Kurve des Grauens Wie ein Beinahe-Ereignis die Nerven blank legte

Der Herr der Zinsen: Der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, gilt als mitschuldig an der beinahe inversen Zinskurve. Er erhöhte den US-Leitzins mehrfach | © Getty Images

Der Herr der Zinsen: Der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, gilt als mitschuldig an der beinahe inversen Zinskurve. Er erhöhte den US-Leitzins mehrfach Foto: Getty Images

Am 4. Dezember 2018 zeigen viele Aktionäre, wie blank ihre Nerven liegen. An diesem Börsendienstag lassen sie den Aktienindex Dow Jones Industrial Average um 3,1 Prozent abstürzen. Unter anderem ist ihnen ein Schreckgespenst erschienen, das sie eigentlich schon verschwunden glaubten: die inverse Zinskurve. Zugegeben, das ist nun schon ein paar Tage her. Als Exempel taugt das Ereignis trotzdem noch.

Normalerweise gilt die Regel: Je länger man Geld anlegt, desto höher liegt die Rendite. Deutlich wird das an der sogenannten Zinskurve, für die man die Renditen unterschiedlich lang laufender Staatsanleihen in einem Diagramm abträgt. Idealerweise verläuft sie von unten links nach oben rechts. Doch nicht immer. In seltenen Fällen steigt die Rendite für Kurzläufer höher als die für Langläufer. Dann spricht man von einer sogenannten inversen Zinskurve.

Neunmal glitt die US-Wirtschaft seit 1955 in eine Rezession, also einen heftigen Abschwung. Und in allen Fällen kehrte sich die Zinskurve kurz zuvor um. Nur einmal löste sie Fehlalarm aus, ermittelte die Notenbank von Kalifornien in einer Studie. Die Vergangenheit seit 1976 zeigt die Grafik.

                                    Quellen: Morningstar, Federal Reserve Bank of St. Louis

Dabei ist noch nicht einmal klar, warum das so ist. Der Gegenlauf von Renditen und Kursen bei Anleihen bedeutet, dass für eine inverse Kurve die Kurse am kurzen Ende fallen und am langen Ende steigen müssen. Eine These besagt, dass Anleger aus kurz- in langlaufende Anleihen umschichten, weil sie eine Rezession und damit sinkende Leitzinsen erwarten. Diese Theorie würde bedeuten, dass Anleger eine Rezession korrekt und vor allem immer früher als die Notenbank vorhersagen können und den Anleihemarkt in die richtige Richtung drücken.

Etwas näher liegt eine andere Variante. Demnach erhöht die Notenbank die Zinsen regelmäßig in Boomphasen am kurzen Ende zu stark und würgt damit die Konjunktur ab, anstatt sie nur zu bremsen. Das klingt vor allem dann logisch, wenn man bedenkt, wie zäh und spät manche Konjunkturindikatoren auf die aktuelle Lage reagieren. Vielleicht liegt die Wahrheit auch in einer Kombination aus den beiden Thesen.