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Langzeitprognose für 1.000 Jahre Wie hoch werden die Zinsen im Jahr 3017 sein?

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Zins-Depressionen und Gegenbewegungen

Soviel zu dieser zugegebenermaßen vergeblichen Spekulation über den künftigen langfristigen Zinstrend. Doch was ist mit langfristigen Zinszyklen? Immerhin zeigen die historischen Daten erhebliche Schwankungen der Realzinsen um den langfristigen Abwärtstrend herum. In der Tat identifiziert Schmelzing in den vergangenen sieben Jahrhunderten neun historische „Zins-Depressions-Zyklen“, wie er sie nennt, in denen es jeweils zu einem säkularen Rückgang der Realzinsen gefolgt von einer Trendumkehr kam. Die derzeitige (neunte) Zins-Depressions-Episode ist mit 34 Jahren bereits die zweitlängste seit Beginn der Aufzeichnung.

Als die vorherigen acht Zins-Depressionen (im Durchschnitt nach 26 Jahren) endeten, waren die folgenden Gegenbewegungen recht bösartig: In den ersten zwei Jahren nach dem Tiefstand stiegen die Realzinsen im Durchschnitt um 315 Basispunkte. Zweimal kletterten die Realzinsen innerhalb von zwei Jahren sogar um mehr als 600 Basispunkte. Wie Schmelzing bemerkt, wurden die Phasen der Zins-Depression in den meisten Fällen durch Katastrophen und/oder geopolitische Ereignisse wie die Pest, der Dreißigjährige Krieg oder der Zweiten Weltkrieg unterbrochen.

Er weist jedoch auch darauf hin, dass die „Lange Depression“ der 1880er und 1890er Jahre die engste Analogie zur heutigen „säkularen Stagnation“ aufweist. Die Lange Depression war durch „niedriges Produktivitätswachstum, Deflationsdruck und einen Anstieg des globalen Populismus und Protektionismus“ gekennzeichnet. Diese endete in den 1890er Jahren mit steigender Produktivität, der Entdeckung von Gold am Klondike, was zu monetärer Expansion und beschleunigter Lohn- und Preisinflation führte, und der Wahl von William McKinley zum US-Präsidenten – einem republikanischen unternehmerfreundlichen Protektionisten – im Jahre 1896.

Zinsen bleiben vorerst „New Neutral“

Könnten wir in absehbarer Zeit eine ähnliche Zinswende sehen? Ich glaube nicht. Ich argumentiere schon seit einigen Jahren, dass die fundamentalen Kräfte der demografischen Entwicklung, der Technologie und der Globalisierung weiterhin zu einem Überschuss an erwünschter Ersparnis gegenüber den gewünschten Investitionen führen werden. Das bedeutet, dass die Zinssätze in absehbarer Zukunft auf dem Niveau bleiben sollten, das wir bei Pimco das „New Neutral“ nennen. Darüber hinaus müssen historische Analogien immer mit Vorsicht genossen werden. Dennoch hat mich Schmelzings Studie neugierig gemacht, und ich beabsichtige mir einen tieferen Einblick in die Lange Depression und ihre Umkehrung vor mehr als einem Jahrhundert zu verschaffen.

Vorerst ist meine wichtigste Erkenntnis aus sieben Jahrhunderten Realzinsen: Am gegenwärtigen Zinsniveau ist nichts abnormal, wenn man eine wirklich langfristige Sichtweise einnimmt. Tatsächlich sind die Zinsen ziemlich genau dort, wo sie entsprechend der 700-Jahre-Trendlinie sein sollten.

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