Lutz Neumann (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Leiter Vermögensverwaltung der Sutor Bank Länderrenditen fahren Fahrstuhl

Flaggen unterschiedlicher Länder vor dem UN-Hauptquartier in New York
Flaggen unterschiedlicher Länder vor dem UN-Hauptquartier in New York: Bei der Sutor Bank hat man sich die Entwicklung großer Länderindizes während der vergangenen 24 Jahre angesehen. | Foto: imago images / epd

In über 40 Ländern der Welt werden an Börsen Aktien gehandelt, von über 40.000 Unternehmen. Die Versuchung als Anleger ist häufig groß, unter den einzelnen Ländern nach vermeintlichen Geheimtipps oder besonders aussichtsreichen Rendite-Regionen zu suchen. Gibt es bestimmte Länder, die sich für die Geldanlage besser eignen als andere?

Für die Sutor Bank war dies ein Grund, sich die Performance von Länderindizes näher anzuschauen. Untersucht wurden die Aktienrenditen der 22 größten entwickelten Märkte – und zwar auf Jahresbasis in den letzten 24 Jahren sowie auf Monatsbasis in den 24 Monaten von Januar 2019 bis Dezember 2020. Datenbasis ist die Indexfamilie MSCI Net Dividends in US-Dollar.

Jahresrenditen unterschiedlicher Länder – nach Performance sortiert

Grafik: Sutor Bank

Prinzip Fahrstuhl auf Jahres- und Monatssicht

Auf Jahresbasis lässt sich bei jedem Länderindex ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Fahrstuhl-Muster feststellen. Allein bei der Hälfte (11) der 22 untersuchten Länderindizes liegen die einzelnen Länder im untersuchten Zeitraum von 24 Jahren mindestens einmal auf dem ersten sowie auf dem letzten Platz im Ranking. Die geringsten Ausschläge verzeichnet Frankreich – der französische MSCI-Länderindex lag als höchste Platzierung im Länder-Ranking auf Platz 5, als schlechteste Platzierung auf dem fünftletzten Platz. Deutschland hat als höchste Platzierung einen zweiten Platz aufzuweisen, lag aber auch einmal auf dem letzten Rang im Ländervergleich. Interessant, dass im Jahr 2008 Japan sogar ein Minus von 25,4 Prozent reichte, um auf den ersten Platz zu kommen. Ursache für die länderübergreifend schlechten Performances ist die Lehman-Pleite und die daraus resultierende Finanzkrise.

Auch auf Monatssicht fahren die Länder überwiegend wie wild Fahrstuhl durch die Etagen. So ist beispielsweise Dänemark im August 2019 auf dem ersten Platz und im Folgemonat auf dem letzten.

Ein weiteres Beispiel: Schaut man auf die monatlichen Aktienrenditen im Jahr 2020, fällt auf, dass es drei Länder gibt, die jeweils zweimal Monatssieger werden: Dänemark, Neuseeland und Österreich. Ein Indiz, um auch beim Jahresergebnis im vorderen Bereich zu landen? Nicht bei jedem Land: Zwar wird Dänemark im Jahresergebnis 2020 erster (+43 Prozent), doch Neuseeland nur sechster (+20 Prozent) und Österreich sogar nur 18. (-3 Prozent). Die Monatsplatzierungen lassen somit keine klaren Rückschlüsse auf den Jahressieger zu.

Monatsrenditen unterschiedlicher Länder – nach Performance sortiert

Grafik: Sutor Bank

Weltweite Streuung ratsam

Überraschend ist das Ergebnis für den gesamten Zeitraum von 24 Jahren: Mit einer annualisierten Rendite von 12 Prozent weist Dänemark die beste Wertentwicklung auf. Und das, obwohl Dänemark in diesem Zeitraum nur zweimal – 2015 und 2020 – die beste Jahresrendite erzielt hat. Die USA erreichen eine annualisierte Rendite von knapp 9 Prozent und damit den 2. Platz. Finnland hat sich mit fünf ersten und drei letzten Plätzen in der Gesamtwertung einen beachtlichen 3. Rang gesichert (+8%). Deutschland liegt mit 6 Prozent im Mittelfeld. Irland schaffte als Schlusslicht über 24 Jahre nur eine durchschnittliche Rendite von 1 Prozent pro Jahr.

Die Anzahl der in den Länderindizes vertretenen Werte lassen dabei keinen Rückschluss auf das Ausmaß der Schwankungen zu. Beispiel Dänemark: Im MSCI Dänemark sind aktuell 18 Werte vertreten, das Pharmaunternehmen Novo Nordisk hat aufgrund der hohen Marktkapitalisierung rund ein Drittel Anteil am Index. Das Land hat starke Ups und Downs erlebt und lag etwa 2015 im Länder-Ranking auf Platz 1, 2016 dagegen auf dem letzten Platz.
Demgegenüber werden im MSCI-USA-Index über 600 Unternehmen geführt. Doch auch dort gibt es extreme Aufs und Abs – 2004 und 2006 lag der MSCI USA auf dem vorletzten Platz im Länder-Ranking, 2014 auf Rang 1. Hier dürfte der hohe Anteil der Tech-Werte wie Microsoft, Facebook, Apple und Tesla für fortwährende Volatilität verantwortlich sein.

Der Vergleich zeigt deutlich, dass die globalen Aktienrenditen keinem Muster unterliegen. Die Wertschwankungen sind teilweise enorm – ob von Jahr zu Jahr oder von Monat zu Monat. Die Regel ist, dass sich keine Regel ableiten lässt. Und damit sind auch keine Vorhersagen für die Zukunft möglich. Ein weltweit breit diversifiziertes Portfolio ist somit die beste und logischste Form der Risikostreuung. Anleger nehmen dadurch die positiven Wertentwicklungen der globalen Aktienmärkte mit, unabhängig davon, wo und wann diese auftreten.

Renditesieger Dänemark

Tabelle: Sutor Bank


Über den Autor:
Lutz Neumann ist Leiter der Vermögensverwaltung bei der Hamburger Privatbank Sutor Bank.

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