Frauen & Geld Podcast | Folge 17 Künstlerin und Multitalent Vreni Frost: Von der Geldverschwenderin zur Finanzexpertin

Vreni Frost neben Anissa Brinkhoff im Podcast Frauen & Geld
Künstlerin, Podcasterin, Modebloggerin, Autorin – Vreni Frost ist ein echtes Multitalent!
© Katharina Brösing | mjnt
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Anissa: Im Intro zu deinem Buch „Coin Stress“ schreibst du ein Plädoyer für den entspannten Umgang mit Geld. Wie war denn dein Verhältnis zu Geld in den letzten Jahren und wie hat sich das verändert?  

 Vreni Frost: Also in den letzten Jahren war es gut. Davor war es katastrophal. Ich habe im Buch geschrieben, wir hatten nicht mal so eine On-Off-Beziehung. Es war eigentlich immer off, weil ich nie Geld hatte. Ich bin aufgewachsen mit Eltern, die einen sehr guten Umgang hatten mit Geld. Meine Mutter war die Finanzmanagerin der Familie, meine Geschwister hatten es im Griff und ich als Jüngste habe es bekommen und direkt in den Süßigkeitenladen getragen. Ich konnte auch nicht sparen. Dieses Konzept des Sparens hat sich mir einfach nicht erschlossen. Und ich hatte auch nie Bock, mich damit zu beschäftigen, bis ich mich dann irgendwann selbstständig gemacht habe. Und in der Zeit wahnsinnig viel auch über mich im Arbeitsleben gelernt habe und eben auch gelernt habe, was mit meinem Geld passiert. Also was sind Steuern? Was sind Versicherungsausgaben? Und da den Überblick zu bekommen, war für mich ganz spannend. Und ich mache ja schon immer meine Steuererklärung selbst. Mein Papa hat mir das beigebracht. Der ist kein Steuerberater, der ist Arzt. 

 Anissa: Das finde ich so crazy als Selbstständige  

 Vreni Frost: Ja, aber du musst überlegen, ich habe ja keine Angestellten. Sobald ich die hätte, wäre es, glaube ich, anders. Aber alles andere mache ich selber. Es nervt. Aber ich weiß halt immer ganz genau, was mit meinem Geld passiert. Und das fand ich ziemlich cool. Und irgendwann lief der Job auch besser und ich habe mehr verdient und dann konnte ich auf einmal Dinge sparen, also Geld sparen und das erste Mal investieren. Das ist bei mir auch noch gar nicht so lange her. Ich würde sagen, das sind so fünf, sechs Jahre, so Mitte 30, dass ich dann anfangen konnte, wirklich auch mal zu investieren. Mittlerweile finde ich es total cool. Und das Buch habe ich deswegen geschrieben, weil ich zwei Jahre einen Finanzpodcast moderiert habe und da wahnsinnig viel gelernt habe und mir aber so ein Buch gefehlt hat. Ja, wie du gesagt hast, mit den Anfängerfragen, die man sich eben nicht traut zu stellen, weil man sich so wahnsinnig dumm vorkommt. Dabei ist es so egal. Wir alle fangen ja irgendwo an. Und weil ich so ein bisschen so ein Gegenstück halten wollte zu diesen ganzen Finanzcoaches, bei denen es nur darum geht, Geld anzuhäufen, no matter what. Und das ist auch ein, um mit Unwörtern zu sprechen, ein Mindset, was ich ein bisschen schwierig finde in unserer heutigen Gesellschaft.  

 Nie zu spät, um mit dem Investieren zu starten 

Anissa: Ja, und auch ein Buch, was sich einfach so locker weg liest, wo man nicht sofort das Gefühl hat, im ersten Satz verstehe ich schon drei Begriffe nicht, ich leg's zur Seite, denn es fühlt sich jetzt schon irgendwie blöd an. Es ist auf jeden Fall schon wieder ein Thema, was mir gar nicht gefällt oder was mir auch gar nicht gut tut. Ich glaube ja, eine der angstgeladensten Fragen ist dieses: Ist es nicht zu spät anzufangen? Was sagst du dazu? Wie war das bei dir, als du gesagt hast: Ja, Mitte 30 und dann habe ich tatsächlich angefangen zu investieren. Gibt's denn zu spät eigentlich?

