Susanne Woda, Portfoliomanagerin bei der GVS Financial Solutions

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Kursgewinne mit Aktien

Warum Rezessionen gut für Aktienanleger sind

Erfahrungsgemäß schneiden die Aktienindizes der Länder, die am Ende einer Rezession stehen, am besten ab – insbesondere dann, wenn viel Geld angelegt werden muss. Die von den Zentralbanken ins System gepumpte Liquidität verschärft die Suche nach neuen, viel versprechenden Anlagemöglichkeiten, solange die Zinsen niedrig bleiben. Eindrucksvoll beweisen dies aktuell die südeuropäischen Länder. Während die Aktien in Italien und Spanien weiter voranpreschten, ging dem Dax zum Jahresbeginn die Puste aus. Erst kürzlich vermeldete Italien das zweite Mal in Folge ein leichtes Wirtschaftswachstum und ist damit offiziell der Rezession entkommen. Der Aufwärtstrend im Aktienindex nahm aber bereits Mitte 2012 seinen Anfang, als Italien von einem Wirtschaftswachstum noch weit entfernt war. Bis heute hat sich der italienische MIB um satte 75 Prozent nach oben entwickelt. Ein ähnliches Muster war auch bei den Rezessionen in Deutschland zu beobachten. Die letzte Rezession in den Jahren 2008 und 2009 beispielsweise wurde mit einem BIP-Wachstum im ersten Quartal 2010 beendet, bis dahin hatte der Dax seinen Tiefststand bereits um 45 Prozent überwunden. Begründungen für dieses Phänomen gibt es einige. Zum einen neigen die Märkte in Abverkaufsphasen zu Übertreibungen. Das Überangebot der Aktien drückt die Preise meist unverhältnismäßig stark. Steigende Frühindikatoren wie Verbraucherstimmung und Arbeitslosenquote zeigen, wohin die Reise geht. Wenn das Wirtschaftswachstum dann nachzieht, sind institutionelle Investoren bereits wieder investiert. Hinzu kommt, dass Reformen und andere Wirtschaftsstimuli von Marktteilnehmern bereits honoriert werden, bevor sie überhaupt ihre Wirkung entfalten. Welche Länder könnten in den kommenden Monaten von dieser Tendenz profitieren – möglicherweise China? Zwar befindet sich das Land in keiner Rezession, das Wirtschaftswachstum beträgt mehr als sieben Prozent, verlangsamt sich aber stetig. Der Strukturwandel belastet den Export und wird quasi als Rezession wahrgenommen. Der Spielraum der Regierung zur Unterstützung der Wirtschaft ist groß, denn die Devisenreserven sprudeln noch immer reichlich. Von Wirtschaftsstimuli der Regierung könnten auch die chinesischen Aktienmärkte wieder profitieren – noch bevor das Wirtschaftswachstum wieder positive Signale setzt. Ein weiterer aussichtsreicher Kandidat könnte in den nächsten Monaten Russland werden. Mit Ausbruch der Krim-Krise haben sich die wirtschaftlichen Aussichten im Land vorerst weiter verschlechtert, im nächsten Quartal könnte das ohnehin dünne Wachstum sogar noch unter die Nulllinie fallen. Die Märkte haben diese Entwicklung bereits quittiert – möglicherweise zu stark. Für nachhaltige Investitionen ist es aber noch zu früh, das Land benötigt dringende Reformen, um der Korruption Herr zu werden, die Binnenwirtschaft zu stärken und die Abhängigkeit vom Rohstoffexport zu verringern. Eine politische Wende könnte Investoren auf dem aktuell günstigen Niveau anlocken. 2014 könnte damit zum entscheidenden Jahr für den russischen Aktienmarkt werden. Der Übergang von Rezession zu Aufschwung ist aber keineswegs Grund zum Ausstieg aus dem Aktienmarkt. In der Regel setzt sich die Aufwärtsphase an der Börse noch weiter fort, bevor sich der Schwung verliert. Aktuell trägt nicht zuletzt die überbordende Markliquidität dazu bei. Solange diese nicht zurückgeführt wird, heißt es dabeibleiben und Ausschau halten nach Regionen mit Turnaround-Potenzial.

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