Pamela Hegarty, BNP Paribas AM

Künstliche Intelligenz (KI) ist allgegenwärtig. Die Veröffentlichung von ChatGPT durch das Unternehmen OpenAI im November 2022 löste einen beispiellosen Innovationszyklus aus. Es gibt zahlreiche Akteure, die die Entwicklung der Technologie vorantreiben – und für Investoren eine Vielzahl von spannenden Investitionsmöglichkeiten. „Dazu gehören Entwickler, die neue KI-Modelle entwerfen, Chiphersteller und Anbieter von erneuerbaren Energien sowie von Energieeffizienzlösungen“, erläutert Pamela Hegarty, Portfoliomanagerin im Technologiebereich bei BNP Paribas Asset Management. Außerdem seien Unternehmen interessant, die Daten für das Training von KI-Modellen bereitstellen. „Darüber hinaus sehen wir Möglichkeiten, in die Nutznießer der KI zu investieren – also in Unternehmen, die mittels der Technologie ihre Produkte und Dienstleistungen verbessern.“ Solche gebe es unter anderem in den Bereichen Software und Biotechnologie.

 

Die Einsatzmöglichkeiten für KI werden immer zahlreicher. „Generative KI ist eine Allzwecktechnologie“, betont Hegarty. Aus ihrer Sicht wird sie Auswirkungen auf nahezu jeden Wirtschaftssektor haben. Aktuell gibt es bereits folgende Anwendungsfälle:

  • Programmierung und Dokumentation von Code durch KI kann zu Produktivitätssteigerungen von 35 bis 50 Prozent bei Entwicklern führen.
  • Automatisierung bei Kundendienstanfragen kann zu einer Produktivitätssteigerung von 30 bis 45 Prozent führen.
  • Erstellung medizinischer Berichte und Zusammenfassung von Patientenbesuchen. Ein medizinisches Zentrum in Taiwan hat die Produktivität von Ärzten und Apothekern nach der Einführung von KI-Copiloten deutlich erhöht. Ärzte benötigen nur noch 15 Minuten für die Erstellung medizinischer Berichte anstatt wie vorher eine Stunde. Apotheker konnten täglich doppelt so viele Patienten besuchen. KI kann darüber hinaus zur Entwicklung neuer Proteinstrukturen beitragen, die weitreichende Auswirkungen auf die Arzneimittelentwicklung und Biotechnologie haben.
  • Vereinfachung der Arbeitsabläufe in Vertrieb und Marketing: Ein multinationales Unternehmen konnte durch den Einsatz generativer KI eine Produktivitätssteigerung von wöchentlich vier Stunden pro Vertriebsmitarbeiter oder 50 Millionen US-Dollar jährlich realisieren.
Derek Glynn, BNP Paribas AM

In jüngster Zeit waren weitere bedeutende Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz zu beobachten. „Ein führendes Unternehmen für generative KI hat kürzlich ein großes Sprachmodell vorgestellt, das komplexe Schlussfolgerungen ziehen kann, indem es ‚denkt‘, bevor es antwortet“, erläutert Derek Glynn, Portfoliomanager bei BNP Paribas Asset Management. Daneben habe es Verbesserungen bei der Interaktion mit KI-Modellen gegeben. „Diese haben zu intuitiveren Erfahrungen geführt und neue Anwendungsfälle erschlossen“, sagt Glynn. „Multimodale Fähigkeiten statten Modelle mit ‚Augen‘ und ‚Ohren‘ aus. Außerdem können sie Antworten in Form von Audio- und Bildformaten liefern.“ Umgekehrt können Nutzer Bilder hochladen, die vom Modell analysiert werden. Zudem können die aktuellen Modelle bei jeder Eingabeaufforderung mehr Informationen verarbeiten als ihre Vorgänger.

Die Rolle der Cloud bei der Verbreitung künstlicher Intelligenz

Eine wesentliche Rolle für den Einsatz künstlicher Intelligenz spielt das Cloud Computing mit seinen Vorteilen wie geringeren Kosten, höherer Skalierbarkeit und verbesserter Sicherheit sowie komfortabler Zugang zu fortschrittlichen Technologien. „Daher sind Investitionen in die digitale Infrastruktur für die Unterstützung von KI-Initiativen von entscheidender Bedeutung“, betont Hegarty. „Dazu gehören Rechenzentren, Netzwerkausrüstung und Speichersysteme. Auch die Nachfrage nach Kühlsystemen, Energieeffizienzlösungen und erneuerbaren Energiequellen zur Versorgung von KI-Rechenzentren steigt.“

Die drei großen US-amerikanischen Cloud-Service-Anbieter haben ihren Cloud-Umsatz in den vergangenen vier Jahren um mehr als 30 Prozent gesteigert und konnten im Jahr 2023 zusammen einen Umsatz von 180 Milliarden US-Dollar erreichen. Trotzdem gibt es noch großes Wachstumspotenzial: „Nur etwa 20 Prozent der gesamten Arbeitslasten sind bislang in die Cloud migriert“, weiß Hegarty.