Ina Lockhart (Gastautorin)Lesedauer: 10 Minuten

Besuch bei einem Weltmarktführer Kuppeln, schaufeln und verladen

Seite 2 / 4

1955, drei Jahre nach der Eröffnung seiner Schmiede, lässt sich Steingass die heute gängige Sattelkupplung, die das Be- und Entladen von Lkws vereinfacht, patentieren. Später übernimmt der Gründungspartner, die Familie Breuer, die unternehmerische Führung von Jost. Schnell entscheidet sich die Familie zu expandieren: als Erstes in den 1960er-Jahren nach Südafrika und Großbritannien, in den 1970er-Jahren dann innerhalb Europas. Später geht es nach Russland, schon in den frühen 1990er-Jahren nach China und schließlich nach Indien. Heute betreibt Jost 23 Produktionsstandorte weltweit und ist in 25 Ländern vertreten. Aus der Einmannschmiede ist in den 70 Jahren ein Arbeitgeber von 3.500 Beschäftigten geworden.

Angefangen hat alles vor fast 70 Jahren mit einer kleinen Schmiede
an Neu-Isenburg, wo Jost heute noch seinen Hauptsitz hat
 Foto: Jost

Die direkten Kunden von Jost sind die Lkw- und Anhängerhersteller, die OEMs. Damit sich jedoch die Flottenunternehmen bei der Lkw- oder Anhängerbestellung eine Ausstattung mit Jost Markenprodukten wünschen und sich nicht für die Konkurrenz wie SAF-Holland oder Fontaine entscheiden, pflegen die Neu-Isenburger auch einen engen Kontakt zu den Endkunden. Gemeinsam diskutieren sie Anwendungsgebiete und entwickeln Spezifikationen für neue Produkte.

Gleichzeitig geht Jost regelmäßig Entwicklungspartnerschaften mit den OEMs ein und bildet dafür spezielle Teams. Mit dem OEM-Geschäft erzielt JOST rund 70 Prozent seines Umsatzes. Das Ersatzteilgeschäft, das aber deutlich margenstärker ist, macht den Rest aus. „Die höhere Marge ist auf den teureren Einzelverkauf der Ersatzteile zurückzuführen, denn der Kunde will einen fahrtüchtigen Lkw so schnell wie möglich wiederhaben“, erklärt Romy Acosta, Leiterin Investor Relations bei Jost.

Blick in die Produktionshalle: Hier werden schwere Metallgussteile
zu hochwertigen Sattelkupplungen verarbeitet
Foto: Markus Kirchgessner

Drei Mal in seiner Unternehmensgeschichte ist Jost durch die Hände von Private-Equity-Investoren gegangen. Der letzte, Cinven, entschied sich dann nach acht Jahren für den Ausstieg über die Börse. Am 20. Juli 2017 notierten die Inhaberaktien erstmals im Frankfurter Prime Standard. Die Aktien wurden in einer Privatplatzierung an institutionelle Investoren zum Preis von 27 Euro ausgegeben. Derzeit kostet die Aktie rund 54 Euro.

Mit dem Börsengang sind verschiedene institutionelle Investoren eingestiegen, die auch heute noch Anteile an Jost halten. Rund 38 Prozent sind in Händen von Investoren, die jeweils mehr als 5 Prozent der Anteile halten, die restlichen 62 Prozent sind breit gestreut. Davon, schätzt IR-Chefin Acosta, entfallen rund 15 Prozentpunkte auf Privatanleger. Lupus Alpha hält über verschiedene Fonds und Mandate derzeit gut 3 Prozent an Jost. „Ich bin froh, dass wir strategische Investoren haben, die uns auch in herausfordernden Zeiten wie 2020 die Treue halten“, sagt CFO Terlinde.

„Herausfordernd“ ist eine Untertreibung für das Corona-Jahr 2020. Dabei fängt es doch so vielversprechend an: Jost ist gerade dabei, die im Dezember 2019 angekündigte Übernahme der Ålö Holding AB abzuschließen. Neben Stoll und MX sind die Schweden einer der führenden Hersteller von Frontladern. „Ålö befand sich in der Hand eines Private-Equity-Fonds. Die Mitarbeiter und die Unternehmensleitung suchten nach einem industriellen Eigentümer. So wurde unser Zukauf zu einer gewünschten Übernahme, was die Integration enorm erleichtert“, sagt Terlinde.

Mehr zum Thema
Ausbau der IndustrieversicherungenMLP kauft RVM Versicherungsmakler
Umfrage unter UnternehmernDie größten Hindernisse für mehr Nachhaltigkeit
Nach dem Debakel im SuezkanalRobuste Lieferketten als Anlage-Idee