenz anmelden mussten. Das bis dahin investierte Geld war somit verloren.

Man sollte aber bedenken, dass ein Investment in ein ICO ein Investment in ein Start-up - also Wagnis- oder Risikokapital (Venture Capital, VC) - ist. Bei VC erwarten die Professionellen von zehn Investitionen im Durchschnitt sechs Pleiten, drei OK-Investments und im besten Fall einen Highflyer. Die Presse sowie die geschädigten Investoren betrachteten diesen Geldverlust aber oft einfach als Betrug, was es aber nicht zwingend von Anfang an sein musste.

Noch einige Worte zu Europa, wo der anfängliche Boom völlig verschlafen wurde. Erst in der zweiten Hälfte 2017 wagten sich erste Unternehmen mit ICOs aus den Startlöchern. Also zu einem Zeitpunkt, als sich der Höchstpunkt des Marktes schon beträchtlich näherte. Trotzdem schafften es einige, noch zweistellige Millionenbeträge einzusammeln. Ab April 2018 schaffte es dann allerdings kein Unternehmen mehr.

Erfreulicherweise ist in der Zwischenzeit viel in Europa in Richtung Pro-Kryptoanwendungen getan worden.

Wie geht es weiter am ICO-Markt?

Einen ICO-Boom, wie wir ihn in den letzten Jahren kennen gelernt haben, werden wir so sicherlich nicht mehr erleben. Dennoch erwarten wir in den folgenden Jahren eine deutliche Wiederbelebung im Krypto- / Blockchain-Bereich mit dem Unterschied, dass die Qualität wächst und dass Unternehmen gezielt ein STO oder Equity Token Offering (ETO) durchführen; diese unterliegen ähnlichen Regularien, wie wir es heute von Wertpapieren (Aktien, Anleihen usw.) kennen. Besonders für Europa sehen wir große Chancen, und dafür gibt es eine Reihe von stark unterstützenden Gründen:

1. Projekte werden realistischer
Die große Mehrzahl der vergangenen ICOs hatten wirklich tolle Ideen und zielten darauf, mit dem Einsatz der Blockchain-Technologie die Welt zu verbessern. Viele dieser Unternehmen hatten aber kein fertiges Produkt. Und gerade in der Entwicklungs- und Implementierungsphase kommt es bekanntermaßen immer wieder zu Verzögerungen bis hin zur kompletten Einstellung. Und die Unternehmen, denen das endlich geglückt ist, kämpften danach mit Regulierungen, einer erfolgreichen Markteinführung und dem Produktionsausbau, welche weitere, sehr teure und langwierige Hürden darstellen.

Heute nehmen die meisten Unternehmen jedoch Abstand vom schnellen Geld mittels eines ICOs. Der Fokus liegt nun auf ein funktionierendes Produkt und echte Werte mit einem attraktiven Deal für Investoren mittels eines STOs. Die Risiken sind also schon bedeutend geringer geworden. Zudem interessieren sich auch zunehmend Unternehmen aus nicht Blockchain-Bereichen für Token-Offerings als Finanzierungsalternativen, so zum Beispiel aus dem Konsumbereich, Maschinenbau, erneuerbare Energien usw. Die Produkte werden somit auch viel besser von den adressierten Investoren verstanden, was ihre Entscheidungsfindung beschleunigt.