Für ihre Fans sind Kryptowährungen ein Symbol der Unabhängigkeit, ihre Gegner sehen sie als Werkzeug für kriminelle Machenschaften. Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein Blick auf ihre Rolle im Ukraine-Krieg.

Die ukrainische Regierung nutzt digitale Währungen, um Spenden zu sammeln. Laut Medienberichten kamen so knapp 100 Millionen-US-Dollar zusammen. Darüber hinaus hat sie im März eine eigene NFT-Kollektion namens „Meta History Museum of War“ herausgebracht, um die militärischen Ausgaben zu finanzieren.

Auf 54 digitalen Kunstwerken haben Künstler die ersten drei Kriegstage dokumentiert. Mitte März hat der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky zudem ein Gesetz unterzeichnet, um die Krypto-Industrie zu legalisieren.

Für Menschen, die aufgrund des Kriegs die Ukraine verlassen, können Kryptowährungen ebenfalls nützlich sein. So berichtet Alireza Siadat, Rechtsanwalt und Krypto-Experte bei der Kanzlei Annerton, bei einer Online-Veranstaltung des Frankfurt School Blockchain Centers am 23. März 2022: „Für die Menschen, die derzeit aus der Ukraine fliehen, ist es schwierig, Geld mitzunehmen, da die meisten nicht die Zeit haben, Geld abzuheben.“ Personen, die digitales Geld in ihren Wallets haben, haben einen direkten Zugang zu dem Kapital und können es in Fiat-Geld umtauschen.

Eignen sich Kryptowährungen für Geldwäsche?

Für die russische Seite könnten sich Kryptowährungen hingegen eignen, um die Sanktionen zu unterlaufen. Denn: Sie operieren peer-to-peer, benötigen also keinen Mittelsmann, der die Zahlungen abwickelt. Siadat ist aber der Meinung, dass das viel zu aufwändig ist.

Personen auf der Sanktionsliste würden eher so genannte Triangle-Transaktionen in Fiat-Währungen durchführen und ihr Geld beispielsweise über die Türkei oder Dubai nach Europa überweisen. Dieses Kapital in Kryptowährungen zu tauschen, zu überweisen und dann wieder zurückzutauschen, wäre weit aufwändiger.

Privacy-Coins sind zu klein für Geldwäsche im großen Stil

Selbst Privacy-Coins wie Monero und Zcash, die im Gegensatz zum Bitcoin komplett anonym sind, sieht Frank Wagner, Co-Founder und CEO des Digital Asset Managers Invao Group, nicht als nützlich für Geldwäsche an. Sie sind derzeit noch eine Nischenerscheinung auf dem ohnehin kleinen Kryptomarkt mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt um die 2,1 Billionen US-Dollar Ende März.