 Vreni Frost: Nein, es gibt überhaupt gar kein zu spät. Also ich bin ja aufgewachsen mit Menschen, die mir ständig gesagt haben, was, du hast noch keine Altersvorsorge und wie, du hast kein Geld gespart. Und das geht nicht und dies geht nicht. Und ich dachte immer so, ja, what the fuck, wo soll ich es denn hernehmen? Also ich lebe halt eigentlich auch ganz gerne und hab meine Prioritäten einfach anders gesetzt. Und deswegen sage ich im Buch auch ziemlich zu Beginn, macht dir einfach wirklich keinen Stress. Es ist jetzt einfach, du hast den Status Quo, den du hast. Alles, was davor war, kannst du sowieso nicht ändern. Geht nicht. Du kannst machen, was du willst, kannst dich auf den Kopf stellen, aber du kannst die Vergangenheit nicht ändern und dein Verhältnis zum Geld. Aber du kannst ab jetzt anfangen, die Situation zu verbessern. Und deswegen gibt es da auch kein Zu-Spät.  

Anissa: Und ich glaube, gerade bei uns Frauen ist ja auch häufig dieses Thema: Kann ich überhaupt mit Geld umgehen? Und da ist ja auch schon ganz wichtig, was du jetzt gerade gesagt hast. Jede und jeder beginnt bei einem unterschiedlichen Status quo. Und da ist man im Zweifelsfall auch überhaupt nicht selbst dran schuld, dass man keine Finanzbildung erhalten hat, dass man überhaupt nicht weiß, wie das geht, dass man gar nicht weiß, warum man wie viele Steuern zahlt und so. Was sagst du dazu, wenn Menschen zuhören und die noch in diesem Gefühl feststecken? Geld und ich, Zahlen und ich ich habe da so Angst vor. Das fühlt sich so blöd an für mich. Wie fängt man da an? Wie geht man mit so einer Situation um?  

 Vreni Frost:Es ist ja generell so im Leben: Wir haben Angst vor Dingen, weil wir sie nicht kennen. Und deswegen haben wir meistens Angst. Das sind auch viele gesellschaftliche Sachen. Und wenn wir dann mal anfangen, uns damit zu beschäftigen, dann wird die Angst auch kleiner. Der Anfang kann schon darin liegen, einfach mal ein Buch zu lesen oder einfach mal anzufangen, ein Haushaltsbuch zu führen in einer App oder händisch in einem Heft, dass man so kleine Steps macht.

Die größte Angst ist auch so, ich mache jetzt einmal Tabula rasa und gucke mal, was sind überhaupt meine ganzen Ausgaben? Also ich hole mal alles, was ich hier zu Hause habe, ob digital oder in meinen Ordnern. Das packe ich jetzt hier auf den Tisch und gucke mal, was ist überhaupt mein Status quo? Und bei den meisten, so wie es bei mir auch war, ist dann erst mal so, oh shit. Also man guckt sich das an und man fängt ja gar nicht erst an, weil man denkt, ich weiß, was da kommt, ich will das gar nicht wissen. Aber da müssen wir einfach einmal durch. Und wenn wir das geschafft haben, diesen ersten kleinen Hügel zu überschreiten, dann wird die Hemmschwelle auch geringer, weil wir dann merken, so was wie: Ach guck mal, ich habe ja noch dieses Streaming-Abo, was ich seit einem Jahr nicht nutze, könnte ich jetzt auch mal kündigen. Und dann kommt so ein bisschen die Motivation, was zu verändern, in ganz kleinen Schritten. Und mit jedem weiteren kleinen Schritt verlierst du die Angst davor, dich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen. Und gerade dieses Frauen können nicht mit Geld umgehen, das ist einfach so eine internalisierte sexistische Kackscheiße. Entschuldigung. Ne, nicht Entschuldigung, so ist es. Und da müssen wir auch mal raus, weil jede und jeder von uns kann lernen, mit Geld umzugehen.  

Freiheit durch ein finanzielles Selbstbewusstsein

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Anissa: Ja, definitiv. Es ist ein Handwerk wie vieles andere. Und ich denke, wenn man sich Kochen beigebracht hat oder Yoga beigebracht hat, dann kann man das mit Geld auf jeden Fall auch schaffen. 

 Vreni Frost: Also ich würde sagen, ich bin besser im Geld als im Kochen und im Yoga.   

Anissa: Ja. Sehr gutes Beispiel. Die Psychologie hat dafür einen ganz spannenden Begriff. Die nennt das "finanzielles Selbstbewusstsein". Und das bedeutet, dass man sich selber zutraut, sich in das Thema Finanzen einarbeiten zu können und dann auch sinnvolle, langfristige Finanzentscheidungen zu treffen. Ich hatte definitiv lange kein finanzielles Selbstbewusstsein, sondern habe mir überhaupt nicht zugetraut, Finanzentscheidungen zu treffen. Wie war das bei dir und wie ist dein finanzielles Selbstbewusstsein aktuell? Wie würdest du das einschätzen?  

