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Kyoto? Nein danke! Kanada steigt aus

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Das Kyoto-Protokoll könne nicht funktionieren, weil es die beiden größten Kohlendioxid-Emittenten, die USA und China, nicht umfasse, so der kanadische Umweltminister Peter Kent kurz nach dem Ende des Klimagipfels im südafrikanischen Durban. Es sei inzwischen klar, dass Kyoto nicht zu einer globalen Lösung für den Klimaschutz führe. Wenn überhaupt, sei es ein Hindernis, so Kent. Kanada stimme einer Verlängerung darum nicht zu.

Grundsätzlich hatten sich die Teilnehmer am Wochenende auf eine Verlängerung des Protokolls und ein Nachfolgeabkommen geeinigt. Bis 2015 soll zudem ein Klimaabkommen mit den Nicht-Kyoto-Staaten verabschiedet werden.

Kanada ist das erste Land, das das Kyoto-Protokoll ratifiziert hat und von seinem Recht Gebrauch macht, vorzeitig auszusteigen. Möglich ist dies ein Jahr, nachdem das Land den Austritt angekündigt hat.

Ganz nebenbei umgeht Kanada mit dem Ausstieg auch 10,5 Milliarden Euro Strafe für nicht eingehaltene Klimaziele. Laut Umweltminister Kent könne Kanada die vorgegebenen Ziele 2012 nur erreichen, wenn entweder jedes Fahrzeug von der Straße genommen oder die gesamte Landwirtschaft eingestellt werde und alle Heizungen ausgestellt würden. Kanada produziert knapp 2 Prozent der weltweiten Treibhausgase und sollte laut Kyoto-Protokoll den Ausstoß bis 2012 um 6 Prozent senken.

Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif sieht im Ausstieg Kanadas nur den Beweis für das politische Versagen beim Klimaschutz. „Das Thema ist (...) inzwischen weg von der Agenda der internationalen Politik“, so Latif im Bayerischen Rundfunk. Der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen habe sich seit 1990 keineswegs verringert, sondern sei um 40 Prozent gestiegen. Latif: „Das heißt, es gab Klimaschutz nur auf dem Papier, aber nicht real.“

Hintergrund: Mit dem Kyoto-Protokoll haben sich 1997 die 160 Vertragsstaaten verpflichtet, den weltweiten Ausstoß der Treibhausgase, allen voran von Kohlendioxid, von 2008 bis 2012 um mindestens 5 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken. Die USA haben das Protokoll nie ratifiziert. Die Länder, die sich noch zum Kyoto-Protokoll bekennen, stoßen nur rund 15 Prozent der globalen Treibhausgase aus.

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