78,7 Prozent der Kunden beantworten die Frage, ob ihre Nachhaltigkeitspräferenzen für die Beratung eine Rolle spielen sollen, mit „Nein“. Das ergab jüngst eine umfassende Datenanalyse des Maklerpools Fondsnet auf Basis von 6.000 verbundenen 34f-Vermittlern zum Stichtag 30. September. Demnach sind im Gegenzug nur 21,3 Prozent der Kunden der Fondsnet-Vermittler bereit, über ihre ESG-Präferenzen zu sprechen.
Hintergrund ist, dass im Zuge einer Ergänzung der EU-Vertriebsrichtlinie IDD seit August 2022 Vermittler in Beratungsgesprächen zu Versicherungsanlageprodukten ermitteln müssen, inwieweit das gewünschte Produkt nachteilige Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren sowie Nachhaltigkeits- oder Umweltziele im Sinne der Offenlegungs-Verordnung beziehungsweise der EU-Taxonomie berücksichtigen soll. Diese sogenannte Nachhaltigkeitspräferenzabfrage steht seit ihrem Start in der Kritik.
Assekurata- und Fondsnet-Ergebnisse komplett gegensätzlich
Doch was ihre Akzeptanz angeht, kommt nun die zum zweiten Mal durchgeführte Untersuchung des Analysehauses Assekurata zu ganz anderen Ergebnissen. Für die Studie „Nachhaltigkeit der Versicherer aus Kundensicht 2023“ ist das Kölner Unternehmen unter anderem der Frage nachgegangen, inwieweit die Abfrage Auswirkungen auf die Relevanz, die wahrgenommene Beratungsqualität und den Informationsbedarf in Bezug auf Nachhaltigkeit hat. Die Befragung unter etwas über 1.000 Personen wurde im Juli 2023 durchgeführt.
Hierbei kam heraus, dass von denjenigen, die sich zu einem Versicherungsanlageprodukt haben beraten lassen, insgesamt drei Viertel angaben, dass die Präferenzabfrage tatsächlich durchgeführt wurde. Dabei fällt auf, dass der Großteil dieser Teilgruppe (63,1 Prozent) auch eigene Präferenzen in den Gesprächen angaben, während lediglich 12,3 Prozent sagen, dass sie trotz Beraterabfrage keine Angaben machten, weil Nachhaltigkeit für sie keine Rolle spielt. Nur bei 16,9 Prozent der Befragten fand die Abfrage gar nicht erst statt.
Auch in anderen Sparten spielt Nachhaltigkeit eine Rolle
Bemerkenswert ist aus Sicht von Assekurata, dass auch Befragte, die andere Produkte abgeschlossen haben, vielfach zu ihren Nachhaltigkeitspräferenzen befragt wurden, insbesondere bei anderen Personenversicherungen. „Dies mag in Teilen daran liegen, dass Kunden zu verschiedenen Produkten beraten wurden oder die Produkte nicht richtig einordnen konnten. Trotzdem scheint auch bei den Produktarten, die nicht unter die IDD-Präferenzabfrage fallen, in vielen Fällen das Thema Nachhaltigkeit besprochen worden zu sein. Unklar ist, von welcher Seite der Impuls dabei kam“, schreibt Autor Oliver Bentz, Fachkoordinator Nachhaltigkeit bei der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur.
Ausschließlichkeit leistet qualitativ beste Beratung
Spannend ist der Blick auf die Vertriebswege, da es hier auffällige Unterschiede in der Aussage „Ich habe mich gut zur Nachhaltigkeit des Produktes informiert/beraten gefühlt“ gibt. Gut beraten fühlten sich vorwiegend diejenigen, die sich von einer Ausschließlichkeitsvertretung beraten ließen (27,5 Prozent trifft vollkommen zu; 30,6 Prozent trifft eher zu). Auffällig ist hier der Vergleich zu Versicherungsmaklern, die in diesem Bereich schlechtere Werte erzielen (9,1 Prozent trifft vollkommen zu; 38,5 Prozent trifft eher zu).
