Am 20. Januar 2025, dem Tag der Amtseinführung von Präsident Donald Trump, erreichte Bitcoin ein Allzeithoch von fast 110.000 US-Dollar. Seitdem ist die Stimmung im Kryptomarkt jedoch deutlich abgekühlt. Die anfängliche Euphorie über eine mögliche kryptofreundliche Politik der neuen US-Regierung wich schnell einer Phase der Unsicherheit und Volatilität.

Hohe Erwartungen an die neue Regierung

Die Krypto-Community setzte große Hoffnungen in die Trump-Administration. Trump erkannte früh das Potenzial der circa 50 Millionen amerikanischen Wähler, die in digitale Assets investiert sind. Der Wahlkampf war geprägt von einer Serie von Versprechen, wie der Einführung einer nationalen Bitcoin-Reserve und einer kryptofreundlichen Regulierung. Die Ernennung von Krypto-freundlichen Persönlichkeiten in Schlüsselpositionen, darunter Paul Atkins als Vorsitzender der SEC, sorgten für Optimismus.

Die anfängliche Euphorie wurde auch durch die Einführung von Meme-Coins wie $Trump und $Melania verstärkt, die am Wochenende kurz vor der Inauguration veröffentlicht wurden. Allerdings sorgten diese Meme-Coins auch schon für erste Zweifel – denn die seriösen Anleger riefen nicht nach „Spaßcoins“, sondern Klarheit und Sicherheit durch Regulierung.

Enttäuschung und Unsicherheit

Trotz aller Versprechen blieben konkrete politische Maßnahmen bisher aus. Die Trump-Administration hat mit einem Exekutivbefehl vom 23. Januar 2025 klare Signale gesetzt, die Krypto-Industrie zu fördern. Dieser Befehl schuf eine Arbeitsgruppe für digitale Assets und erwog die Einrichtung einer nationalen Kryptowährungsreserve, was als positives Signal für die Industrie gesehen wird.

Doch seitdem folgte wenig, der Markt möchte Fakten, keine Symbolpolitik. Stattdessen sorgten unvorhersehbare politische Entscheidungen und ein polterndes Auftreten der Regierung für Verunsicherung unter Investoren. Die Märkte reagieren empfindlich auf Unsicherheit, die Stimmung nahm ab, und die Volatilität nahm zu.

Für weitere Verunsicherung sorgte der Skandal in Argentinien, bei dem Präsident Javier Milei am 14. Februar 2025 einen Token namens $LIBRA bewarb, der anschließend abstürzte. Dies hat die politische Landschaft in Argentinien erschüttert und zusätzliche Unsicherheit in den globalen Kryptomarkt gebracht.

Sicherheitsbedenken nach massivem Hack

Ein weiterer schwerer Schlag für das Vertrauen in den Kryptomarkt war der größte Diebstahl in der Geschichte der Kryptowährungen. Hacker entwendeten vergangenen Freitag etwa 1,5 Milliarden US-Dollar in Ethereum von der Kryptobörse Bybit. Der Hack wurde durch eine Täuschung ermöglicht, die die Logik eines Smart Contracts änderte. Die nordkoreanische Lazarus-Gruppe wird für diesen Angriff verantwortlich gemacht. Trotz des enormen Verlustes versicherte Bybit seinen Nutzern, dass alle Vermögenswerte gesichert sind und der Betrieb normal weiterläuft.

 

Marktreaktionen und Ausblick

Die Kombination aus politischen Unsicherheiten und Sicherheitsbedenken führte zu einer spürbaren Abkühlung des Kryptomarktes. Der „Angst & Gier“-Index zeigt eine deutliche Verschiebung hin zu Angst, die Liquidationen der vergangenen 24 Stunden (Stand: 25. Februar 2025, 11.30 Uhr) betragen weit mehr als eine Milliarde US-Dollar. Dies könnte für strategisch orientierte Investoren eine Kaufgelegenheit darstellen, aber es bleibt abzuwarten, ob dies den Tiefpunkt der aktuellen Marktkorrektur darstellt oder ob weitere Turbulenzen bevorstehen.

In dieser kritischen Phase ist es essenziell, dass die politischen Entscheidungsträger klare und unterstützende Regulierungsmaßnahmen für digitale Assets einführen, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen und die Stabilität des Marktes zu fördern.

Es ist Zeit, dass die Politik liefert, und nicht nur Geld mit der Emission von eigenen Token verdient.


Markus van de Weyer © Alpha Beta Asset Management

Über den Autor

Markus van de Weyer ist Gründer und Geschäftsführer der Alpha Beta Asset Management. Seit 1993 war er in verschiedenen leitenden Positionen für international führende Investmenthäuser wie Lazard Asset Management tätig.