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Kurzläufer im Massenstart

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Welche Aussage ist so nicht richtig? Der Ball ist rund, ein Fußballspiel dauert 90 Minuten und Zertifikate laufen mindestens ein Jahr. Nun – noch vor einigen Monaten wäre dies eine Fangfrage gewesen, denn alle drei Aussagen waren quasi Gesetz. Doch mit der Einführung der Abgeltungssteuer und der gleichzeitigen Abschaffung der einjährigen Spekulationsfrist spricht nichts dagegen, auch in kürzer als zwölf Monate laufende Zertifikate zu investieren. Die Periode zwischen auf und Verkauf spielt seit Anfang des Jahres aus steuerlicher Sicht keine Rolle mehr. 25 Prozent plus Soli und Kirchensteuer gehen nun stets von realisierten Gewinnen ab – egal, wie lange ein Zertifikat gehalten wird. Die Emittenten nutzen die neue Spielregel und bringen reihenweise Kurzläufer auf den Markt. Laut der Rating-Agentur Scope wurden im laufenden Jahr beispielsweise rund 4.000 Bonuszertifikate auf Aktien und Indizes mit einer Laufzeit unter zwölf Monaten aufgelegt – davon werden etwas mehr als 1.100 sogar in weniger als einem halben Jahr nach Emission fällig. Im Discount-Segment liegen die Zahlen noch deutlich darüber. Der Grund: Zur Finanzierung des Bonusmechanismus benötigen die Banken die ausgeschütteten Dividenden, die jedoch nur einmal im Jahr gezahlt werden. Bei Discountern hingegen wird die Seitwärtsrendite über den Verkauf von Call-Optionen dargestellt, die Finanzierung ist praktisch für jedes Zeitfenster möglich. Neben den Teilschutzklassikern gibt es die flüchtigen Papiere unter anderem auch in den Varianten Garantie, Express oder Sprint. Gewinn und jährliche Rendite Natürlich sind die neue Freiheit und das zusätzliche Laufzeitsegment zu begrüßen. Dennoch sind bei den Zertifikate-Quickies einige Besonderheiten zu beachten. Da ist zunächst einmal das Zusammenspiel zwischen Gewinn und Rendite pro Jahr. Klar ist, ein noch sechs Monate laufendes Zertifikat wirft bei gleichem Verlustrisiko einen geringeren Gewinn ab als ein vergleichbares Papier mit zwölf Monaten Restlaufzeit. Aufs Jahr hochgerechnet liegen die Renditechancen in vielen Fällen jedoch auf ähnlichem Niveau. Beispiel: Das noch bis Mitte Juni 2010 laufende Dax- Capped-Bonuszertifikat der Deutschen Bank (DB4NWM) weist einen Sicherheitspuffer von 43,1 Prozent auf und bietet bei unversehrter Barriere eine Rendite von 13,2 Prozent pro Jahr. Das Zwillingspapier (DB4NUF) vom selben Emittenten kommt mit der nahezu identischen Ausstattung daher – einziger Unterschied: seine Restlaufzeit beträgt nicht einmal mehr sieben Monate. Um jedoch auf längere Sicht den gleichen Gewinn zu erzielen, muss der Kurzläufer spätestens nach Fälligkeit durch einen Neuen ersetzt werden. Ob dieser dann jedoch einen ähnlich komfortablen Risikopuffer bietet, ist fraglich. Dies hängt vor allem von der dann vorherrschenden Schwankungsintensität ab. Der Grund: Wenn es an den Märkten heiß her geht, sind Discount- und Bonuszertifikate preiswert und bieten optisch günstige Konditionen. Auch wenn sich die Kurswogen in den letzten Wochen spürbar geglättet haben, ist die Volatilität immer noch auf einem relativ hohen Niveau. In den kommenden sieben Monaten könnten sich die Beruhigungstendenzen jedoch weiter fortsetzen und den Einstieg in Teilschutzpapiere weniger attraktiv machen. Die Gebührenfalle Wenn sich Quickie an Quickie reiht, gewinnen außerdem die Transaktionskosten an Bedeutung. Logisch: Wer in zwei Jahren vier Mal sein Zertifikat wechselt, zahlt für An- und Verkäufe und mögliche Ausgabeaufschläge oder Spreads deutlich mehr als jemand, der sich für die gesamte Zeit auf ein Zertifikat festlegt. Die Gebühren drücken vor allem bei kleineren Anlagesummen die Rendite. Ein günstiger Online-Broker und ein intensiver Produktvergleich sind in solchen Fällen Pflicht. Besonders geeignet sind die Zertifikate mit kurzer Restlebenszeit, wenn das Geld von vorne herein nur zwischenparken soll und man beispielsweise erst in ein paar Monaten eine längerfristige Anlage plant. In diesem Fall konkurrieren die Kurzläufer mit mager verzinsten Sparbüchern und zusehends unattraktiver werdenden Tagesgeldangeboten oder Festgeldanlagen. Aktuell lockt zum Beispiel die ING Diba mit einer Verzinsung von jährlichen 4 Prozent auf täglich verfügbare Einlagen. Dieser Zins ist jedoch nur bis zum 30. April garantiert und fällt danach auf 2,25 Prozent ab. Für sechs Monate Festgeld offerieren die Holländer zurzeit nur noch 2 Prozent pro Jahr. Anders bei kurzlaufenden Discountzertifikaten: So wirft beispielsweise das am 14. Januar dieses Jahres emittierte und in sechs Monaten am 21. August fällig werdende Rabattpapier von BNP Paribas (BN2SKR) eine Rendite von 3,3 Prozent oder 7,4 Prozent pro Jahr ab. Einzige Voraussetzung: Der Dax darf bis zum Laufzeitende nicht mehr als 38,3 Prozent einbrechen – eine relativ sichere Wette, möchte man meinen. Festgeldalternative Discountzertifikat WKN: BN2SKR
Laufzeit: bis 21. August 2009
Basiswert: Dax
Emittent: BNP Paribas (S&P-Rating: AA)
Seitwärtsrendite: 3,3 Prozent (7,4 Prozent p.a.)
Discount: 40,3 Prozent
Spread: 0,08 Prozent Dieser Artikel stammt aus dem 14-tägigen Online-Magazin DAS DERIVAT. >> Aktuelle Ausgabe herunterladen >> Kostenlos abonnieren