 Vreni Frost: Ich glaube, ich hatte einfach keinen Bock. Es war nicht mal so, dass ich es mir nicht zugetraut habe. Ich hatte einfach keinen Bock, auf mein Geld zu achten. Das führte dann dazu, dass ich kurz vorm Schufa-Eintrag stand, wovor mich damals die Eltern meines Ex-Freundes gerettet haben, weil die mein Konto ausgeglichen haben. Und das habe ich dann abgestottert. Aber mir war dann schon irgendwann bewusst: Du kannst nicht nur Geld ausgeben, da fliegst du irgendwann auf die Nase mit. Ich glaube, heute ist mein finanzielles Selbstbewusstsein supergut, weil ich über die Jahre gelernt habe, dass ich gar nicht die Werte habe, die ich dachte, als junge Frau haben zu müssen. Ich habe ja mal Jura studiert, erfolgreich nach zwei Semestern abgebrochen, weil ich mich gesehen habe als so eine Anwältin in so einem schicken Kostümchen mit einem Sportauto, super rich. Und ich bin so froh, dass es nicht passiert ist. Es wäre auch völlig fein, wenn das so wäre. Aber ich bin sehr froh, dass ich heute so lebe, wie ich es tue und andere Werte habe als Materielles und Reichtum.

Ich besitze schon gerne Dinge, aber ich hänge null dran und definiere mich auch nicht darüber. Mein finanzielles Selbstbewusstsein ist heute das, dass ich sehr dankbar bin für das Leben, das ich führen kann. Und ich mich finanziell so gut aufgestellt fühle, dass ich gar nicht mehr brauche. Also ich habe gar nicht das Streben nach mehr, sondern ich habe eher das Streben nach, ich möchte diesen Status quo halten. Und wenn es mehr ist, gerne auch Situationen von anderen verbessern. Ich finde, Geld gibt einem auch die Freiheit, gesellschaftlich in kleinen Schritten Dinge zu verändern. Und das finde ich total schön. Bei mir wohnt zum Beispiel seit einem Jahr eine junge Frau aus der Ukraine, die ich direkt nach Kriegsbeginn aufgenommen habe. Und wäre ich finanziell nicht gut aufgestellt, könnte ich das nicht machen. Und ich finde das total schön, dass solche Sachen möglich sind oder dass ich Geld spenden kann, dass ich Menschen unterstützen kann. Weil ich es immer wichtiger finde, gerade in unserer heutigen Zeit und in unserer Gesellschaft, die so weit auseinanderklafft, wo es einfach keine finanzielle Gleichberechtigung gibt, was auch an Bildung liegt, dass man in seinem kleinen Kosmos erstmal auch so kleine Schritte verändern kann.  

Erst um sich selbst kümmern, bevor man anderen hilft 

Anissa: Da fallen mir zwei Sachen direkt zu ein. Zum einen, wie wichtig es ist, dass man verschiedene Vorbilder und Rollmodels hat. Weil ich meine, vielleicht war diese unabhängige Juristin in schicken Klamotten eines der wenigen medial transportierten Bilder, die es damals gab, als du dir vorgestellt hast, wer zur Hölle werde ich denn mal? Und das war halt die unabhängige Frau, aber sehr viele andere mediale Bilder gab es halt auch gar nicht. Und das Zweite ist auf jeden Fall, man muss halt erst mal für sich selber sorgen, bevor man für andere sorgen kann. Weil du finanziell dich gut aufgestellt hast und deine Finanzen klar gekriegt hast, kannst du dich jetzt um andere kümmern. Wenn du dich nur um andere kümmern würdest, was, glaube ich, so eine typische Falle von Müttern oder werdenden Müttern ist, bleibt man selber halt auf der Strecke und das geht am Ende ja auch nicht auf. Und ich finde das total spannend, dass du das jetzt so sagst.  

Vreni: Und das nämlich nicht nur finanziell, sondern auch mental. Also du kannst ja nur anderen Menschen helfen, wenn du in dir selbst eine Stärke hast. Weil wenn du das nicht hast, gibst du dich ja auf. Also du verlierst dann die Energie, die du für andere hast. Und deswegen finde ich es auch völlig fein, dass Menschen auf sich selber achten und schauen und da auch Prioritäten setzen, weil sie dadurch Energien haben für andere bestenfalls tolle Dinge, die sie bewirken können.  

 

Das ganze Interview hört ihr hier. 

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