Für Makler sind die Herausforderungen ungleich größer
Laut Assekurata könnte dies daran liegen, dass die Herausforderungen für Makler in Bezug auf die Kenntnis von Nachhaltigkeitsaspekten verschiedener Versicherungsprodukte und -unternehmen wesentlich größer sind, da das Thema noch recht neu ist und in den Vertrieben durchaus noch größere Informationslücken bestehen. Auch über Vergleichsportale fühlen sich die Befragten tendenziell schlechter zur Nachhaltigkeit beraten, während sich die restlichen genannten Vertriebswege in der Mitte einordnen. Autor Bentz rät, dass Versicherungshäuser neben Endkunden auch die Vertriebskanäle mit Informationen versorgen und in Bezug auf Nachhaltigkeitsthemen schulen sollten, um eine qualitativ hochwertige Beratungsleistung sicherzustellen.
Präferenzabfrage mit positivem Effekt auf Beratungsqualität
Auch nach Sparten aufgeteilt zeigen sich bei der Aussage: „Ich habe mich gut zur Nachhaltigkeit des Produktes informiert/beraten gefühlt“ bereits relativ hohe Zustimmungswerte. Dieser liegt für Versicherungsanlageprodukte bei 68,7 Prozent, für Krankenversicherungen bei 51,1 Prozent und für Sachversicherungen bei 35,8 Prozent.
Auch wenn die beobachteten Unterschiede zwischen den Sparten auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein könnten, deutet für die Studienmacher einiges darauf hin, dass die IDD-Präferenzabfrage einen positiven Einfluss auf die Qualität der Beratung in Bezug auf Nachhaltigkeitsaspekte bei Versicherungsprodukten hat.
Nachholbedarf in der Sachversicherung
Auffällig sei dabei, dass sich Kunden rundum positiver in Bezug auf Nachhaltigkeitsaspekte bei Krankenversicherungs- als bei Sachversicherungsprodukten äußerten. Dazu schreibt Bentz; „Unserer Einschätzung nach unternehmen Versicherer im Sachversicherungsbereich jedoch tendenziell mehr Anstrengungen, Nachhaltigkeitsaspekte in ihre Produkte zu integrieren und diese hervorzuheben. Die Ergebnisse sollten daher zum Anlass genommen werden, das Produktangebot und die Beratungsqualität im Bereich der Sachversicherung zu hinterfragen.“
Großes Angebot bei Versicherungsanlageprodukten
Vor allem in der Lebensversicherung fällt im Bereich der Versicherungsanlageprodukte ein umfangreicheres Angebot im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit auf. Dies ermögliche es den Verbrauchern größtenteils, Produkte zu finden, die ihren Präferenzen entsprechen. 73,0 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen ein Versicherungsanlageprodukt angeboten werden konnte, welches ihren Vorstellungen in Bezug auf Nachhaltigkeit entspricht. Bei Beratungen zur Krankenversicherung traf das in 46,9 Prozent der Fälle zu, während es bei der Sachversicherung in 42,6 Prozent der Fälle geschah. Diese Werte erscheinen allerdings aufgrund der bisher publik gewordenen Erfahrungswerte von Vermittlern und anderer Untersuchungen erstaunlich hoch.
Informationsbedarf unverändert hoch
Ein weiteres Ergebnis: Eine verbesserte Beratung zu Versicherungsanlageprodukten führt laut Assekurata nicht zu einem geringeren, sondern zu einem höheren Bedarf an zusätzlichen Informationen im Vergleich zu den anderen Sparten. So wünschen sich 68,8 Prozent der Befragten, die zu Versicherungsanlageprodukten beraten wurden, sowie 62,6 Prozent derjenigen, die zu Lebensversicherungen im Allgemeinen beraten wurden, mehr Beratung beziehungsweise Informationen zur Nachhaltigkeit beim Abschluss von Versicherungsprodukten. Für Kranken- und Sachversicherungen liegen diese Werte bei 49,6 beziehungsweise bei 48,3 Prozent.




