Mit dem Leading Cities Invest (ISIN: DE0006791825) von Kanam wird zum ersten Mal seit der Finanzkrise wieder ein offener Immobilienfonds abgewickelt. Der einstige Fondsliebling – zwischenzeitlich mehr als eine Milliarde schwer – steckt seit der Zinswende tief in der Krise. Abwertungen, Kündigungswelle, Verkäufe, die Wertentwicklung zweistellig im Minus. Nun hat sich Kanam für die endgültige Schließung entschieden.
Sonja Knorr, die bei der Ratingagentur Scope den Bereich alternative Investments leitet, hält den Entschluss „aus Gründen der Anlegergleichbehandlung“ für „folgerichtig“. Der in der Hochpreisphase aufgelegte Fonds hat in den vergangenen Jahren bereits 70 Prozent der Immobilien verkauft. Da stelle sich „die Frage nach dem Interessenausgleich der verbliebenen Anleger und einer positiven Fortführungsprognose“. Diese habe es aufgrund weiterer Kündigungen und fehlender Zuflüsse nicht mehr gegeben. „Nun können die verbliebenen Immobilien verkauft und notwendige Maßnahmen durchgeführt werden, um den Verkauf optimiert umsetzen zu können“, erklärt Knorr.
Fondsschließung steht nicht für das gesamte Segment
Wichtig sei, die Schließung richtig einzuordnen: „Das Ereignis steht nicht für die gesamte Branche der offenen Immobilienfonds“, betont die Analystin. Der Leading Cities Invest hatte zuletzt das schwächste Rating unter den 19 von Scope bewerteten Produkten, die Zwölfmonatsrendite betrug -24,6 Prozent.
„Einige Fonds entwickeln sich dagegen wieder positiv und auch für die beiden Wohnimmobilienfonds, die im ersten Quartal die Ausgabe und Rücknahme von Anteilen ausgesetzt haben, gibt es eine Perspektive“, sagt Knorr. Im Januar stoppte der Wertgrund Wohnselect die Rücknahme und Ausgabe von Anteilen, wenige Wochen später folgte der Fokus Wohnen Deutschland.
Kritik an „Salamitaktik“ bei Abwertungen
Der frühere Fondsanalyst Stefan Loipfinger, der jüngst für die Organisation Finanzwende ein Gutachten zu offenen Immobilienfonds veröffentlicht hat, kritisiert das Vorgehen bei den Objektbewertungen in einem Blogbeitrag: „Der Leading Cities Invest zeigt eindrücklich was passiert, wenn die Gutachter Marktkorrekturen nur mit einer Salamitaktik weitergeben.“ Er meint, die schrittweisen Abwertungen hätten Anleger skeptisch gemacht und die Fondsabflüsse beschleunigt. „Geholfen hätte nur, die Wahrheit gleich zu Beginn der Marktkorrektur einzupreisen und damit den Grund für Rückgaben zu beseitigen.“
Zwar sieht auch Loipfinger keinen Dominoeffekt am Markt. Das liegt seiner Einschätzung nach aber auch daran, dass Banken und Sparkassen ihre konzerneigenen Produkte zur Stützung weitervertreiben. „Kanam hatte keinen eigenen Endkundenvertrieb und konnte keine bedenkliche Vertriebssteuerung in diesem Sinne vornehmen“, so Loipfinger.